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Samstag, 30. August 2014

Das Tal des Schreckens

Hilfe! Was war das?
Wir fuhren unsere ersten Kilometer in der Mongolei und waren zufrieden.
Zufrieden natürlich in erster Linie mit uns!
Aber auch zufrieden mit der Landschaft. Felsig und karg mit imposanten Formen wechselten sich ab mit runden, grünen Bergen. Extrem vielfältig in seiner Pracht erschien uns das Altai.
Zufrieden waren wir nicht zuletzt auch mit den Straßen. Zwar haben die Rally-Teilnehmer (welche berichteten, dass die Organisation dringend von der nördlichen Route abgeraten habe, da diese nicht befahrbar sei) als auch örtliche Bewohner versucht, uns zur südlichen Route zu bewegen (in Tsaagaannuur, wo sich die Straße in die südliche und die nördliche Route teilt, trafen wir einige englisch sprechende Personen. Überraschend kommt man mit russisch nicht weiter.) Doch wir haben die Nordroute geplant und so schlimm kann es ja nicht sein - dachten wir! Was weiß schon der hier lebende Mongole über die täglich von ihm befahrenen Straßen, wenn doch bei Google Maps als auch Open Street Maps eine klare Straße eingezeichnet ist und seit wann irrt das Internet?
Womöglich hätten wir auf die persönlichen Erfahrungen hören sollen! Kasachstans Straßen waren nur eine Übungsstrecke im Vergleich zu dem was uns erwartete.
Zunächst fuhren wir, uns selbst für unsere Entscheidung lobend und über alle anderen überheblich lächelnd, auf steinigen, aber passablen Straßen. Kurvig ging es zwischen einigen Bergen hindurch. Einzige Gefahr war zu frontal auf einen der größeren Steine aufzufahren und sich damit die Schläuche an der Felge zu perforienen. Gesagt getan: Einen kaschierten Stein haben ich übersehen mit entsprechenden Flickfolgen. Da begegnete uns zum ersten Mal auch die merkwürdige Art der ländlichen Bevölkerung. Aus dem Nichts hielt ein Motorrad neben uns. Der Mann stellte die Maschine beiseite und gaffte. Kein Wort zu uns. Wir waren interessante Lebewesen. So wie die Tiere im Zoo.
Diese Art von Bekanntschaft blieb kein Einzelfall. Wenn wir die Initiative zur Kommunikation ergriffen folgte selten etwas Ergiebiges. Erschwerend kam hinzu, dass diese gaffenden Personen lediglich mongolisch sprachen. Solche Sprachbarrieren hatten uns bislang auf der Reise nicht gehindert, waren wir stets in der Lage, über Gestik zu kommunizieren. Aber diese berittenen oder motorisierten Hirten riesiger Herden, die, sobald sie uns in der Ferne erblickten, aus Neugierde zu uns stießen, scheinen zu fasziniert von uns zu sein, als dass sie irgendwelche Reaktionen zeigen könnten - ganz so wie ein Reh, das sich nicht aus der Bahn der sich ihm nähernden Lichtern entfernt, ehe es die Lichter eben selber tun. Vielleicht leiden die beschriebenen Menschen auch nur unter einem pantomimischen Analphabetismus - eine Eigenschaft bzw. eine fehlende Eigenschaft die nach unseren Beobachtungen dann verstärkt auftritt, wenn die regionale Bevölkerung wenig Kontakt mit anderen Menschen zu haben scheint. Vielleicht gelingt es uns im dörflichen Bayern diese Beobachtung zu bestätigen.
Jedenfalls tat sich einige 100m nach der Reparatursession plötzlich eine weite Ebene vor uns auf. Herrlich! Bewegend! (Zu dem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass es noch größere Ebenen zu bestaunen geben sollte.)
Unwissentlich haben wir etwas geschafft, wozu die meisten Meteorologen nicht in der Lage sind: zwei Tage in die Zukunft zu sehen! Irgendwo am gegenüberliegenden Hang sollte der Auf- und Ausstieg aus dem Tal sein - in zwei Tagen! Es waren zwar nur rund 40km, doch ließen die geröllenden, steinigen, kiesigen, sandigen, schottrigen Spurrinnen kaum Geschwindigkeiten über 10km/h zu - und das auf flachem Gebiet und ohne Wind! Wir hatten im Tal einen Schnitt von ca. 8,5km/h! Sollten am Ende alle bezüglich der Routenwahl Recht haben nur wir nicht? Es war wahnsinnig anstrengend - aber machbar.
Anstrengend war es auch psychisch.
Zum einen, weil die eingezeichnete Route auf unserer Karte nur eine idealisierte Linien war, die es den Nutzern vor Ort selbst überließ die tatsächlich vorhandenen Spurrillen zu wählen. Dabei führte jedoch keineswegs jeder dieser "Wege" in die Richtung, in die er zunächst zu gehen schien. So wählten wir nicht nur einmal den falschen "Weg". Umkehren war für uns aus Ehrgefühl und aus motivationaler Sicht undenkbar. Eine unbefahrbare Straße gleich zweimal zu befahren? Lieber vergeblich darauf spekulieren, dass es besser wird!
Zum anderen da uns noch zwei oder drei Flussüberquerungen angekündigt waren ("unüberwindbar" wie ein Rally-Teilnehmer sagte) und unsere Kalkulationen bezüglich Essens- und Wasserreserven ergaben, dass es knapp werden würde, ehe wir die nächste Einkaufsmöglichkeit erreichten. Doch sowohl die Flüsse stellten kein größeres Problem als das der nassen Füße dar, und auch die Nahrungsreserven passten mit einem Tag Puffer.
Doch war es unser Glück, dass die bekannten Straßenverhältnisse aus dem Tal des Schreckens nicht so blieben. Wir hatten noch drei oder vier anstrengende Pässe zu bewältigen. Aber die Wege wurden besser und besser, was insbesondere für die Abfahrten von großer Bedeutung war. Am Ende hatten wir gar wahrhaftigen Asphalt!
PS: der Hindustan hält. Hat zwar einigen pubertäre Beulen an der Seite, aber läuft rund und stabil!

Mittwoch, 18. Juni 2014

Nach dem Sturm die Ruhe

Die Aufräumarbeiten haben unter tatkräftiger Mithilfe vieler Menschen begonnen. Nun sind wir fast so gut ausgerüstet wie vor dem Sturm:

Taschen sind geSeamGript.
Achsschraube neu ersetzt und eine weitere als Reserve gekauft.

Auf dem Weg nach Aktobe wurden wir in Alga auf offener Straße angehalten und mit der extrem gastfreundschaftlichen Seite Kasachstans vertraut gemacht. Wir wurden mehr oder weniger gezwungen diese anzunehmen. Und es war schön! Ein vierzehnjähriger Junge mit Ambitionen auf das Präsidentschaftsamt hielt uns an. Er sprach ausreichend gut englisch, dass man verstand, welche selbst gemachten Köstlichkeit wir essen durften - es war herrlich!
Darueber hinaus war die laufende WM Gespraechsstoff Nr. 1! Wir wurden ueber die aktuelle Situation aufgeklaert und bekamen noch den Hinweis, wo wir Abends in einem etwas entfernteren Dorf in Richtung Aktobe unser erstes Spiel (Schweiz gegen Ecuador) sehen konnten. Durch die Zeitverschiebung ist es nicht realistisch mehr als das erste Spiel, welches um 18:00 deutscher Uhrzeit beginnt, zu sehen: bei uns beginnt es um 21 Uhr...

Für die Unterkunft in Aktobe war ein Aufenthalt bei einer Familie geplant, deren Vater uns in Makat, einer Stadt irgendwo zwischen Atyrau und Aktobe mit entsprechenden Strassenverhaeltnissen, in einem Cafe mit Russisch und Zeichensprache angesprochen und nachdruecklich darum gebeten hat, dass wenn wir in Aktoben sind, ihn zu kontaktieren. Er koenne uns eine Dusche, ein Schlafplatz und etwas zu Essen bieten (dargestellt mit entsprechenden schauspielerischem Talent). Gesagt, getan!

Kaum waren wir nach unserer Tramp-Aktion und den positiven Erfahrungen in Alga dann auch in Aktobe angelangt - zwei Tage frueher, als wir es angekuendigt hatten - versuchten wir unser Glueck und riefen die kasachische Nummer an. Leider sprach der Vater noch immer nicht Englisch und auch sein Deutsch hatte sich nicht vebessert. Doch die Bemuehungen waren ueberwaeltigend. Letzlich organisierte er seinen Sohn, der gut Englisch spricht. Sie passten deren Tagesplan an unsere Beduerfnisse an und auch den des gestrigen und heutigen! 
Wir verbrachten zwei Naechte bei dieser netten Familie, die einfach zwei wildfremde Radfahrer bei sich aufgenommen hat. Von sich aus! Wir bekamen neben Essen, Schlafplatz und Dusche auch noch eine Menge Unterstuetzung, die Fahrraeder und das Material wieder in Schuss zu bekommen. Dazu waren wir gestern bei einem Bazar, aehnlich denen, die wir aus der Tuerkei kennen. Wo man alles bekommt. So haben wir neben der Achsschraube auch neue Latschen und Sonnenbrillen gekauft...

Die ewige Geschichte der Sonnenbrillen!
Ich habe mir auch zwei neue gekauft, denn:
nachdem Nr. 1 irgendwo um Ungarn bei der Grenzaktion ueber die Bahnschienen mit der Oma verloren gegangen ist, ist Nr. 2 bei einer Abfahrt irgendwo in der Tuerkei von meiner Lenkertasche abgeflogen. Nr. 3 hielt bislang am laengsten durch. Doch fiel sie letztens in einen Brunnen, als ich mich darueber beugte um Wasser aufzufuellen. Ersatzbrille Nr. 4 fiel zwar nicht vom Fahrrad, als es hinten auf dem LKW lag und rhythmisch zu den Schlagloechern auf- und absprang, aber diese Bewegungen fuehrten zu Kratzern, dass ich sie wegschmeissen konnte. Nun habe ich mir nach harten Verhandlungen Nr. 5 und 6 fuer zusammen 2000 Tenge gekauft... Nr. 5 ist bereits auf den Bildern unten im Einsatz (aehnelt sehr meiner geliebten, badenden Brille Nr. 3)

Nachmittags ging es dann darum das Stativ zu reparieren. Da de fehlende Mutter ein Sondergewinde hat, hat der Vater die originale Feststellschraube mit einem Gewindeschneider angepasst. Die Kontermutter wurde dann per Hand noch kleiner geschliffen, damit sie in das entsprechende Loch passte. Damit die Mutter nicht nochmal verloren gehen kann, hat der Vater sie nach dem Einsetzen mit Kaugummi versiegelt: "kazak style"!
Zusaetzlich fertigte er uns noch eine weitere Ersatzmutter an... Es wird einfach alles fuer uns gemacht...

Natuerlich haben wir am Vorabend auch gemeinsam das Deutschlandspiel gegen Portugal verfolgt und zum Anstoss, als auch bei jedem Tor mit einem Schnapsglas voll Vodka auf das naechste Tor angestossen. Es hat sich gelohnt! Herr Loew sollte uns dankbar sein!

Jetzt geht es gleich los in Richtung Orsk, welchs wir in drei Tagen zu erreichen gedenken.














Montag, 16. Juni 2014

Freitag der 13. Juni 2014

Tag 105 - ein abenteuerlicher Tag!
Abergläubig sind wir nicht - umso ärgerlicher ist es, dass diese Pannenserie an einem so bedeutungsgeladenen Tag passierten. Freitag den 13!
"Es fing ganz harmlos mit Monopoly an, ich war immer der reichste, weil ich immerzu gewann..." (Die Ärzte).
Bei uns ging es los mit Mos abgebrochenen dritten Ständer. Was solls, dann wird das Fahrrad halt an einen der Bäume hier in der vegetationslosen Steppe/Wüste gestellt. Dann war es ein Platten an Mos Hinterreifen. Erfahren-routiniert war dieses Problem binnen weniger Minuten gelöst. Doch beim Festziehen der Feststellschraube der Achse brach die Schraube! Kein Ersatzteil parat, kein Provisorium möglich - nicht bei diesen Straßen, nicht bei unserer Zuladung!
50 km vor und hinter uns zum nächsten Dorf! Wir befanden uns Genau in der Mitte. Genau in der Mitte befanden wir uns! Ahhhhh! Aber ein schattiges Plätzchen unter der Brücke hatten wir - es könnte also schlimmer sein. Ach ja, wurde es auch!
Uns blieb nichts anderes möglich als zu trampen! Der dritte LKW hatte dann auch die Möglichkeit uns mitzunehmen. Er wollte sogar nach Aktobe. Wir legten die Fahrräder und Gepäck hinten auf den langen, offnen Tieflader und verzurrten alles gut mit unseren Stropsen.
So schlecht die Straßen mit dem Rad zu fahren sind, so sind sie mit Auto/LKW noch schlechter! Von meinem Onkel (liebe Grüße an dieser Stelle) weiß ich, dass Schlaglöcher entweder mit 10km/h oder 90 km/h zu fahren sind, damit man sie nicht mehr spürt. Ratet mal wofür sich der LKW Fahrer entschieden hat!?
Entweder hat er nicht ganz die 90 erreicht oder mein Onkel hat sich getäuscht - letzteres mag ich bezweifeln! Wir fuhren in jedem Fall nicht ladungsangemessen. Angst und Bange war uns um unsere wertvollen Gegenstände hinten. Die Wertsachen in der Lenkertasche hatten wir selbstverständlich bei uns. Doch zur Mittagspause entdeckten wir, dass die Kamera von Mo aus der Lenkertasche fehlte. Sie war normalerweise an der Seitetasche eingeklemmt und zusätzlich mit einem Karabinerhaken gesichert.
Ist es Rassismus, wenn man den Fahrer verdächtigt? Wir wurden den Gedanken aber nicht los, dass am Ende der Fahrt der einzige Gegenstand der fehlte, genau aus der Tasche fehlte, welche der Fahrer als einzige Tasche während des hektischen Aufladens kurzzeitig in der Hand hielt! Wir ärgerten uns ob dieses vorschnellen Urteils über uns selbst, da es selbstverständlich auch die Möglichkeit gibt, dass Mo den Karabinerhaken ausnahmsweise vergessen hatte zu fixieren.
Letztlich ist es auch völlig egal auf welche Weise die Kamera verschwunden ist, wir werden die Antwort wohl nie erfahren. Vielleicht wäre es sogar besser, wenn sie geklaut wurde, dann hat sie wenigstens noch eine Funktion und würde nicht in der Wüste verstauben.
Ärgerlich - nein richtig ärgerlich, so, dass wir beide echt mies gelaunt waren, ist es nur um die verlorenen Bilder und Videos! Euch bleibt somit mein Wüstendance in der Mittagshitze zu einem System of a Down Lied vorenthalten: "everybody is going to the party have real good time. Dancing in the desert, blowin up the sunshine..." man hätte nur diese Zeilen gehört (mehr Textpassagen verstehe ich nicht), den Rest hätte ich extravagant ver-'eurythmisiert'. Man hätte es in Anlehnung an den Freejazz auch Freedance bezeichnen können...
Nun ja...
Nach der Pause fuhren wir in Kolonne in zwei LKWs weiter, da es eigentlich nur zwei Plätze in einem LKW gab. Der erste Fahrer wollte aber uns seinen LKW aber nicht komplett überlassen und zurückbleiben. Ganz verstanden habe ich das Problem auch nicht, da es zwar nur zwei Sitze gab, aber mit dem Anschnallgurt vom Fahrer insgesamt genau 0 Anschnallgurte gab. Also warum dann nicht auch zu dritt fahren, wenn sich eh keiner anschnallen kann? Aber er meinte bei drei Personen meckere wohl die Polizei. Nicht aber bei 0 angeschnallten Personen und auch nicht bei telefonierenden Fahrern?
Egal, so saß ich im zweiten LKW und hatte immer wieder die Möglichkeit unser hüpfendes Gepäck von hinten zu sehen, während sich die Fahrer auf der Sandstrecke ein kleines Rennen ablieferten. Es ging darum wer die am wenigsten löcherige Fahrbahn der bis zu 8-spurigen Sandhighways fand, in dem man immer wieder dir Spur wechselte, sobald der die Spurrinnen trennende Erdwall an einer Stelle platt gefahren war - nach dem Prinzip auf der anderen Seite des Zauns ist der Rasen grüner!
Gewinner konnten wir nicht ausmachen, dafür aber eine Menge Verlierer:
Stoßdämpfer, Achse, Reifen, Anhängeraufhängung, meine Nerven, mein Wasserhaushalt (ich bin glücklich nur übermäßig transpirert zu haben und nicht auch noch unkontrolliert uriniert), Mos Kopf (vom gegen die Decke stoßen), ein Haufen Kleinvieh von Fliege bis Erdmännchen und natürlich unser Material hinten.
Erstaunlich war, dass der zweite LKW einen Kleintransporter geladen hatte. Dieser ca 2 Tonnen Zuladung brachten ihn aber nicht davon ab seinen Bleifuß einzusetzen.
Nach zwei missglückten Ausstiegversuchen, bei denen Mo und ich uns abwechselnd nicht einig waren weiter zu fahren und das Material zu riskieren oder auszusteigen und womöglich kein Ersatzteil für Mos Fahrrad in einer der kleinen Städte zu finden.
Als die Straße auch dann nicht besser wurde, als sie hätte besser werden sollen, weil 2 Hauptstraßen zusammengeführt wurden, entschieden wir kurzerhand auszusteigen. Mit den Gedanken "Notfalls schieben wir die letzten 100km bis Aktobe, als noch länger die Räder auf dieser Buckelpiste zu malträtieren"' lies ich die LKWs mit einem inzernational verständlichen Urschrei "Stop" anhalten. Diese vier Buchstaben in Form eines Schildes hatte der Fahrer einige male lachend und darauf deutend ignoriert.
Wir entpackten unsere Räder samt Gepäck und packten uns anschließend mies gelaunt zwischen die hier so weit im Norden existierenden Büsche!
Mies gelaunt, weil wir den bislang schönsten, grünsten und wasserreichsten Teil Kasachstans im verkehrsuntauglichen Truck verpassten. Wobei die Trucks noch die schnellsten auf den Straßen waren, da diese besser gefedert 80% der Schlaglöcher überfuhren, während die PKWs zum Teil darin zu verschwinden drohten.
Mies gelaunt darüber, dass wir einen Radreisenden uns haben entgegenkommen sehen, als wir eingesperrt in der Karosserie dieser Maschine saßen.
Mies gelaunt darüber, was heute alles kaputt oder verloren gegangen ist! Das Trampen, bzw die Verschnürung, die Straßenverhältnisse und der Fahrstil (erinnert mich irgendwie an den Schuh des Manitu: "das ist doch kein Reitstil, das ist Tierquälerei") haben Mos hintere Taschen und den Gitarrensack schwer beschädigt. Dem Kamerastativ fehlt eine Schraube, eine Stropse ist abgerissen, etwas Material an Sattelstange und Mos Schaltkasten (um Missverständnissen vorzubeugen: ich meine damit den seines Fahrrades) ist abgetragen.
Die kleinen Löcher in den Taschen kriegen wir mit SeamGrip geflickt, ob dies mit den großen Rissen klappt wissen wir noch nicht. Im ersten Versuch sind wir gescheitert...
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Samstag der 14.
Ausgeschlafen! Erholt! Und dann? Die nächsten Probleme! Kein Frühstück!
Im gestrigen Trubel haben wir nicht nur das Fußballergebnis des WM-Auftaktes verpasst, sondern auch vergessen einzukaufen. So wollten wir Spaghetti zum Frühstück machen, da die gestrigen Reis-/Salatreste von Ameisen kontaminiert waren. Doch die Pumpe für unseren Kocher gab just in dem Moment den Geist auf. Aberglauben ist also Unsinn! Der 14. beginnt ja noch schlechter als der 13! Oder ist darin eine Steigerung zu sehen?
Doch konnten wir den Defekt kurzweilig zum Kochen beheben und nach dem Kochen gänzlich: Beim MSR-Kocher sollte der Pumpkolben regelmäßig geölt werden, sonst bleibt das Ventilgummi nach Druckaufbau unten kleben und wird nicht mehr mit zurückgeführt.
Für Moritz ging es dann auf in die 15km entfernte Stadt, mit dem Ziel die Feststellschraube zu ersetzen, während ich mich daran machte Kocher zu reparieren und zu reinigen sowie sämtliche Taschen zu SeamGripen. Erstaunlich schnell war Mo zurück. Es gäbe wohl kein Fahrradladen in Kandyagash, aber hilfsbereite Menschen haben ihm die Schraube geschweißt. Leider hielt diese Naht nicht!
Nach dem Mittagessen ging es auf zu einem zweiten Versuch. Etwas erfolgreicher kam Mo davon zurück. Er hatte eine entsprechende Schraube, die leider nicht gänzlich festzuziehen ist, da die Mitte sonst durch rutscht. Als Provisorium allerdings durchaus geeignet. Auf dem Weg zum halbwegs erfolgreichen Abschluss dieser blöden Achsgeschichte, hatten viele Menschen ihren Anteil daran. Hilfsbereite Menschen, die sich genauso darum bemühten, die Sprachbarriere zu überwinden: Sei es im ersten Versuch beim Schweißen oder im zweiten Versuch, die Organisation der Schraube und der wohl einzig passenden Mutter in dieser Gegend. Mo war zunächst beim Automechaniker, welcher nicht weiterhelfen konnte. Zwei Kunden boten Mo an, ihn zu verschiedenen Baumärkten zu fahren - der dritte hatte die entsprechende Schraube, aber keine Mutter. Letztere ließ sich dann, zurück beim Mechaniker, im Kofferraum eines dritten Kundens auftreiben.

Brandenkasachstanburg

Zeit!
...
Nichts zu sehen außer Autos, Staub und -wolken sowie die Weite.
...
Das lässt Raum und Zeit!
...
Zeit nachzudenken, zu reflektieren, sein eigenes Leben auf den Prüfstand zu stellen!
...
Und das einzige was uns auffällt ist, dass es viele Parallelen zwischen Kasachstan und Brandenburg gibt. Entweder ist uns bereits zu langweilig, dass wir in voller Lethargie nicht mal mehr denken können oder wir haben es einfach zu gut - was angesicht erstmals schmerzender Hintern nicht sein kann!
...
Nach 5500km die ersten Schmerzen!? So plötzlich!? bzw wieso jetzt? War die Eingewöhnungszeit (320h) zu kurz? Kommt die Belastung für die Hintern so überraschend? Ist es die Hitze? Haben sich unsere Sitzpolster durch gesessen?
Oder sind selbst unsere Hintern so phlegmatisch, dass sie erst jetzt kapieren, dass wir seit über 320h auf einem Lederfetzen sitzen! Bei Mo ist eine Erklärung vielleicht einfach: sein Sattel ist so weich und durch gesessen, dass er auf die unteren metallenen Streben aufsetzt/-sitzt. Bei mir lässt aber bestenfalls die dämpfende Wirkung der Hosenpolster nach... vielleicht ist es ja auch einfach nur die Hitze oder eben die Langeweile die einen an den Arsch (der Welt) erinnert - womit wir wieder bei Brandenburg wären!
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Also zurück zu Brandenburg- nur gedanklich, so schlimm ist es hier in Kasachstan nun auch nicht!
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Beide sind flach und öde, nichts zu sehen, außer ein paar Seen, die hier allerdings ausgetrocknet sind. Hier ist es wärmer als in Brandenburg, was vielleicht an der sozialen Kälte liegt. Denn hier haben wir mittlerweile sehr aufmerksame Menschen getroffen, die uns beim Überholen mit dem Auto eine Flasche Wasser, Cola oder sogar einmal Bier durch das Fenster reichten: Solch einen Service erhalten sonst nur die Profi-Radsportler...
Brandenburg hat vielleicht etwas mehr Bäume, daher kann man sich Kasachstan einfach wie Brandenburg nach einem Kahlschlag vorstellen.
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Apropos Kahlschlag! Auch politisch werden wir immer wieder an Brandenburg erinnert. Jeder zweite Kasache mit dem wir uns "unterhalten", fragt, nachdem wir uns als Deutsche geoutet hatten, nach Adolf Hitler, bzw bezeichnet uns als Faschisten. Allerdings sind wir sind uns nicht sicher, ob die entsprechenden Kasachen bei der Erwähnung unserer Herkunft sofort auf Adolf Hitler zusprechen kommen, um damit zu provozieren oder nur nachzufragen, also ein reines Interesse daran haben, wie dieses brisante Thema in Deutschland wissenschaftlich diskutiert und in den Schulen behandelt wird:
Denn so wie wir einfach nur "girmanja!" auf die Herkunftsfrage antworten, sagen sie einfach nur "Adolf Gitler!?" meinen aber Hitler, was daran verständlich wird, dass die nähere Erläuterung "faschisti!?" folgt. Zum Teil folgen weitere Erklärungen durch das Stramm stehen und abrupte Heben des rechten Armes.
Es ist ja bekannt, dass auch in Brandenburg die Meinung sehr weit verbreitet ist, dass das Deutsch-Sein mit rechter Ideologie verbunden ist.
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Mittlerweile sind wir davon abgekommen, solche Kommentare einfach zu ignorieren. Viel zu oft wird bei rechten Gedanken weggesehen und sie ignoriert! Wir nehmen stattdessen die Aufforderung zur Diskussion über die Frage zum wissenschaftlichen Stand und Umgang mit Hitler sehr ernst!
Lange haben Mo und ich überlegt wie man dieser Bitte um Perspektiverweiterung nachkommen kann. Die Ideen gingen von Beschimpfungen (abgelehnt aufgrund pazifistischer Einstellungen), bis hin zum auswendig gelernten Monolog auf russisch, der mehr Licht in das Dunkle bringen könnte (abgelehnt: keine Nachfragen möglich und zu viel Aufwand - wir haben ja keine Zeit). Daher stellen wir uns der Diskussion und machen auf der Stelle demonstrativ kehrt, begleitet mit dem Ausruf "Hitler njet!". Dies hatte leider auch einmal zur Folge, dass wir auf Wasser verzichteten, welches uns gerade gebracht wurde, ehe eine zweite Person aus dem Haus kam und uns mit der bekannten Initialfrage begrüßte.
So wie sie ihre weitreichende Frage sehr schlicht formuliert ist, ist unsere Antwort daran angepasst.
Ich bin davon begeistert, wie man mit so wenigen Wörtern Diskussionen bis in das letzte Detail führen kann. Aber gerade beim letzten mal sollte es einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, da wir 1. auf Wasser verzichteten, 2. den Ausruf "Hitler njet" wiederholten und 3. Mo und ich beim Umkehren uns in die Quere kamen, sodass Mo dabei halb-elegant vom Fahrrad absteigen musste und das Fahrrad in den Dreck legte.
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Doch es gibt auch Unterschiede zwischen Brandenburg und Kasachstan: Wölfe sind hier nicht Wölfe sondern Wildpferde, Kamele, Ziegen und Erdmännchen. Ich bin im Übrigen der Meinung Steve gefunden zu haben! Statt verstaubter Menschen gibt es hier verstaubte Sträucher. Die Entfernungen zwischen den Dörfern beträgt nicht 10 sondern eher 100km, was aber im Verhältnis zum restlichen Gebiet wahrscheinlich auf den gleichen Faktor hinausläuft. Ich denke weder Achim Mentzel noch Washington, Denzel waren jemals hier - wieso auch?
Auch gibt es Momente, in denen wir uns nach Brandenburg sehnen. Nicht nur weil wir damit Berlin näher wären. Nein! Die hiesigen Straßenverhältnisse lassen uns selbst die brandenburgischen Straßen/Autobahnen vermissen. Nachdem wit stellenweise gut ausgebaute Teerstraßen zwischen Atyrau und Dossor hatten, sind die Straßen hier nicht mehr als solche zu bezeichnen. Wir haben fakultativ bis zu 8-spurige Sandhighways, eine löchrige Schotterstraße oder einfach nur mannshohe Krater mit Asphalt drumherum. Es ist Adrenalin pur und fordert höchste Konzentration, den richtigen oder zu mindestens nicht den falschesten Weg zu finden. Es ist zum Teil wie Achterbahn fahren, nachteilig ist hierbei nur, dass der Verschleiß an Material recht hoch ist. Gestern (Tag 104) hatte ich kurz vor unserem anvisierten Zeltplatz am See (welcher dann doch ausgetrocknet war) einen Platten. Heute (Tag 105) war Moritz nach rund 20km an der Reihe. Rasch geflickt und dann geschah das eigentliche Problem... Freitag der 13.?
Fortsetzung folgt

Sonntag, 15. Juni 2014

Material

Dem Material merkt man die Strapazen der Reise deutlich mehr an als uns. Die Schraube an der Achse ist gebrochen, sodass wir wieder gezwungen waren zu trampen. Erstmal haben wir das provisorisch repariert, mal sehen wie das weitergeht. Details und Fotos folgen.

Donnerstag, 29. Mai 2014

AZ Visa - liveticker

9:20
+++ Till verabschiedet. Er versucht Aigers auf dem Weg nach Yerevan einzuholen +++

10:00
+++ An der Botschaft!
Der Andrang ist wieder größer, die Masse hysterischer; Olcay ist da. +++

10:05
+++ die Masse von Security lässt die erste Person eintreten +++

10:06
+++ die Masse wird aufdringlicher. Nicht nur die Sonne wärmt, sondern auch die Nähe zu den haarigen LKW - Fahrern +++

10:08
+++ ist es ein Aufnahmekriterium als LKW-Fahrer dick und haarig zu sein, eine Folge des Berufs oder haben sich nur dicke und haarige LKW-Fahrer hier eingefunden? +++

10:09
+++ Olcay darf eintreten! Gibt seine vorbereiteten Visaunterlagen ab! +++

10:10
+++ Olcay kommt wieder heraus - unverletzt! Darf am Montag alles abholen. GMT!? +++

10:15
+++ wir dürfen eintreten! Die nette Frau mit dem Metalldedektor kennt uns, wir kennen das Prozeder: Handy aus, alles metallische auf den Tisch legen und dann... was? Sie lässt uns ohne zu scannen passieren. Als nächstes gehen wir noch mit ihr Abendessen? Die Uniform steht ihr! +++

10:17
+++ ohne Visum verlassen wir das Gebäude. Um 14 Uhr sollen wir eine Nummer anrufen, die nach Aussagen schwedischer Mitleidender stets besetzt ist. Dann erfahren wir ob die Visa abholbereit sind oder nicht. +++

10:18
+++ Nummer notiert; Entscheidung getroffen: 16 Uhr gehen wir in jedem Fall hin +++

11:00
+++ mit Olcay kommen wir in unserem Hostel an. Er wird hier einziehen. Mal sehen ob wir auch bleiben müssen? Das Zimmer ist groß genug. Wir haben optimistisch wie wir sind fertig gepackt! +++

12:00
+++ noch 2 h Langeweile bis zum Telefonat. Weiß jetzt wie das ist, wenn bei einem Fußballspiel nichts passiert und die Live-Ticker-Schreiber dennoch etwas schreiben - die machen das aus reiner Langeweile! Hier scheint die Sonne. In Deutschland wohl nicht überall - wir wünschen euch allen dennoch einen schönen Feiertag. +++

13:45
+++ die Geschichte mit dem Plätzen wiederholt sich. Entweder ist Mo inkompetent oder der Schlauch ist hinüber. Gestern erster, zweiter und dritter Platten. Heute morgen vor Abfahrt repariert. Jetzt gerade erneut reparieren müssen! +++

13:59
+++ gleich wird angerufen +++

14:16
+++ AFFEN!!! Die Schweden hatten recht. Man wird durchgestellt und dann wird die Verbindung unterbrochen! Also 16:00 wir kommen! +++

15:11
+++ Hunger! Ein mir nicht unbekanntes Gefühl. Lösung wird Moritz jetzt vorgeschlagen! Wir holen uns hier meist beim Bäcker was zu. Essen ist fettig und salzig! +++

15.40
+++ Tee trinken gegen die Nervosität! Hilft da Schwarztee? +++

15.47
+++ hat nicht geholfen. Nervös, voller Vorfreude und bereit für die Enttäuschung wollen wir los! Mos Hinterreifen sieht verdammt platt aus! Diät verschreiben? +++

16:00
+++ die alte bekannte Masse. Wir haben einige neue Freunde gefunden. Ist es Rassismus, dass dies alles englischsprachige Europäer sind - keine Türken? +++

16:10
+++ ein Holländer darf rein +++

16.11
+++ ein Kanadier darf rein; der Holländer kommt enttäuscht heraus. +++

16.12
+++ der Kanadier kommt enttäuscht heraus; der Holländer fährt mit seinem Motorrad davon und schreit etwas von Planänderung; er fährt halt in die Türkei! +++

16.13
+++ der Kanadier wird über die Sprechanlage nochmals herein gerufen! Alles nur ein Scherz? + + +

16:15
+++ Einlass auch für uns. An der hübschen Frau vorbei (die arme steht nun in der prallen Sonne; ob man ihr ein Eis anbieten darf? Sie sieht nicht freundlich genug dafür aus, als dass man es riskieren sollte; viel zu pflichtbewusst)
+ + +

16.16
+++ drinnen warten eine Menge Menschen. Wir sehen den Kanadier! Die Visa müssen gleich da sein.
+++

16.17
+++ die Schweden treten ein +++

16.35
+++ die Schweden kriegen ihre visa! Wir waren doch zuerst da! Nur weil wir deutsche sind! Das ist doch unfair! +++

16.40
+++ lauter Türken kriegen beim reinkommen gleich ihr Visum ausgehändigt. Der Kanadier kriegt sein Visum!!! Aber wir sind deutsche! Warum kriegt der Kanadier und wir nicht... +++

16.59
+++ ja!!!! Wir haben unsere Visa!!!
Auf nach Hause packen und ab die post gen Grenze. Morgen rein da und dann auf zur nächsten Grenze per Bus oder per Anhalter!!! +++

17.01
+++ Mo hat einen Platten +++

17.30
+++ platten repariert +++

Das Spiel ist aus ein neues beginnt. Bis bald an gleicher Stelle!

Donnerstag, 22. Mai 2014

Azerbaijan, here we come

Yesterday we arrived in beautifuln Stephansminda, wanting to cross the border after a wet an cold night (snow in may, why?!) and were stopped by a georgian policeman, 25 km from the border, 20 from the blocked road. He made clear to us that he would let no one pass and that we should go back. When we said something about our Kazakhistan visa ,he started to laugh. So far so good, we decided to stay a night and to ask around if there would be other ways to get to the border.
Later that day ,we found out, that the road will be blocked for at least 10 days and that the russians closed the border as long as the streets remains closed. So even sneaking around the policeman and the blocked road wouldnt have done us any good.
So we sat down to search for other options. The best we came up with is this one. We'll go back over the mountains, get a transit-visa for Kazakhstan, take the train to Baku ,the bus to the Russian border and cross there. Inschallah ,as we learned in Turkey. The fun part, besides going back over the mountains, is that we will meet Till and Aigar in Tblisi again. There just seems to be no getting rid of them. :-)
Since I cant add pictures of the planning and the policeman ,i'll add some others of the last few days.
The first one is with Johnny the honey dealer, his mate and Annie and Steve who are above 70 and cycled faster up the mountain than we us, though in our defence I have to say, that they had hardly any luggage.
In the third one it is snowing, although you cant really tell from the picture i think.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Stepansminda und weiter

Sieht schlecht aus. Sind gerade in Stepansminda, weiter lässt die Polizei uns nicht. Wir haben Aussagen, dass der Spaß hier noch wenige Stunden bis zu 10 Tage andauern kann. Entsprechend wenig Informationen haben wir. Wir nehmen uns erst einmal ein Zimmer um zu trocknen. Die letzten Tage hat es nur geregnet und heute morgen sogar geschneit. Wir haben kurz hinter Gudauri gecampt, auf knapp 2300m.
http://maps.google.com/maps?q=42.48927,44.46522
Da es nicht aufhören wollte zu regnen sind wir halt klatschnass hier angekommen. Da es um die 5°C waren (in der Nacht an die Null) und durch den Fahrtwind die gefühlte Temperatur deutlich darunter haben wir jetzt keine Lust auf Zelten. Außerdem versuchen wir dann hier verlässliche Daten zu erhalten und evtl. Alternativen.
Also erstmal auftauen, trocknen und dann weitersehen.
Eindrücke vom Ort http://cyxymu.livejournal.com/1546134.html

Dienstag, 20. Mai 2014

Neue Möglichkeit?

Haben den Aufbruch zum Gletscherabbruch verzögert. Zu stark war der Wolkenbruch der letzten Nacht und den vergangenen Stunden. Jetzt sind die Sachen alle am trocknen und dann gehts los zur Erkundung. Dabei habe ich nochmal die Nachrichten gescheckt und bin auf eine weitere Möglichkeit gestoßen:  http://www.civil.ge/eng/article.php?id=27244
Es bleibt die Frage der Finanzierung :D
Englischsprachige Nachrichten gehen von bis zu zwei Wochen aus, derer es bedarf ehe die Straße wieder passierbar sein wird. Bewohner von vor Ort sagten uns, dass man von 7-12 Tagen ausgehe... aber das bezieht sich ja nur auf Autos und Lastkraftwagen. Mal sehen was wir mit Fahrrädern erreichen. Es hieß man müsse gut schwimmen können...

Montag, 19. Mai 2014

Update zur Blockade


Wir sitzen hier im Café, draußen hagelt es. Wir haben den Plan geändert. Ist zu weit bis zum Erdrutsch. 40km statt der gesagten 4km. Fahren statt heute ohne, morgen mit Gepäck hin und versuchen entweder zu Fuß rüber zu kommen oder dass uns ein Bagger rüber bringt...
Wenn es klappt dann gibt es bald Nachrichten aus Russland. Wenn nicht, melden wir uns womöglich von gleicher Stelle...

Vodka and blocked mountain passes

So far quiet a lot happened in our quiet short stay in georgia. We had our first two raindays in a row, we had our first buzz on the highway, we had the hottest days of our trip and for the first time we might have to turn back.
So first the rainy days. Actually nothing spectacular ,it just raoned for two days and we didnt like it because the Georgian roads we were on in these days were quiet full and it is no fun being overtaken by a truck with a safety distance of 60cm in the wet. This is why Cedric tried a different approach, being picked up ,as you can see in the picture below. Unfortunately for the truckers or for him ,i dont know but no one stopped.
The vodka incidence happened 3 days after batumi. We ran out of food after a very thin breakfast ans couldnt find any place where we could buy something to eat. The day was really hot and we were in the mountains. At around 12am we were getting really hungry and at 1pm we were starving when we saw a huge house beside the road with a bread painted on it. We went in to get some brea and when we came out we were invited to a drink by two old big guys sitting on the veranda in front of a table with delicious food. Polite as we are we kindly accepted the offer. As if we didnt know not to drink on a empty stomach. Luckily we were also invited to eat with them so we didnt have to push the bikes when we left an hour and another vodka later. I really think that the glasses are bigger here in Georgia ,or just with the two of them. What came then is predictable, we went to the next nice place to lay down, ate some more and took a nap. The next day we passed the Gomi-vodka factory and couldnt resist.
The other days were a little quieter, we met annoying(at least in my opinion)children who gave us a big Georgian flag, we slept on a porch ,30 meters off the highway, we rode on the motorway for one day and no one cared and we met a corean guy who travelled to georgia on a folding bike.
Now to the blocked mountain pass. As it turns out two days ago an avalance blocked the road 30 km ahead of us and we cant pass. What we will do about that we will see tomorrow. The best case scenario is that there is a way around the blocked area you can go by bike and its only the cars which have to stop, the worst case scenario is that we have to go back and find another point to get across to russia. So fingers crossed!

Vor dem (Lauf)Pass

18.5.2014
Womit soll ich anfangen? Es ist so viel spannendes passiert, aber die Pointe vorweg nehmen? Das was die Fahrt gerade so richtig spannend macht oder ihr ein Ende setzen kann!? Naja bis zum letzteren Fall müsste noch eine Menge geschehen. Doch bleiben wir chronologisch korrekt! Die Ungeduldigen können ja nach unten scrollen.
Wie bekannt haben wir uns mangels sinnvoller Alternativen für die Route durch Georgien entschieden und das Klettern im Kaukasus. Es war, so wie wir bis vor wenigen Stunden dachten die richtige Entscheidung! Tolle Landschaften durften unsere Augen bewundern. Die Straßen sind in Ordnung, die Autofahrer etwas irre, aber reaktionsschnell. In einem Land wo plötzlich Kühe, Schafe, Esel, Hunde oder eben Radfahrer vor einem auftauchen ist dies auch notwendig. Zwar fühlten wir uns zunächst verunsichert, aber rückblickend muss man konstatieren, dass in der Türkei deutlich mehr Totes auf den Straßen lag. Auf jeden Fall hupen die Georgier deutlich aggressiver und seltener zum Anfeuern, eher zum Warnen, wobei es ein rhetorisches Warnen ist, was vielleicht als Drohung verstanden werden sollte. Darüber hinaus verstehen die Autofahrer die grünen "Control"-Schilder erkennbar durch die abgebildete Kamera eher als moderne Form des Scoutings für die Formel 1. Mich oder vielmehr sie sollte es mal wundern, dass keine georgischen Formel1-Fahrer mitfahren...
Die Erfahrung, die wir mit Menschen außerhalb ihres Autos gemacht haben sind überwiegend positiv. Zwar sind sie zunächst sehr distanziert, aber wenn man sie anspricht, mit ihnen ins Gespräch kommt oder der Alkohol ihre Stimmung lockert, sind sie sehr herzliche Menschen. Also eher so wie wir in Deutschland und nicht so direkt ja fast aufdringlich wie die Türken (diese verallgemeinernden Aussagen basieren auf einer höchst repräsentativen Stichprobe einer von uns durchgeführten Studie - höchst subjektiv! Oder war das doch objektiv?)
Meist kriegt man noch weitere Äpfel geschenkt, wenn man eigentlich nur 6 haben wollte, weil die genau das maximal mögliche Packmaß haben - aber wir wollen ja höflich sein.
Genau so höflich waren wir auch, als wir einmal an einem sehr heißen Tag, an dem wir wenig zum Frühstück gegessen hatten und zum Mittag großen Hunger hatten. Es war der 75. Tag unserer Reise und der dritte seit Batumi, als wir eben Brot und Nüsse kaufen wollten und auf ein Glas Vodka eingeladen wurden. Die Frauen am Backen, die Machos...ich meinte die Männer, mit Bauchumfang der zum Ausdruck brachte, dass sie in ihrem Leben neben dem Vodka auch dem Essen fröhnen, auf ihren Stühlen/Sesseln thronend, die die Hierarchie klärten, forderten uns auf mitzutrinken - wir wollten ja nur höflich sein. Sie gaben uns auch ein wenig von ihren Essensresten ab, aber wir waren zu höflich, um so viel zu essen, dass wir gesättigt wären. Zum Essen gab es natürlich das zweite Glas Gomi-Vodka, sehr lecker... die Folgen wären wohl abzusehen gewesen, aber wir waren doch so höflich... entsprechend wenig fahrtüchtig haben wir uns nur aus Höflichkeit auf die Drahtesel geschwungen und sind zwei Kilometer gefahren - wohl auch recht gerade - unter anderem durch einen Tunnel, ehe wir uns ein Plätzchen zum Ausnüchtern suchten, was mit einer kleinen Mahlzeit eigentlich schon getan war.
Statt auf der tollen Landschaft, den Bergen und den wundervollen Bergflüssen baut das georgische Selbstverständnis auf dem leckeren Weißwein und dem (Gomi)Vodka auf. Ach! durch Gomi sind wir zufällig auch durchgefahren und mussten eine Flasche als Andenken mitnehmen. Mal sehen wieviel km/Liter die durchhält? (1. Vodka aus St.Petersburg war gut und hielt 1700km; der zweite war schlecht hielt aber genau so lange, weil wir irgendwann keine Lust mehr hatten ihn mit zu transportieren, ohne dass jemand davon nur nippte - so wurde er ala Geschmacksverstärker beim Kochen genutzt.)
Weitere nette Menschen waren ein Imker, dem wir ein Glas abkaufen wollten, aber aufgrund von Sprachproblemen (sein Deutsch war miserabel, immerhin hatte er wohl 2-3 Jahre Deutsch in der Schule, so vor 20-30 Jahren) bekamen wir leckeren Honig direkt aus dem Bienenstock zum probieren, ein Kaffee und eine Menge Kekse geschenkt. Nicht das was wir haben wollten, aber wir sind ja für unsere Höflichkeit bekannt! Als wir dann an einer anderen Stelle ein Glas Honig erwerben wollten, machten wir unsere erste schlechte Erfahrung. Das Glas am Straßenstand war ausgeschildert mit 15 Lari. Die Frau wollte uns gerne das Glas verkaufen und verschwand kurz im Haus, als sie sah, dass ich einen 20er zückte, wohl um Wechselgeld zu holen. Doch stattdessen kam sie wieder mit dem Glas eingetütet und Preisschild abgekratzt und verlangte genau die 20 Lari!!! Diese Dreistigkeit ließen wir uns nicht gefallen. Jeder Sprachbarriere zum Trotz konnten wir ihr klar machen, dass wir in diesem Fall den Honig an einer der nächsten Buden kaufen würden. So willigte sie laut meckernd ein. Wir können auch "unhöflich"!
Die letzte Geschichte die ich euch noch erzähle, ehe die Pointe kommt, handelt von einem tollen Platz, direkt am Wasser, wo wir uns waschen konnten - nebenbei solche Plätze hatten wir die meisten Tage hier in Georgien. Der einzige Unterschied zu den anderen waren zwei klitzekleine Fußballtore, die am Abend eine Schar von kleinen "Fußballspielern" anlockte. Erschöpft vom Tag haben wir normalerweise abends keine Lust uns noch irgendwie zum Hampelmann der Sprachen zu machen, aber diese einmalige Chance wieder gegen einen Ball zu treten ließ ich mir nicht entgehen, während Mo die andere Variante wählte: statt auf die Menschen zu zugehen wollte er lieber in Ruhe lesen - und hatte stets eine Handvoll Kinder um sich herum, die dafür auch großes Verständnis zeigten :D
Doch zum Clou:
Wir haben uns mangels Alternativen für den Weg durch den Kaukasus entschieden. Die Grenze ist die einzige Landgrenze zwischen Russland und Georgien, die für Ausländer unproblematisch nutzbar ist. Nur leider ist seit gestern der einzige Pass durch einen von Schneeschmelze ausgelöster Erdrutsch gesperrt...
Wir versuchen es dennoch. Morgen wird die Lage inspiziert. Alternativen? Eigentlich keine! Warten! Je nach dem wie lange, müssen wir womöglich Zeit per Anhalter oder Bahn gut machen. Ersteres wäre auch wieder ein lustiges Abenteuer. Letzteres bei den Verhältnissen der russischen bzw. kasachischen Bahn wohl auch.
Jetzt campieren wir aber erst mal an einem Wasserkraftwerk auf 1600m und haben wifi (bzw. Hatten kurzfristig. Pünktlich zum hochladen nur noch WLAN ohne Internet. Wir versuchen es morgen früh nochmal) Blick auf einen dieser blöden schneebedeckten Gipfel, in der Nähe weiden Wildpferde (haben zumindest kein Zaun, kein Zaum und kein Reiter) und neben uns fließt ein lauter Bergfluss (wahrscheinlich das blöde Abwasser von der Schneeschmelze...)
Wir sind hier: 42 26.788 N 44 28.775 O