Montag, 20. Oktober 2014

Shanghai

So, what now?
We are sitting in a high-speed train from Beijing to Shanghai which does the distance in four hours instead of one month on our bikes.
After Ulan-Baatar it felt like the finish sprint. On the mongolian side there was not much to see but the Gobi desert which turned out to be a bit like London in autumn. No subway but the Transsiberian railway passing us from time to time, less people, more horses but more rain days than we had in the whole of Kazakhstan and Russia together.
The feeling that it was a finishing sprint was helped by the perfect roads in Mongolia and China and the fact that we desperately needed a shower since we only found one river in China which looked clean enough to take a bath. This really boosted our self-confidence, to go to as many chinese roadside restaurants as possible. Not that we didn't go before, but we felt a little more civil.
China also was the first country,for me as a vegetarian, where I had hardly any problems finding something to eat. My secret was to say "tofu" "doufou" "toufu" or "dofou" until they understood that I wanted something with tofu,which always turned out to be very nice.
After 10 days in China, sometimes spectacular, sometimes with so much smog that we looked like coal workers and felt like chain-smokers, but always well fed, we arrived in Beijing.
When we arrived in Mongolia we were Kings of the road, when we arrived in Ulan-Baatar we felt simply like kings, when we arrived in Beijing we felt like nothing could touch us.
We were soon tought better by the traffic which came quiet close, still our egos were bigger than the trucks, which I think, helped to get us to our meeting point with our contact, Clemens. Without the slightly-bigger-than-normal-ego, we would probably still be waiting at an intersection, hoping for someone to let us pass instead of just telling yourself that you made it to Beijing on a bicycle and letting the ego push the traffic away.(At this place wanted to put a analogy to Moses, who parted the traffic but we had no egyptians following us, so it would have been improper)
So after 5 days staying with Luweng and Clemens, who helped us with everything we had to organize and showed us the best places to eat(thanks!), we have seen some very nice places in Beijing and our egos shrank back to a more normal size. If you do not believe that, well, like I said, nothing can touch us.
So what now?
On the onboard tv they show an ad, for a documentation about a guy who rode his bike from Beijing to Shanghai in 18 days. It is nice to relax in the comfy seat and watch the scenery pass by and to know that we will arrive at exactly 01:92 pm, that is now.

Montag, 13. Oktober 2014

Spielvereinigung

Wir haben es endlich, am 12.10., nach 226 Tagen mit dem Fahrrad, von Berlin bis nach Peking geschafft und wurden dort herzlich von Freunden empfangen.
Die Räder sind abgeladen und werden so schnell nicht mehr bepackt. Vielmehr sind sie für den Rücktransport bereits auseinander genommen und in einem Karton verstaut.

Doch was ist seit der Mongolei passiert? Der Grenzübergang war hektisch, aber unproblematisch. Wir saßen größtenteils im "Taxi" zwischen unseren Fahrrädern eingeklemmt und waren glücklich irgendwann wieder alleine fahren zu dürfen. Dies nicht nur aufgrund der räumlichen Enge im Auto, sondern vor allem der außerhalb. Denn es wollten viele Menschen über die Grenze: "und wenn viele etwas wollen, was nur wenige bekomm', wird oft Gewalt zur Hilfe genomm' - und das bedeutet Krieg! [...] Krieg auf den Straßen." (Weisheit eines alten chinesischer Philosophens Namens Farinu). Ein Kämpfen um jeden Zentimeter. Stoßstangen an Stoßstange stieß man das vorausfahrende Auto vor, dem hinter einem liegenden Auto diente man als Prellbock und das neben einem stehend-fahrende Auto wurde ohne Rücksicht auf Blechschaden zur Seite gedrängt. Es erinnerte mehr an ein stock-car Rennen als an einen geregelten Grenzübergang. Ein Auto neben uns fuhr mit einem geplatzten Reifen gnadenlos weiter. Die Schadensursache ist nicht unwahrscheinlich auf ein Bremsmanöver à la Perez zurückzuführen. So fuhr die Frau am Steuer halt auf der Felge weiter - ohne Zeit und Muse ihren erkämpfen Platz Preis zu geben.
Doch unsere Räder und wir kamen unverbeult auf der chinesischen Seite an.
China! China bzw. Innere Mongolei...

Dann erkannten wir mal wieder den Widersinn der menschlich gezogenen Grenzen. Kein bisschen veränderte sich die Gobiwüste landschaftlich. Sie blieb wie wir sie kennen gelernt haben - "kalt, nass, gegenwindig und anstrengend hügelig". Keine positive Überraschung! Keine erfrischende Oase im brennenden Sonnenschein! Keine leicht bekleideten orientalischen Frauen, die uns das Wasser reichen könnten.
So ging es stur gerade aus, den Blick auf das Hinterrad des Vorausfahrenden, alternativ auf die Straße gerichtet. Erst allmählich und ohne klare Grenze veränderte sich die Landschaft, vom öde-steppigen zum schönen hin. Schöne Landschaften, nette Leute (die wir zwar ebenso wenig wie die Mongolen verstanden, aber wenigstens wurde ge-/belächelt und (aus)gelacht) und gutes Essen prägten dann unsere Zeit. Denn nicht mehr wir waren es, die für uns kochten, sondern wir bevorzugten es bekocht zu werden. Nicht wenige Gelegenheiten im Café/Restaurant zu essen ließen wir aus. Das Essen war nicht nur günstig und schmackhaft, sondern endlich auch simpel in vegetarischer Form zu erhalten. Für Mo galt es lediglich 4-5 Mal in unterschiedlicher Intonation 'Tofu' zu sagen und er erhielt ein Tofugericht. Auch für mich war es einfach: Ich brauchte lediglich auf eines der auf der Karte gelisteten Gerichte zeigen, den überraschten Blick der Bedienung über mich ergeben lassen und schon konnte auch ich mich auf eine Überraschung freuen. Nach der Überraschung folgte leider hin und wieder der Neid nicht auch einfach "Tofu" gesagt zu haben - keine Ahnung was ich alles in letzter Zeit gegessen habe, schlimmer als das Jurtengericht in der Mongolei von vor ca. einem Monat kann es nicht gewesen sein.

So toll China angefangen hat, gab es dann drei-vier Tage für uns nicht mehr viel zu sehen. Zwar deutete sich, wenn man über die Leitplanke blickte, eine beeindruckende Landschaft ab, doch verschwand diese im dichten Smog! Alle unsere Bemühungen in einem Schweiß-Haut-Gemisch die fehlenden Partikelfilter der Autos zu kompensieren, erschienen für uns als eine Investition für unbekannte, uns überdauernde Zeiten.
Schwarze Haut überall dort wo Helm oder Kleidung Luft an den Körper ließen, sodass wir am Ende des Tages nicht wussten, ob wir noch Lukas oder schon Jim waren! Und dass unsere Lunge nicht viel anders aussieht als Emmas Inneres nehme ich stark an. Es war zusammengefasst der dunkelste Abschnitt unserer Fahrt, den ich im Nachhinein auch gerne schwärzen würde.

Letztendlich waren unsere Bemühungen als Partikelfilter zu fungieren nicht gänzlich vergebens: Am Tag unserer Ankunft klarte der Himmel auf und wir fuhren die letzten 80km durchgehend Berg ab, durch eine beeindruckende Landschaft. Von über 400m ging es hinab auf rund 50m durch ein Gebirge, welches felsig zerklüftet und zugleich von bunt herbstlichen Pflanzen geschmückt war. Mit offenem Mund, die klare Luft der Autobahn einatmend fuhren wir gemächlich dahin und fühlten uns an die Tage im Altai erinnert.
Dann der Stadtverkehr zur Rush Hour in Peking war wieder eine spannungsgeladene Achterbahnfahrt im klassischen Russisch Roulette Stil. Am Ende war es gar nicht so schlimm. Denn "there are nine million bicycles in Beijing" und genügend Radstreifen vorhanden. Es war ein toller, dankenswerter letzter Radfahrtag.

Dann begann für uns in gewisser Weise in Peking ein neue Abschnitt. Ohne Verzögerung haben wir uns in das für uns so fremdlich anmutende Sightseeingprogramm geworfen und mit Bravour bestanden. Als Atom einer touristischen Menschenmassen haben wir das Gesehen was man wohl sehen muss, wenn man Peking gesehen haben will. Von dem touristischen Zirkus ist besonders eines Attraktion hervorzuheben: die chinesische Mauer! Es ist ein sehenswertes Bauwerk und darüber hinaus umgeben von einem ebenso beeindruckenden Panorama.
Und es ist wahr! Man kann von der chinesischen Mauer aus das All sehen!

Was jetzt noch folgt ist eine Städtereise. Zunächst fahren wir mit dem Zug bis zur Endstation Shanghai und von da aus arbeiten wir Etappenweise von Stadt zu Stadt wieder zurück nach Peking. Ehe wir in den Flieger nach Berlin steigen und in 8h die Distanz überwinden, die wir in die andere Richtung in 8 Monaten bewältigt haben.

"Alles geht vorbei nur die Wurst hat zwei."
Doch ist damit ein Kapitel abgeschlossen? Ist jetzt alles vorbei?
So digital-spektakulär unsere Reise hier nach Außen hin geschildert wurde, näherten wir uns ganz mühsam-analog unserer Endstation, sodass jede Überhöhung der Reise die eigentlichen Erlebnisse in ihrer Bedeutung für uns erniedrigte. So war der Ankunftstag ein normaler wie alle anderen - bis auf die kleine Glückseligkeit beim Bestellen im Restaurant bereits vor dem Servieren zu wissen, was man essen wird.
So ist Peking keine wirkliche Endstation. Vielmehr sollte man das Ganze anders verstehen. Wie ein westlicher Weise die weisen Worte in einer Art und Weise sprach, wie sie sonst nur ein chinesischer Philosoph zu formulieren wusste: "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!"

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Wüste Gobi - gerade noch Mongolei

Die Wüste Gobi - wir langweilten uns sehr, wie zuletzt in Kasachstan.

Als wir aus Ulanbator raus fuhren, galt es einige Hügel zu bewältigen. Dies zog sich die ersten drei-vier Tage hin, ehe die Abstände zwischen den Hügeln größer wurden und die Ebenen weiter. Es war also wieder anstrengend, dieses auf und ab. Aber sind Wüsten nicht flach?
Ein leichter Rückenwind ermöglichte es uns dennoch recht flott die geomorphologischen Hindernisse zu überwinden. Es war zum Teil bitter kalt, doch in der Sonne angenehm warm. Nachts froren selbst unsere 2l Flaschen komplett durch und tauten tagsüber kaum auf. Sind Wüsten nicht eigentlich warm?
Aber immerhin schwitzen wir nicht so wie in Kasachstan. Die Straße war sowohl für kasachische als auch mongolische Verhältnisse - ja eigentlich selbst für europäischen Standard sehr gut ausgebaut. Links und rechts begleiteten uns steppige Landschaften mit hüfthohen Gräsern und bunten, knöchelhohen Büschen. Erst allmählich wurden die Gräser weniger und Steine wurden mehr. Aber sind Wüsten nicht eher sandig mit vielen Dünen?
Es kann ja sein, dass Wüsten, wenn sie als Halb- oder Steinwusten gelten wenig Sand tragen. Es kann auch sein, dass es zum Winter hin kalt wird. Von mir aus sind Wüsten auch etwas gewellt. Aber sicher sind Wüsten trocken!
Wir hatten bis jetzt drei Regentage, von dem der eine leider so kalt war, dass der Niederschlag sich in Schnee-/ Graupelsturm äußerste. Es war kalt, nass, gegenwindig und anstrengend hügelig - ja sooo stellt man sich doch Wüsten vor.

Hier in Sainshand haben wir zufälliger Weise das französische Pärchen getroffen, mit welchem wir kurz vor Ulanbator ein paar Tage gefahren sind (Auf deren Blog, unter "Mongolie, Partie 1" sind wir auch erwähnt). Sie fahren heute mit dem Zug nach Peking, wir sind da so in ca. zwei Wochen.
Achja und sie erzählten uns, dass die Gobiwüste erst gerade begonnen hat und sich weiter nach China in die Innere Mongolei zieht.

Samstag, 27. September 2014

Auf nach Peking

Visum in der Tasche, Taschen am Fahrrad, Fahrräder mit uns darauf - es geht weiter!
Rund eine Woche bis zur Grenze, zwei weitere Wochen bis Peking! Dann ist das das Ende der Radreise.
Zur Erinnerung: In China werden wir leider kein Facebook und kein Gmail haben.
Bis bald

Samstag, 20. September 2014

Look, don't touch

Sometimes I wish it was the other way around, then again, it is mostly old men looking at us. And if I imagine them touching, with the same intensity they sometimes stare at us, I am glad they only want to look.
Here in ulan baatar things are different. There are not only old men staring at us, trying to read our souls but a lot of beautiful women. Well not exactly staring at us but catching a quick glance at the two guys with the huge bicycles (which look a little like we are collecting trash with all the empty bottles and things we just strapped on top because by now they are too lazy to stow them away properly) sitting by a fountain ,looking lost and like they were ripped out of their natural habitat.
I am not sure if I want to know, if there is something like pity in their quick glances or just the curiosity towards something, that doesnt belong by that fountain. (I mean everybody would look at a slightly damaged peacock in the steppe or a donkey painted in bright colours with a lazy eye. Lazy eye and damaged, because we have yellow-pink front wheels right now.)
Maybe they want to talk to them but are not exactly sure how they would react. (I for my part would not try to talk to that colourful donkey, it might bite or just look at you; and who would want to be seen talking to a strange donkey sitting by a fountain!?)
My favourite answer to the question at hand is, that they find these strange guys somehow appealing, view them as a possible adventure and secretly want to get on that bike and ride with them into the sunset.
They could also just be looking for the source of that strange smell and then be kind enough not to stare.
The soul-reading old men might have the same thoughts as the beautiful women. I dont know and it is kind of pointless the write about it at this place.
What I do know, is that I prefer the quick glances to the soul-reading stares. Not because i dont like being stared at, but because I like to steal quick glances myself. At whom, I will not tell.
By the way, tomorrow we will be going to the "miss mongolia" show.
Like two old men.
Looking, not touching.

Ulanbator

Wir sind also in Ulanbator!
Der Stadt vor der uns so viele Menschen warnten! Der Stadt, die hässlich, hektisch, laut und stinkig sein sollte.
Im Prinzip trifft die Beschreibung auch zu, auch wenn wir es am schlimmsten finden, dass hier wieder so viele Touristen sind! Man kann nicht mehr ungestört über Leute reden, ohne Gefahr zu laufen, dass man verstanden wird.
Die Straßen sind ab Mittag von hupenden Autos und pfeifenden Polizisten überfüllt. Die Polizisten stehen an großen Kreuzungen ergänzend zu Lichtsignalanlagen. Leider sind sich die Signalgeber und die pfeifende menschliche Kompetenz nicht immer eine Meinung und arbeiten selten für die gemeinsame Sache. Dies sorgt unter den Verkehrsteilnehmern für Verwirrung, fördert anarchistische Auslegungen der StVO und erhöht den Huppegel um ein vielfaches. Zwischen den stehenden und fahrenden Autos laufen dann die Fußgänger: bei rot oder grün; an Ampeln, Zebrastreifen oder einfach quer-straße-ein.
Dennoch oder gerade daher hat die Stadt ihren Charme. Hier tobt das Leben! Für uns das absolute Gegenteil der letzten drei Wochen in der Mongolei.

Dass wir es hier recht angenehm finden, mag vielleicht auch daran liegen, dass wir endlich wieder uns und unsere Sachen waschen können, wifi haben und etwas vernünftiges zu Essen finden: es gibt sogar ein Laden "german döner" (ich freu mich auf Berlin)!

Doch so positiv ungesund wir die kulinarische Seite Ulanbators wahrnehmen, so anstrengend war die bürokratische.
- Mittwoch Ankunft
- Donnerstag Migrationpolice: Aufenthaltsverlängerung Mongolei
- Freitag Chinesische Botschaft: Visabeantragung

Das Migrationsbüro ist in der Nähe des Flughafens, Bus 11 für 500 Tögrög fährt dort hin. Es ist ein blaues Gebäude. Aus der Stadt kommend auf der linken Seite, noch vor dem Flughafen, hinter einem roten Gebäude mit Kuppeldach.
Dort angekommen zogen wir ein Ticket und warteten - Fehler! Am Schalter wies man uns zum ticketlosen Informationsstand. Die "arbeitende" Sachbearbeiterin war überfordert und wusste nichts mit uns anzufangen, ehe man ihr erklärte, dass der hohe Stapel an leeren Formularen vor ihrer Nase dazu diente uns zwei Exemplare auszuhändigen.
Das Ausfüllen des Formulars war kein Problem, ist mir mein Vor- und Nachname spätestens seit der Klausurzeit in der Uni bekannt und die meisten anderen Informationen konnte ich aus dem Reisepass gewinnen. Leider bestand man darauf, dass wir noch je ein Passfoto beilegen sollten - ärgerlich! Denn es kostete uns 2km zum Fotogeschäft - zu Fuß! Ich hatte am folgenden Tag Waden- und Schienbeinmuskelkater!
Dann mussten wir noch je 2$ pro verlängerten Tag über die bald ablaufenden 30 Tage hinaus zahlen. Dies war im Haus bar oder per Karte zu erledigen. Eine ATM gab es nicht. Dann bekamen wir nach Vorlage der Quittung jeder einen Stempel in den Reisepass.
Es ist also gegen der offiziellen Information auf deutschen Seiten, welche besagen, dass man binnen 7 Tagen die Verlängerung beantragen soll, sehr wohl möglich dies auch am Ende der ersten 30 Tage zu erledigen.

Den folgende Vormittag verbrachten wir in der chinesischen Botschaft - mit warten! Viel Zeit davor, noch mehr Zeit drinnen. Erkundigt über die benötigten Daten hatten wir uns bei hier.
Das Formular druckten wir selber aus, herunter geladen hier.
Doch Achtung! Einige Länder benötigen scheinbar ein anderes Formular, so wurde eine Iren am Schalter zurück gewiesen, obwohl sie das gleiche Formular hatte wie wir.

Der Botschaftausflug war ein Krimi und hätte wahrlich einen Liveticker verdient:
Es lohnt sich 45min vorher am Seiteneingang anzustellen und nach dem Massenstart (Einlass) sich am ersten (!!!) Schalter anzustellen! Der zweite ist zum Abholen der Reisepässe, der dritte lediglich für Chinesen.
Letzteres erfuhren wir aber erst, nachdem der Securitymann uns dort hin gewiesen hat, wir 30min an dritter Position warteten, sich nach mehreren Durchsagen der Schalterfrau auf chinesisch einige Chinesen "vordrängelten", ehe die bereits erwähnte Iren nachfragte, warum es nicht der Reihe nach ging und die Antwort: "no english!" war!
Ach!? Das fällt der guten Frau aber spät auf, dass unter den 20 Europäern, alle wenig chinesisch aussehend, tatsächlich wenig Chinesen waren! Die wenigsten haben sich an ihrem Schalter angestellt um sie bei der Betreuung von Chinesen zu beobachten. Selten steht man dafür in einer Reihe. Zur Beobachtung ist eine Blockformation oder eine lose besser geeignet. Die meisten waren tatsächlich in eigenem Interesse da - was man Startschuss des Massenstarts deutlich zu verspüren war. Dort löste sich die von einer französischen Touristen hergestellte Ordnung in ein wildes Drängen.
In jedem Fall wäre ein früherer Hinweis sehr freundlich gewesen! Statt an dritter Stelle standen wir nun an 30., um schlussendlich wir nach 2min Durchsicht unsere Unterlagen abgeben konnten und zum Bezahlen geschickt wurden. Die Quittung wird beim Abholen vorgezeigt. Zahlen sollten wir Single-Entry obwohl wir ein double-entry beantragt haben. Mal sehen welche Konsequenzen das hat, ob wir nach zahlen müssen, einfach single-Entry erhalten oder alles von vorne beantragen dürfen. Dass wir das noch nicht wissen hängt damit zusammen, dass für Deutsche ein Expressvisum nicht mehr möglich ist - für Franzosen schon. So müssen wir vier Werktage warten, statt lediglich nur einen.

Aber als Abwechslung zum Stress, gönnten wir uns etwas Kultur!
- Donnerstag in das Theater
- Samstag in die Oper

Im Theater gab es eine culture-show mit Orchester, Tänzergruppen und Einzelkünstlern. Beeindruckend waren vor allem die traditionellen Instrumente und der Kehlkopfgesang. Vorn letzterem hatten ich etwas bange, kannte ich bislang nur die Qualität von Sheldon Cooper. Alles in allem empfehlenswert, wenn auch ungewöhnlich, da mehr Künstler als Zuschauer beteiligt waren.

Am Samstag gingen wir dann in die Oper. Gespielt wurde einer der schrecklichsten Dinge die ich je gesehen habe: die Wahl der Miss Mongolia 2014!
Nicht nur dass das Beste gleich zu Beginn kam und damit kein Spannungsbogen zustande kam (und da ist es mir lieber eine Story zu hören, bei der der Spannungsbogen bis zum Äußersten gedehnt wird). Nicht nur weil die Mädels weniger hübsch anzusehen waren als erhofft (im Publikum und auf der Straße gab es deutlich mehr und hübschere, als die die es bis auf die Bühne schafften). Nicht nur weil die Techniker unter dem Niveau eine Schulaufführung arbeiteten, mit verpassten Einsätzen, störenden Windows-Fehlermeldung-Geräuschen, falsche Einblendungen der aktuellen Themen (Miss Talent, Miss Model, Beauty with a Purpose, Miss Foto, Miss Bikini, ...), übersteuerte Mikrophone, ...
Nein! Das schlimmste an dem ganzen war, dass die Botschaft die am Ende von der Jury (drei dicke Herren und eine ehemalige Gewichtheberin) an das Publikum übermittelt wurde so traurig war:
Gewonnen hat die abgemagerste von allen! Es gab tatsächlich unter den 10 Kandidatinnen einige die natürlich aussahen und damit unter den hübschsten waren. Es gab gar welche die man gern zum Essen eingeladen hätte, nur damit die ein zwei Pfunde dazu gewinnen und dennoch als hübsch zu bezeichnen waren. Aber warum man letztendlich diejenige zur Siegerin kürte, deren Arme den Durchmesser meines linken großen Zehs haben, blieb uns ein Rätsel und vermieste uns den restlichen Abend, den wir in einem koreanischen Restaurant verbrachten - leider ohne eines der hübschen Mädels!

Die restliche Zeit in Ulanbator verbringen wir weitestgehend mit warten auf Mittwoch und essen zwischen dem aktiven Warten!

Mittwoch, 17. September 2014

Ulangom nach Ulanbator

Wir sind in Ulanbator!
Nach 201 Tagen und rund 11.400km in 640 Stunden.
Eigentlich ist die Mission erfüllt, wäre da nicht noch Mos dämliche Idee gewesen nach China zu fahren.
Doch was ist in den letzten Wochen passiert? Seit Ulangom lief so einiges - auch verkehrt!

Wir kamen durch unseren Großeinkauf am Abfahrtstag (182), in Vorbereitung vier, fünf Tage autark leben zu können, erst kurz vor 12 Uhr los. Wie in die Stadt hinein, war die Straße heraus ebenso asphaltiert. Daher schafften wir über die geplanten 100km. Diese lange Distanz auf Teerstraßen sollte uns einen zeitlichen Puffer für die Offroadpassagen geben. Obwohl dreistellig, scheiterten wir 7km vor dem anvisierten See, an dem sandigen Weg der dorthin führte. Doppelt bitter, da wir just an dem Tag die 10.000km knackten. Da sind diese letzten 0,07% doch eigentlich sehr nah - aber zum waschen zu fern. Noch ärgerlicher war es, dass wir am folgenden Tag entdeckten, dass ein Stück die Teerstraße weiter es eine kürzere Anfahrt zum See gegeben hätte.
Am besagten folgenden Tag (183) war es uns ebenso möglich die anvisierten 100km zurückzulegen und kamen damit an das Ende der Teerstraße. Zum Abschluss brach mir hinten eine Speiche - auf glatter Straße!
Die Speiche war abends schnell ersetzt und die entstandene 8 wieder geglättet. Die anspruchslosen Tage tun den Fahrrädern scheinbar eben so wenig gut, wie uns die Ruhetage. Zum Glück wurde die Straße nach den ca. 200km wieder (nur) zur Sandpiste, wie wir sie aus Kasachstan und dem Anfang der Mongolei kannten - anstrengend aber befahrbar. Leider litten unsere Räder dann unter den Spätfolgen guter, asphaltierter Straßen. Mo brach ebenso eine Speiche (bis Ulanbator hatte jeder drei Speichen ersetzt. Alle auf asphaltierten Straßen gebrochen - Ermüdungsbrüche?).

Am Abend des ersten Sandpistentags (184) aßen wir zu abend in einer Jurte.
Bis zum jetzt sind wir nicht ganz warm geworden mit der Mentalität des Nomadenlebens. Sicherlich bedingt dadurch, dass unsere Mongolisch noch weit unter dem Level unseres Türkischs ist (welches wir beinah komplett verlernt haben), doch sämtliche Versuche aus einem Wörterbuch abzulesen (in Lautschrift geschrieben), stießen auf völliges Unverständnis! Die Sprache ist sehr merkwürdig auszusprechen! Sehr kehlig, erinnert mich etwas an das Klingonisch!
Auch die Bemühungen bzw. das Verständnis für Zeichensprache ist der gegenüberliegenden Fraktion wahrlich unbekannt. Üblicher Weise findet eine Benennung nur durch Begutachten statt und dann werden wir wieder in Ruhe gelassen. Interessanter Weise überholen uns so auch viele Autos. Schnell approchieren, langsam bei geöffnetem Fenster und Mund vorbei fahren, nichts sagen und sobald wir "hello!" sagen, beschleunigen. Etwas befremdlich für uns, aber wir gewöhnten uns daran: es läuft (irgendwie ein bisschen an uns vorbei)!

Zurück zur Jurte: Das Essen war lecker und durch das heraus Picken der kleinen Fleischstücke auch vegetarisch genießbar. Dazu gab es leckeren Tee mit Ziegenmilch. Leider hat mich davon irgendetwas außer Gefecht gesetzt. In der darauf folgenden Nacht trieb mich ein dringendes Bedürfnis nach draußen. Ab ca. drei Uhr Nachts bis Mittags wässerte ich regelmäßig die sonst so wasserlose Gegend - ohne uriniert zu haben: es läuft!
Völlig erschöpft konnte ich mich den restlichen Tag kaum bewegen. Mo umsorgte mich gut, indem er mich zum Essen zwang und stets für Lacher auf meine Kosten sorgte; meine persönliche Hausärztin diagnostizierte eine Lebensmittelvergiftung und gab entsprechende Anweisungen; und auch ich leistete meinen Beitrag zu Genesung, indem ich mich so wenig wie möglich zu bewegen versuchte. Mein Dank für die schnelle Genesung geht an zwei der drei genannten Personen - nicht an Mo, der aus puren Egoismus mich pflegte. Denn der Zeltplatz war karg und öde, das Wetter heiß und Zeitvertreib haben wir außer Lesen nicht mehr, seit nun auch der zweiten Gitarre das Genick gebrochen ist - Mo langweilte sich und wollte weiter!
Allen Übel zum Trotz gab es eine überraschend positive Wendung an diesem Tag. Zahlreiche (für mongolische Verhältnisse in dieser Gegend, sprich rund ein Dutzend) Autos fuhren am Tag an uns vorbei und alle ließen uns in Ruhe. Zum Abendbrot nahte abermals ein Auto, bereits lange durch Motorengeräusche und Staubwolken angekündigt. Mo konstatierte dass wir bislang ungestört blieben just in dem Moment, als das Auto anhielt. Davon amüsiert, sponn Mo weiter, dass es lustig wäre, wenn der Fahrer nun aus seinem Kofferraum einen 5l Wasserkanister holte und uns was brächte - welch prophetische Fähigkeiten Mo besitzt! Genau so erhielten wir etwas Wasser. Die begleitende Frau sprach dann gar ausreichend gutes englisch. Nach etwas Smalltalk verabschiedeten sie sich mit "Welcome to Mongolia"!
So ist uns die Mongolei gleich viel sympathischer geworden: es läuft (doch gleich viel besser)!

Noch einmal später, am Tag 195, hatte ich einen gesundheitlichen bzw. krankheitlichen Rückfall. Nach einem kilometerreichen Tag hatte ich plötzlich Bauchschmerzen, und das obwohl wir uns keiner Jurte zu sehr ihr geschweige denn uns in ihr genährt hätten. Völlig Grundlos also war mein Unwohlsein. Ich kann mir den nächtlichen Ausflug also nur als "Ermüdungsbruch" erklären: es bröckelte! Zum Glück ging es mir am folgenden Morgen ausreichend gut um in die Pedale zu treten. Wir mussten ja weiter! Slebe isch koi schlotza!

Die nächsten Tage (ab 186) waren dann ein Kampf gegen die Straßen (bis Tag 192) und gegen die Kälte (bis Tag 199). Es wurde zunehmend kälter, nachts gefror gar unser Wasser. Dadurch begann die Nase zu tropfen wie ein undichter Wasserhahn: es läuft! Wir gewannen sehr an Höhe und kletterten gar einmal auf 2600m, welches den höchsten Punkt unser Tour markierte.
Wir trafen dann zum Auftakt einer Reihe von Weltreisenden ein schweizer Paar im Van, welche uns eine Abkürzung verrieten - nicht eine solche wie man sie von meiner Mutter (oder mir) kennt, sondern eine die kürzer und asphaltierter sei! So wurde es sogar realistisch Ulanbator rechtzeitig für die Aufenthaltsverlängerung zu erreichen. Wir fuhren also statt nördlich nach Mörön lieber südlich über Kharkhorin (der ehemaligen, unspektakulären Hauptstadt zu Dsiggin Khans Zeiten) und hatten so meist sehr gute Straßen oder im Bau befindliche Straßen, die für den Verkehr noch gesperrt, für uns und durch uns freigegeben waren (ab Tag 193). Wir machten dann plötzlich regelmäßig um die 100km. Straßen gut, Profil in Ordnung, Gegenwind hielt sich in Grenzen: es lief! Und wir wollten ankommen!
Je besser die Straßen und je näher wir Ulanbator kamen, desto mehr Touristen und Reisende trafen wir. Es überholten uns gar wieder Mongol-Rally Autos, obwohl diese seit Ende August beendet ist. Am Ende sahen wir so viele Ausländer, dass man Lust bekam "Ausländer raus!" zu rufen, ehe wir uns besannen und uns darüber freuten wieder mit Leuten zu sprechen, statt nur begafft zu werden. Lustig waren die Begegnungen mit drei Radfahrteams: zwei englische Radler (einer von denen ist einer der Rally-Organisatoren), die von Ulangom den selben Weg wie wir fuhren. Allerdings in einem höheren Tempo, aber mit öfteren Stopps, sodass wir uns immer wieder gegenseitig überholten - bzw. wir öfter von denen überholt wurden. Mit denen visitierten wir einen erloschenen Vulkan nahe der Stadt Tariat. Zwei Tage fuhren wir mit einem französischen Päarchen, welches von Ulanbator aus Richtung Südostasien fährt. Und schließlich begegneten wir einem belgischen Rentnerpaar, welches für ein Jahr von Ulanbator aus über die Tibetregion gen Indien und Iran fährt.
Das einzige was wir aber nicht verstehen ist, dass wir in der immer öder werdenden Gegend immer mehr Reisende trafen, während im so schönen Altai uns keine Radreisenden begegneten.

Wir hatten sehr abwechslungsreiche Landschaften. Abwechslungsreich aber zum Ende hin eher öde - auch weil wir uns satt gesehen hatten, an ewig ocker-beige farbendende Gegenden. Meist waren wir umgeben von Steppe in bergiger Gegend. Beeindruckende Highlights gab es dennoch. Den erloschenen Vulkan (194), eine phantastische Schlucht mitten in der Steppe (195) und generell nach jedem Pass die weiten Ebenen, die sich vor einem auftaten.

Pannen gab es einige, aber keine wirklich spektakulären. Hin und wieder Reifen flicken. Aber wir tauschten unsere Mäntel des öfteren. Mos Conti aus Astana hatte auch den Geist aufgegeben. Bei meinem Hindustan H-800 für 5€ steht die Zahl wohl für die Laufleistung (wobei ich knapp das doppelte schaffte). Am Ende war so wenig Profil drauf und er von Innen so rissig, dass wir ihn mit Tape verstärkten. Ähnlich war es mit Mos Ersatzreifen, der wir in Aserbaidschan als Reserve kauften. Am Ende blieb uns nicht viel übrig, als in jedem Dorf nach Mänteln zu fragen. Schließlich bekamen wir gar die ästhetisch wertvollen rot-gelben Mäntel für umgerechnet 3,60€. Wir kauften drei Stück. Den ersten hatte Mo nach einem Tag hinten bereits herunter gefahren. Da vorne die Reifen weniger verschlissen werden, spannten wir die neuen Reifen dann doch lieber dort ein.

Jetzt gilt es in Ulanbator etwas vernünftiges Gummi zu finden, was nicht platzt und bis Peking hält.

Achso... und ich habe eine coole Mütze gefunden, die dann meine Glatze verdeckt, wenn es der Helm nicht tut