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Mittwoch, 17. September 2014

Ulangom nach Ulanbator

Wir sind in Ulanbator!
Nach 201 Tagen und rund 11.400km in 640 Stunden.
Eigentlich ist die Mission erfüllt, wäre da nicht noch Mos dämliche Idee gewesen nach China zu fahren.
Doch was ist in den letzten Wochen passiert? Seit Ulangom lief so einiges - auch verkehrt!

Wir kamen durch unseren Großeinkauf am Abfahrtstag (182), in Vorbereitung vier, fünf Tage autark leben zu können, erst kurz vor 12 Uhr los. Wie in die Stadt hinein, war die Straße heraus ebenso asphaltiert. Daher schafften wir über die geplanten 100km. Diese lange Distanz auf Teerstraßen sollte uns einen zeitlichen Puffer für die Offroadpassagen geben. Obwohl dreistellig, scheiterten wir 7km vor dem anvisierten See, an dem sandigen Weg der dorthin führte. Doppelt bitter, da wir just an dem Tag die 10.000km knackten. Da sind diese letzten 0,07% doch eigentlich sehr nah - aber zum waschen zu fern. Noch ärgerlicher war es, dass wir am folgenden Tag entdeckten, dass ein Stück die Teerstraße weiter es eine kürzere Anfahrt zum See gegeben hätte.
Am besagten folgenden Tag (183) war es uns ebenso möglich die anvisierten 100km zurückzulegen und kamen damit an das Ende der Teerstraße. Zum Abschluss brach mir hinten eine Speiche - auf glatter Straße!
Die Speiche war abends schnell ersetzt und die entstandene 8 wieder geglättet. Die anspruchslosen Tage tun den Fahrrädern scheinbar eben so wenig gut, wie uns die Ruhetage. Zum Glück wurde die Straße nach den ca. 200km wieder (nur) zur Sandpiste, wie wir sie aus Kasachstan und dem Anfang der Mongolei kannten - anstrengend aber befahrbar. Leider litten unsere Räder dann unter den Spätfolgen guter, asphaltierter Straßen. Mo brach ebenso eine Speiche (bis Ulanbator hatte jeder drei Speichen ersetzt. Alle auf asphaltierten Straßen gebrochen - Ermüdungsbrüche?).

Am Abend des ersten Sandpistentags (184) aßen wir zu abend in einer Jurte.
Bis zum jetzt sind wir nicht ganz warm geworden mit der Mentalität des Nomadenlebens. Sicherlich bedingt dadurch, dass unsere Mongolisch noch weit unter dem Level unseres Türkischs ist (welches wir beinah komplett verlernt haben), doch sämtliche Versuche aus einem Wörterbuch abzulesen (in Lautschrift geschrieben), stießen auf völliges Unverständnis! Die Sprache ist sehr merkwürdig auszusprechen! Sehr kehlig, erinnert mich etwas an das Klingonisch!
Auch die Bemühungen bzw. das Verständnis für Zeichensprache ist der gegenüberliegenden Fraktion wahrlich unbekannt. Üblicher Weise findet eine Benennung nur durch Begutachten statt und dann werden wir wieder in Ruhe gelassen. Interessanter Weise überholen uns so auch viele Autos. Schnell approchieren, langsam bei geöffnetem Fenster und Mund vorbei fahren, nichts sagen und sobald wir "hello!" sagen, beschleunigen. Etwas befremdlich für uns, aber wir gewöhnten uns daran: es läuft (irgendwie ein bisschen an uns vorbei)!

Zurück zur Jurte: Das Essen war lecker und durch das heraus Picken der kleinen Fleischstücke auch vegetarisch genießbar. Dazu gab es leckeren Tee mit Ziegenmilch. Leider hat mich davon irgendetwas außer Gefecht gesetzt. In der darauf folgenden Nacht trieb mich ein dringendes Bedürfnis nach draußen. Ab ca. drei Uhr Nachts bis Mittags wässerte ich regelmäßig die sonst so wasserlose Gegend - ohne uriniert zu haben: es läuft!
Völlig erschöpft konnte ich mich den restlichen Tag kaum bewegen. Mo umsorgte mich gut, indem er mich zum Essen zwang und stets für Lacher auf meine Kosten sorgte; meine persönliche Hausärztin diagnostizierte eine Lebensmittelvergiftung und gab entsprechende Anweisungen; und auch ich leistete meinen Beitrag zu Genesung, indem ich mich so wenig wie möglich zu bewegen versuchte. Mein Dank für die schnelle Genesung geht an zwei der drei genannten Personen - nicht an Mo, der aus puren Egoismus mich pflegte. Denn der Zeltplatz war karg und öde, das Wetter heiß und Zeitvertreib haben wir außer Lesen nicht mehr, seit nun auch der zweiten Gitarre das Genick gebrochen ist - Mo langweilte sich und wollte weiter!
Allen Übel zum Trotz gab es eine überraschend positive Wendung an diesem Tag. Zahlreiche (für mongolische Verhältnisse in dieser Gegend, sprich rund ein Dutzend) Autos fuhren am Tag an uns vorbei und alle ließen uns in Ruhe. Zum Abendbrot nahte abermals ein Auto, bereits lange durch Motorengeräusche und Staubwolken angekündigt. Mo konstatierte dass wir bislang ungestört blieben just in dem Moment, als das Auto anhielt. Davon amüsiert, sponn Mo weiter, dass es lustig wäre, wenn der Fahrer nun aus seinem Kofferraum einen 5l Wasserkanister holte und uns was brächte - welch prophetische Fähigkeiten Mo besitzt! Genau so erhielten wir etwas Wasser. Die begleitende Frau sprach dann gar ausreichend gutes englisch. Nach etwas Smalltalk verabschiedeten sie sich mit "Welcome to Mongolia"!
So ist uns die Mongolei gleich viel sympathischer geworden: es läuft (doch gleich viel besser)!

Noch einmal später, am Tag 195, hatte ich einen gesundheitlichen bzw. krankheitlichen Rückfall. Nach einem kilometerreichen Tag hatte ich plötzlich Bauchschmerzen, und das obwohl wir uns keiner Jurte zu sehr ihr geschweige denn uns in ihr genährt hätten. Völlig Grundlos also war mein Unwohlsein. Ich kann mir den nächtlichen Ausflug also nur als "Ermüdungsbruch" erklären: es bröckelte! Zum Glück ging es mir am folgenden Morgen ausreichend gut um in die Pedale zu treten. Wir mussten ja weiter! Slebe isch koi schlotza!

Die nächsten Tage (ab 186) waren dann ein Kampf gegen die Straßen (bis Tag 192) und gegen die Kälte (bis Tag 199). Es wurde zunehmend kälter, nachts gefror gar unser Wasser. Dadurch begann die Nase zu tropfen wie ein undichter Wasserhahn: es läuft! Wir gewannen sehr an Höhe und kletterten gar einmal auf 2600m, welches den höchsten Punkt unser Tour markierte.
Wir trafen dann zum Auftakt einer Reihe von Weltreisenden ein schweizer Paar im Van, welche uns eine Abkürzung verrieten - nicht eine solche wie man sie von meiner Mutter (oder mir) kennt, sondern eine die kürzer und asphaltierter sei! So wurde es sogar realistisch Ulanbator rechtzeitig für die Aufenthaltsverlängerung zu erreichen. Wir fuhren also statt nördlich nach Mörön lieber südlich über Kharkhorin (der ehemaligen, unspektakulären Hauptstadt zu Dsiggin Khans Zeiten) und hatten so meist sehr gute Straßen oder im Bau befindliche Straßen, die für den Verkehr noch gesperrt, für uns und durch uns freigegeben waren (ab Tag 193). Wir machten dann plötzlich regelmäßig um die 100km. Straßen gut, Profil in Ordnung, Gegenwind hielt sich in Grenzen: es lief! Und wir wollten ankommen!
Je besser die Straßen und je näher wir Ulanbator kamen, desto mehr Touristen und Reisende trafen wir. Es überholten uns gar wieder Mongol-Rally Autos, obwohl diese seit Ende August beendet ist. Am Ende sahen wir so viele Ausländer, dass man Lust bekam "Ausländer raus!" zu rufen, ehe wir uns besannen und uns darüber freuten wieder mit Leuten zu sprechen, statt nur begafft zu werden. Lustig waren die Begegnungen mit drei Radfahrteams: zwei englische Radler (einer von denen ist einer der Rally-Organisatoren), die von Ulangom den selben Weg wie wir fuhren. Allerdings in einem höheren Tempo, aber mit öfteren Stopps, sodass wir uns immer wieder gegenseitig überholten - bzw. wir öfter von denen überholt wurden. Mit denen visitierten wir einen erloschenen Vulkan nahe der Stadt Tariat. Zwei Tage fuhren wir mit einem französischen Päarchen, welches von Ulanbator aus Richtung Südostasien fährt. Und schließlich begegneten wir einem belgischen Rentnerpaar, welches für ein Jahr von Ulanbator aus über die Tibetregion gen Indien und Iran fährt.
Das einzige was wir aber nicht verstehen ist, dass wir in der immer öder werdenden Gegend immer mehr Reisende trafen, während im so schönen Altai uns keine Radreisenden begegneten.

Wir hatten sehr abwechslungsreiche Landschaften. Abwechslungsreich aber zum Ende hin eher öde - auch weil wir uns satt gesehen hatten, an ewig ocker-beige farbendende Gegenden. Meist waren wir umgeben von Steppe in bergiger Gegend. Beeindruckende Highlights gab es dennoch. Den erloschenen Vulkan (194), eine phantastische Schlucht mitten in der Steppe (195) und generell nach jedem Pass die weiten Ebenen, die sich vor einem auftaten.

Pannen gab es einige, aber keine wirklich spektakulären. Hin und wieder Reifen flicken. Aber wir tauschten unsere Mäntel des öfteren. Mos Conti aus Astana hatte auch den Geist aufgegeben. Bei meinem Hindustan H-800 für 5€ steht die Zahl wohl für die Laufleistung (wobei ich knapp das doppelte schaffte). Am Ende war so wenig Profil drauf und er von Innen so rissig, dass wir ihn mit Tape verstärkten. Ähnlich war es mit Mos Ersatzreifen, der wir in Aserbaidschan als Reserve kauften. Am Ende blieb uns nicht viel übrig, als in jedem Dorf nach Mänteln zu fragen. Schließlich bekamen wir gar die ästhetisch wertvollen rot-gelben Mäntel für umgerechnet 3,60€. Wir kauften drei Stück. Den ersten hatte Mo nach einem Tag hinten bereits herunter gefahren. Da vorne die Reifen weniger verschlissen werden, spannten wir die neuen Reifen dann doch lieber dort ein.

Jetzt gilt es in Ulanbator etwas vernünftiges Gummi zu finden, was nicht platzt und bis Peking hält.

Achso... und ich habe eine coole Mütze gefunden, die dann meine Glatze verdeckt, wenn es der Helm nicht tut

Samstag, 30. August 2014

Das Tal des Schreckens

Hilfe! Was war das?
Wir fuhren unsere ersten Kilometer in der Mongolei und waren zufrieden.
Zufrieden natürlich in erster Linie mit uns!
Aber auch zufrieden mit der Landschaft. Felsig und karg mit imposanten Formen wechselten sich ab mit runden, grünen Bergen. Extrem vielfältig in seiner Pracht erschien uns das Altai.
Zufrieden waren wir nicht zuletzt auch mit den Straßen. Zwar haben die Rally-Teilnehmer (welche berichteten, dass die Organisation dringend von der nördlichen Route abgeraten habe, da diese nicht befahrbar sei) als auch örtliche Bewohner versucht, uns zur südlichen Route zu bewegen (in Tsaagaannuur, wo sich die Straße in die südliche und die nördliche Route teilt, trafen wir einige englisch sprechende Personen. Überraschend kommt man mit russisch nicht weiter.) Doch wir haben die Nordroute geplant und so schlimm kann es ja nicht sein - dachten wir! Was weiß schon der hier lebende Mongole über die täglich von ihm befahrenen Straßen, wenn doch bei Google Maps als auch Open Street Maps eine klare Straße eingezeichnet ist und seit wann irrt das Internet?
Womöglich hätten wir auf die persönlichen Erfahrungen hören sollen! Kasachstans Straßen waren nur eine Übungsstrecke im Vergleich zu dem was uns erwartete.
Zunächst fuhren wir, uns selbst für unsere Entscheidung lobend und über alle anderen überheblich lächelnd, auf steinigen, aber passablen Straßen. Kurvig ging es zwischen einigen Bergen hindurch. Einzige Gefahr war zu frontal auf einen der größeren Steine aufzufahren und sich damit die Schläuche an der Felge zu perforienen. Gesagt getan: Einen kaschierten Stein haben ich übersehen mit entsprechenden Flickfolgen. Da begegnete uns zum ersten Mal auch die merkwürdige Art der ländlichen Bevölkerung. Aus dem Nichts hielt ein Motorrad neben uns. Der Mann stellte die Maschine beiseite und gaffte. Kein Wort zu uns. Wir waren interessante Lebewesen. So wie die Tiere im Zoo.
Diese Art von Bekanntschaft blieb kein Einzelfall. Wenn wir die Initiative zur Kommunikation ergriffen folgte selten etwas Ergiebiges. Erschwerend kam hinzu, dass diese gaffenden Personen lediglich mongolisch sprachen. Solche Sprachbarrieren hatten uns bislang auf der Reise nicht gehindert, waren wir stets in der Lage, über Gestik zu kommunizieren. Aber diese berittenen oder motorisierten Hirten riesiger Herden, die, sobald sie uns in der Ferne erblickten, aus Neugierde zu uns stießen, scheinen zu fasziniert von uns zu sein, als dass sie irgendwelche Reaktionen zeigen könnten - ganz so wie ein Reh, das sich nicht aus der Bahn der sich ihm nähernden Lichtern entfernt, ehe es die Lichter eben selber tun. Vielleicht leiden die beschriebenen Menschen auch nur unter einem pantomimischen Analphabetismus - eine Eigenschaft bzw. eine fehlende Eigenschaft die nach unseren Beobachtungen dann verstärkt auftritt, wenn die regionale Bevölkerung wenig Kontakt mit anderen Menschen zu haben scheint. Vielleicht gelingt es uns im dörflichen Bayern diese Beobachtung zu bestätigen.
Jedenfalls tat sich einige 100m nach der Reparatursession plötzlich eine weite Ebene vor uns auf. Herrlich! Bewegend! (Zu dem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass es noch größere Ebenen zu bestaunen geben sollte.)
Unwissentlich haben wir etwas geschafft, wozu die meisten Meteorologen nicht in der Lage sind: zwei Tage in die Zukunft zu sehen! Irgendwo am gegenüberliegenden Hang sollte der Auf- und Ausstieg aus dem Tal sein - in zwei Tagen! Es waren zwar nur rund 40km, doch ließen die geröllenden, steinigen, kiesigen, sandigen, schottrigen Spurrinnen kaum Geschwindigkeiten über 10km/h zu - und das auf flachem Gebiet und ohne Wind! Wir hatten im Tal einen Schnitt von ca. 8,5km/h! Sollten am Ende alle bezüglich der Routenwahl Recht haben nur wir nicht? Es war wahnsinnig anstrengend - aber machbar.
Anstrengend war es auch psychisch.
Zum einen, weil die eingezeichnete Route auf unserer Karte nur eine idealisierte Linien war, die es den Nutzern vor Ort selbst überließ die tatsächlich vorhandenen Spurrillen zu wählen. Dabei führte jedoch keineswegs jeder dieser "Wege" in die Richtung, in die er zunächst zu gehen schien. So wählten wir nicht nur einmal den falschen "Weg". Umkehren war für uns aus Ehrgefühl und aus motivationaler Sicht undenkbar. Eine unbefahrbare Straße gleich zweimal zu befahren? Lieber vergeblich darauf spekulieren, dass es besser wird!
Zum anderen da uns noch zwei oder drei Flussüberquerungen angekündigt waren ("unüberwindbar" wie ein Rally-Teilnehmer sagte) und unsere Kalkulationen bezüglich Essens- und Wasserreserven ergaben, dass es knapp werden würde, ehe wir die nächste Einkaufsmöglichkeit erreichten. Doch sowohl die Flüsse stellten kein größeres Problem als das der nassen Füße dar, und auch die Nahrungsreserven passten mit einem Tag Puffer.
Doch war es unser Glück, dass die bekannten Straßenverhältnisse aus dem Tal des Schreckens nicht so blieben. Wir hatten noch drei oder vier anstrengende Pässe zu bewältigen. Aber die Wege wurden besser und besser, was insbesondere für die Abfahrten von großer Bedeutung war. Am Ende hatten wir gar wahrhaftigen Asphalt!
PS: der Hindustan hält. Hat zwar einigen pubertäre Beulen an der Seite, aber läuft rund und stabil!

Freitag, 18. Juli 2014

Astana

Auf dem Weg hier nach Astana ist mal wieder nicht viel passiert. Wir sind die 260km in drei Tagen gefahren, was in Anbetracht der Tatsache, dass der erste Fahrtag noch unter den Altlasten der nächtlichen Partymeile stand, sehr erstaunlich war.
Es war die drei Tage wirklich kalt und damit mein ich nicht nur für die Verhältnisse des kasachischen Sommers. Nein! Wir hatten es zum Teil um die 15 Grad mit sehr kaltem Wind. Wir mussten seit dem Kaukasus vor über einem Monat zum ersten mal wieder langärmlich fahren.
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Ca. 73km vor Astana machten wir dann nach einem 110km Tag unseren letzten Stopp. 73km! Vor rund vier einhalb Monaten lag dieser Ort Astana noch 7300km von uns entfernt und nun sollten wir nur noch ein hundertstel dessen zu bewältigen haben? So einfach war es dann aber nicht. Mo schien sich mit zwei Platten vehement dagegen zu wehren. Die Ursache der Plattenserie war dann auch gefunden. Der Reifen Made in Turkey den wir vor 4000km panne bedingt aufziehen mussten, gab von Innen seinen Geist auf. Aber zum Gluck hatten wir damals noch den gleichen als Ersatz gekauft. Bis in die Mongolei sollten Mo es also schaffen.
Aber am Ende schafften wir es doch in die Stadt! Astana! Die Hauptstadt eines Landes, welches die meisten Menschen in Deutschland auf einer Karte nicht verorten könnten, sofern sie wüssten welchem Land sie Astana zuordnen müssten (mich bis vor Reiseantritt eingeschlossen).
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Von weitem sahen wir dann Astana in den unendlichen Weiten der kasachischen Steppe herausragen. Wir hatten es uns hier sandiger vorgestellt.
Riesige Gebäude ragen in die Höhe. Abstruse Formen, zum Teil sehr kitschig, viel Glas; verschiedene Epochen nachgeahmt. Gerade letzteres erscheint verquer, ist diese Stadt doch nur auf Wunsch eines Präsidenten zur Hauptstadt geworden.
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Wir suchten uns ein Hostel, nachdem eine private Unterkunft leider nicht zu bekommen war und steuerten dann das FedEx Office an. Yes but No!
Wir erwarten hier ein Paket u.a. mit Ersatzstangen für das Zelt. Doch leider liegt das noch in der alten Hauptstadt Almaty. Wir mussten hier für irgendwelche Zollbestimmungen eine Unterschrift leisten ehe es weiter in das Land eingeführt werden darf.
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Da es uns hier im Hostel zu unbequem und auf Dauer zu teuer ist, haben wir beschlossen vor den Toren der Stadt zu warten. Entweder kommt das Paket morgen, am Samstag, oder in drei Tagen Montag. Beides würde für die Ausreise aus Kasachstan einen engeren Zeitplan nach sich ziehen aber im Bereich des gut realisierbaren: schlimmstenfalls zwischen 80-90km am Tag.
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Zum weiteren Stadt besichtigen sind wir nicht gekommen, das erledigen wir gleich beim aus der Stadt hinaus fahren. Gestern waren wir nach dem Paket-Problemen mit der Suche nach einem Fahrrad-Service.
Den erster Laden nach Facebook Recherchen "Astana Bike" war für uns unter der angegebenen Adresse nicht aufzufinden.
Der zweite Laden nach Internetrecherchen über diese Seite. Nur der Outdoorladen Limpopo war für uns auf GoogleMaps zu finden. Dieser Outdoorladen ist auch nicht verkehrt. Sie haben ein breites Angebot auch an bekannten Marken in und aus Deutschland in den verschiedenen Bereichen des Outdoorsports, nur leider hatten sie kein Fahrrad-Service für unsere Bedürfnisse. Doch hilfsbereit wie sie waren verwiesen sie uns an den dritten Laden.
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Adresse für alte anderen Reisenden:
ул. Мусрепова 4/2
+77783558858
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Nach etwas Suchen fanden wir die sehr Vertrauen erweckende kleine Werkstatt. Sie wird betrieben von einem ehemaligen Soldaten und Bodyguard des Präsidenten sowie vom einem dem kirgisischen Radnationalteam angehörigen Mechaniker. Wir ließen pro forma unsere Ritzel und Ketten nach knapp 7400km austauschen. Das Fahren war nach wie vor kein Problem aber sicher ist sicher. Außerdem holten wir uns einen kompletten neuen Satz Mäntel. Das Profil der Schwalbe Mondial ist zwar sicher noch für einige Kilometer vielleicht auch tausend Kilometer zu fahren, doch verspüre ich wenig Lust die Obergrenze irgendwo im Altai feststellen zu dürfen. So fahren wir nun nicht mehr ganz so namhaft bereift, aber nachdem dem Low-Price-Reifen made in Turkey seine 4000km gehalten hat, sollten wir es bis Ulan-Bator wohl schaffen (ca.3500).
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Ansonsten kaufte ich mir noch ein neues Ebook, nachdem das alte der Pannenserie um den Freitag den 13. zum Opfer fiel. Technik ist hier, das hatten wir schon bei der Fotokamera gemerkt, preislich auf deutschem Niveau oder zum Teil deutlich drüber. So durfte ich statt der 111€ UVP in Deutschland, hier 38.990 Tenge zahlen.
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Über das was wir von der Stadt gesehen haben, können wir sagen, dass es sehr groß ist. Seit 1998 ist Astana (kaz. für Hauptstadt) Hauptstadt und seit dem wird gebaut und versucht sich in der Höhe zu überbieten.

Freitag, 4. Juli 2014

Von Schlägen in der Sauna und anderen Spaßigkeiten

Kaum hatten wir Orsk verlassen überquerten wir auch schon wieder den Ural und waren wieder in Asien. Grenzen sind doch wahrlichh willkürlich gesetzt. Weder Menschen, noch Landschaft, noch Klima, noch irgendetwas anderes waren backbord oder steuerbord des Urals anders - nicht einmal die ebenso Menschen gemachten Regeln und Gesetze.

Aber bis wir am Tag 115 (Mo, 23.6.) aus Orsk heraus fahren konnten, war noch einiges zu erledigen. Dies wäre ohne die Mithilfe von Vicky, ihrer Mutter, Maxim und einem netten russischen Radlerpaar undenkbar gewesen. Vielen Dank auch für die zum Teil vergebene Mühe!

Der Tag 115 begann spät, da wir abends zuvor bei Maxim einen langen Abend hatten. Maxim, oder wie er sich gerne nennen hört "Maximus", spricht etwas deutsch und beim Rest wird wie gewohnt Zeichensprache und Pantomime zur Hilfe genommen. Er verwirklicht in seinem Garten sukzessive seine Kindheitsträume. Geplant sind noch eine Bowlingbahn auf seiner entstehenden 13m langen Garage und ein Basketballplatz neben dem zu bauenden Swimmingpool, gleich hinter dem Saunahaus. Letzteres steht bereits. Er hat binnen drei Jahren sich eine Dampfsauna mit Whirlpool im Vorraum gebaut. Darin waren wir bei gutem Essen, kühlem Vodka, heißer Sauna und deutscher Rapmusik (Max Musikfavoriten sind Sido und Assad) für gute sechs Stunden und hatten eine Menge tiefsinniger bis weniger tiefsinniger Gespräche. Doch ganz bestimmt erlebten wir einer der besten Abende der Fahrt. Ich meine, wer hat schon mal von einen Deutschland-begeisterten Russen, der sich als halber Deutscher sieht, in Russland etwas über verschiedene Saunavarianten und parallel etwas über die deutsche Rapkultur gelernt? - dennoch bevorzuge ich weiterhin richtige Musik.

Die ersten Saunasitzungen waren finnische Varianten: sitzen und schwitzen - das hatten wir zwarbdie letzten Wochen schon zu genüge, doch war es schön dabei mal nicht strampeln zu müssen.
Dann kam die russische Variante, welche Maximus uns zuvor mit einem grellen Schrei und dem Andeuten von panischen Fingernkratzen an einer Wand, so als wöllte man fliehen, pantomimisch erklärte. Wir waren gespannt und nervös. Bei der russischen Sauna liegt man und wird mit Birkenzweigen ausgepeitscht. Das kurbelt zwar nicht die hiesige Konjunktur, doch aber die Durchblutung des sich-"Entspannenden" an, sodass es irgendwann echt zu schmerzen beginnt - aber kein Schrei kam über unsere Lippen, denn unsere Haut war rot und ein Indianer kennt keinen Schmerz (ist das wieder ein typischer Fall von (positiven) Rassismus?)

Es war auf jeden Fall wohltuend. Denn tagsüber hatten wir eine persönliche Stadtführung. Super interessant, aber auch anstrengend. Vicky hatte Anton, einen Geschichtsstudenten, für uns organisiert. Während eines langen Spaziergangs zeigte er uns die Stadt und deren geschichtliche Hintergründe. Orsk in seinen heutigen Dimensionen stammt wohl aus den Evakuierungsmaßnahmen ganzer Städte und Dörfer der Sowjetsunion in den 1940er Jahren. Orsk pendant ist eine ukrainische Stadt gewesen. Interessant ist auch, dass (die Idee wohl aus dieser Zeit stammend) einige Fabriken in Russland binnen 10 Stunden von ziviler zu militärischer Produktion umgebaut werden können. Anton erklärte uns dies anhand einer Zigarettenfabrik, die in einem ganz bestimmten Durchmesser produziert, der auch für Munition verwendet wird. Es bleibt offen, ob die Soldaten ohne Kippe in der Gusche überhaupt über die Kimme der Flinte gucken wollen.

Jedenfalls war der Tag mit Stadtführung und Sauna so gut, dass wie erst um 2 Uhr völlig erschöpft im Bett lagen. Leider verpasste ich damit das spannende Formel 1 Rennen - aber kein vernünftig denkender Mensch hätte das Rennen der Prügel vorgezogen.

Entsprechend spät begann Tag 115. Ziel war es sich zu registrieren (laut unserem Visa-Reisebüro muss man sich binnen 7 Tagen in Russland melden) und ein Paket mit überflüssigem Kram nach Deutschland zu schicken. Beides war problematischer als gedacht:

Für die Registrierung gingen wir zunächst zu Post, welche diese normalerweise durchführt. Die Angestellten forderten eine Menge Kopien, den Nachweis einer Unterkunft und wiesen uns letztendlich ab!!!! Plötzlich, also nach 30min stellten sie fest, dass sie für solche Registrierung gar nicht zuständig seien, sondern wohl das Migrationsbüro...
nagut - dann wenigstens das Paket abschicken?
Nee das ginge auch nicht!
Dafür müsse man zur Hauptzentrale!!!
Aahhh - hat dieser Postamt überhaupt eine Funktion?

Dieser Informationszugewinn geschah darüber hinaus auf eine unhöfliche und abweisenden Art und Weise mit hohem Desinteresse und ohne Hilfsbereitschaft, sodass wir ohne die Unterstützung von Vicky und Co aufgeschmissen gewesen wären.

Nächste Station war also das Migrationsbüro, wo weitere Unterlagen auszufüllen waren, ehe man sich bei einer der Angestellten, die sich ganz schön dämlich anstellen, anstellen durfte. Zwischendrin erfuhren wir aber von einer privaten Person, dass dieses Amt solche Registrierungen gar nicht durchführe...

Aahhhh!!???

Entnervt wie wir waren und mit viel Verständnis der in der Schlange stehende Personen durften wir uns vordrängeln. Im Zimmer der Beamtin erfuhren wir dann, dass eine Registrierung nur dann notwendig ist, wenn man sich länger als 7 Tage in EINER STADT aufhält... ahhhh!!!

Wir verspürten Freude und Wut zugleich!  War der ganze Stress umsonst? Nur aufgrund einer Fehlinformation haben wir nun eine Handvoll Personen überflüssiger Weise zur Hilfe genötigt? Dafür haben wir und vor allem unsere Helfer einen halben Tag investiert? Es tut uns Leid!

Immerhin war das Abschicken des Pakets für diese Verhältnisse dann im zentralen Postamt problemfrei, nur eben langwierig.

Aber bleiben wir gespannt - bis das Paket in Deutschland ankommt und wir hoffentlich ohne Ärger wieder aus Russland ausgereist sind... (Update: Ausreise ist mittlerweile ohne Registrierung am Tag 123 problemlos erfolgt)

Die ersten Kilometer aus der Stadt Orsk heraus wurden wir von Игорь und Маришка , dem russischen Paar, begleitet. Sie überhäuften uns noch mit kleinen Andenken und wünschten uns am letzten "Орск"-Schild dann viel Glück für die weitere Reise - vielen Dank, war schön euch kennen gelernt zu haben. Viel Spaß auf euren Touren!

Die Fahrt von Orsk nach Troitsk begann mit vielem (Mittags-)Pausen. Wir hatten endlich mal wieder Flüsse, in denen man baden konnte. Nicht viele Möglichkeiten ließen wir aus, aber auch nicht allzu viele trugen genug Wasser um appetitlich zu sein. Doch im Sinne der gleichmäßigen Verteilung (von Dreck) ist die Frage, was nach einem knapp 100km langen Tag mit viel Sonne, dreckiger ist: der Fluss/See oder Mo/Cé?

Neben den vielen Gewässern gibt es hier auch viele Birken. Es mag da vielleicht einen Zusammenhang geben, Biologe bin ich nicht. Definitiv gibt es aber einen Zusammenhang mit dem hohen Vorkommen der Birken und der Tatsache, dass wir ausgerechnet mit Birkenzweigen in der Sauna vermöbelt wurden. Ich bin froh, dass hier das dominierende Grünzeug keine Kakteen sind.

Wenig Wind und eine weitestgehend flache Landschaft ermöglichten uns nahezu in Spazierfahrt an die 100km/Tag zu fahren. Kein Begrenzungspfahl hielt uns auf, lediglich am Tag 119 ein Loch in meinem hinteren Schlauch und kurz darauf folgend ein "Platzer" des selbigen. Dennoch wären wir binnen 6 Tagen in Troitsk. Da wir dort aber in der Nacht vom 30.6. zum 1.7. im Hotel mit Fernsehanschluss sein wollten (zufällig spielte da um 2 Uhr Ortszeit Dtl vs Alg. Die WM wird auch nach dem Ausscheiden der russischen Mannschaft weiter frei empfangbar auf РОССИЯ 1 übertragen - ohne Untertitel), mussten wir einen Ruhetag einlegen. Tag 120 verbrachten wir an einem schönen, großen See. Zwar war es nicht zu heiß, aber dafür hatten wir ein heftiges Nachmittaggewitter und wenig Sonne.
Dann sollte es bis auf knapp 20km vor Troitsk gehen, damit wir am entscheidenden Tag nur noch kurz ins Hotel fahren müssten. Doch dann kam alles ganz anders und noch viel besser!

Wir fanden einen schönen Fluss, am Dorf Санарка und schlugen dort unser Zelt auf. Wenige Minuten später erschien ein Cowboy und war dermaßen fasziniert von der idiotischen Idee mit dem Fahrrad von Deutschland bis hier her zu fahren, dass er uns prompt zum Abendbrot einlud - so dachten wir! Unsere Missverständnisse bzgl Einladungen sind ja bekannt. Ich erinnere nur an den netten Türken, welcher uns noch heute das Frühstück zu den gebrachten drei Eiern schuldet.
Doch diesmal ging das Missverständnis zu unseren Gunsten aus, denn die Gastfreundschaft ging noch viel weiter. Wir erhielten Kost UND Logi!
Einzelzimmer!
Seit langem nächtigten Mo und ich nicht mehr in getrennten Zimmern. Zwar weiterhin nicht mehr als 1m voneinander entfernt, aber doch getrennt von einer Mauer! Toll!
Bevor es aber in das aus unserer Sicht wohl verdiente Bettchen ging, unterhielten wir uns noch ein wenig mit unseren Gastgebern. Dabei kam heraus, dass es unser Plan war für das Deutschlandspiel nach Troitsk ins Hotel zu fahren:
"плохо", Undenkbar! Hotels seien überteuert!
Daher wurden wir eingeladen für zwei Nächte zu bleiben. Dies bedeutete zwar den Verzicht auf Wifi, aber die Möglichkeit die Herzlichkeit von tollen Menschen weiter zu genießen und mit deren Enkeln Lisa und Sascha den freien Tag 122 Ball zu spielen.
Darüber hinaus bot uns der Schwiegersohn, Polizist von Beruf, an dem auf das Deutschlandspiel folgenden Tag, uns über die Grenze nach Kasachstan zu begleiten. Das war uns hinsichtlich des Restrisikos Registration sehr genehm. Zwar musste er dann doch zum Zeitpunkt unseres Übertritts arbeiten, aber das Angebot zeigt, wie hilfsbereit und nett die Menschen hier sind - zumindest uns gegenüber: wir sind ja aber auch süß!

Der Grenzübertritt nach Kasachstan war dann auch ohne fremde Unterstützung problemfrei. Wir erfuhren, dass man sich angeblich nur in Astana registrieren lassen kann. Zwar ist der Wind weiterhin günstig, was uns wieder locker Strecken über 90km erreichen lässt, aber binnen 5 Tagen ist Astana (900km) für uns nicht zu erreichen ist. Kostanay (200km) dagegen schon. Womöglich geht eine Zwischenregistrierung in Kostanay (Kaz), wie uns ein netter Schweizer auf dem Motorrad irgendwo auf den kaputten Straßen zwischen Atyrau und Aktobe berichtete (seinen Blog findet ihr unter http://saghirf.wordpress.com).
So ist unsere aktuelle Position Kostanay! Und zufällig, also tatsächlich zufällig, spielt Deutschland genau in der Nacht, in der wir im Hotel sind - gegen Frankreich! Für wen ich bin?
Für Deutschland natürlich - vielleicht!

Die letzten Wochen lassen sich für die Zeit die wir auf dem Rad saßen als relativ eintönig beschreiben. Wenig abwechslungsreiche Landschaften, gleicher, ja fast selber Tagesablauf. Die größte Abwechslung war sie Musik die wir hörten. Wir kamen dank des günstigen Windes so schnell voran, dass wir genauso viele Zeit Pause machten, wie wir auf dem Rad saßen - spätestens im Altai werden wir uns diese Zeit zurück wünschen.
Gleichzeitig lernten wir in so kurzer Zeit so viele tolle Menschen kennen, dass die Zeit unheimlich schnell vorüber ging. In Aktobe Sergey und Evgenii, in Orsk unter anderem Vicky, Maxim und Kosta, in Sanarka unter anderem Victor, Maxim, Victoria und nicht zuletzt auch Lisa und Sascha.

So kann es gerne weiter gehen...

Wir sind jetzt in Kostanay und werden gleich versuchen uns zu registrieren...

Fotos der letzten Zeit folgen bald!

Montag, 16. Juni 2014

Freitag der 13. Juni 2014

Tag 105 - ein abenteuerlicher Tag!
Abergläubig sind wir nicht - umso ärgerlicher ist es, dass diese Pannenserie an einem so bedeutungsgeladenen Tag passierten. Freitag den 13!
"Es fing ganz harmlos mit Monopoly an, ich war immer der reichste, weil ich immerzu gewann..." (Die Ärzte).
Bei uns ging es los mit Mos abgebrochenen dritten Ständer. Was solls, dann wird das Fahrrad halt an einen der Bäume hier in der vegetationslosen Steppe/Wüste gestellt. Dann war es ein Platten an Mos Hinterreifen. Erfahren-routiniert war dieses Problem binnen weniger Minuten gelöst. Doch beim Festziehen der Feststellschraube der Achse brach die Schraube! Kein Ersatzteil parat, kein Provisorium möglich - nicht bei diesen Straßen, nicht bei unserer Zuladung!
50 km vor und hinter uns zum nächsten Dorf! Wir befanden uns Genau in der Mitte. Genau in der Mitte befanden wir uns! Ahhhhh! Aber ein schattiges Plätzchen unter der Brücke hatten wir - es könnte also schlimmer sein. Ach ja, wurde es auch!
Uns blieb nichts anderes möglich als zu trampen! Der dritte LKW hatte dann auch die Möglichkeit uns mitzunehmen. Er wollte sogar nach Aktobe. Wir legten die Fahrräder und Gepäck hinten auf den langen, offnen Tieflader und verzurrten alles gut mit unseren Stropsen.
So schlecht die Straßen mit dem Rad zu fahren sind, so sind sie mit Auto/LKW noch schlechter! Von meinem Onkel (liebe Grüße an dieser Stelle) weiß ich, dass Schlaglöcher entweder mit 10km/h oder 90 km/h zu fahren sind, damit man sie nicht mehr spürt. Ratet mal wofür sich der LKW Fahrer entschieden hat!?
Entweder hat er nicht ganz die 90 erreicht oder mein Onkel hat sich getäuscht - letzteres mag ich bezweifeln! Wir fuhren in jedem Fall nicht ladungsangemessen. Angst und Bange war uns um unsere wertvollen Gegenstände hinten. Die Wertsachen in der Lenkertasche hatten wir selbstverständlich bei uns. Doch zur Mittagspause entdeckten wir, dass die Kamera von Mo aus der Lenkertasche fehlte. Sie war normalerweise an der Seitetasche eingeklemmt und zusätzlich mit einem Karabinerhaken gesichert.
Ist es Rassismus, wenn man den Fahrer verdächtigt? Wir wurden den Gedanken aber nicht los, dass am Ende der Fahrt der einzige Gegenstand der fehlte, genau aus der Tasche fehlte, welche der Fahrer als einzige Tasche während des hektischen Aufladens kurzzeitig in der Hand hielt! Wir ärgerten uns ob dieses vorschnellen Urteils über uns selbst, da es selbstverständlich auch die Möglichkeit gibt, dass Mo den Karabinerhaken ausnahmsweise vergessen hatte zu fixieren.
Letztlich ist es auch völlig egal auf welche Weise die Kamera verschwunden ist, wir werden die Antwort wohl nie erfahren. Vielleicht wäre es sogar besser, wenn sie geklaut wurde, dann hat sie wenigstens noch eine Funktion und würde nicht in der Wüste verstauben.
Ärgerlich - nein richtig ärgerlich, so, dass wir beide echt mies gelaunt waren, ist es nur um die verlorenen Bilder und Videos! Euch bleibt somit mein Wüstendance in der Mittagshitze zu einem System of a Down Lied vorenthalten: "everybody is going to the party have real good time. Dancing in the desert, blowin up the sunshine..." man hätte nur diese Zeilen gehört (mehr Textpassagen verstehe ich nicht), den Rest hätte ich extravagant ver-'eurythmisiert'. Man hätte es in Anlehnung an den Freejazz auch Freedance bezeichnen können...
Nun ja...
Nach der Pause fuhren wir in Kolonne in zwei LKWs weiter, da es eigentlich nur zwei Plätze in einem LKW gab. Der erste Fahrer wollte aber uns seinen LKW aber nicht komplett überlassen und zurückbleiben. Ganz verstanden habe ich das Problem auch nicht, da es zwar nur zwei Sitze gab, aber mit dem Anschnallgurt vom Fahrer insgesamt genau 0 Anschnallgurte gab. Also warum dann nicht auch zu dritt fahren, wenn sich eh keiner anschnallen kann? Aber er meinte bei drei Personen meckere wohl die Polizei. Nicht aber bei 0 angeschnallten Personen und auch nicht bei telefonierenden Fahrern?
Egal, so saß ich im zweiten LKW und hatte immer wieder die Möglichkeit unser hüpfendes Gepäck von hinten zu sehen, während sich die Fahrer auf der Sandstrecke ein kleines Rennen ablieferten. Es ging darum wer die am wenigsten löcherige Fahrbahn der bis zu 8-spurigen Sandhighways fand, in dem man immer wieder dir Spur wechselte, sobald der die Spurrinnen trennende Erdwall an einer Stelle platt gefahren war - nach dem Prinzip auf der anderen Seite des Zauns ist der Rasen grüner!
Gewinner konnten wir nicht ausmachen, dafür aber eine Menge Verlierer:
Stoßdämpfer, Achse, Reifen, Anhängeraufhängung, meine Nerven, mein Wasserhaushalt (ich bin glücklich nur übermäßig transpirert zu haben und nicht auch noch unkontrolliert uriniert), Mos Kopf (vom gegen die Decke stoßen), ein Haufen Kleinvieh von Fliege bis Erdmännchen und natürlich unser Material hinten.
Erstaunlich war, dass der zweite LKW einen Kleintransporter geladen hatte. Dieser ca 2 Tonnen Zuladung brachten ihn aber nicht davon ab seinen Bleifuß einzusetzen.
Nach zwei missglückten Ausstiegversuchen, bei denen Mo und ich uns abwechselnd nicht einig waren weiter zu fahren und das Material zu riskieren oder auszusteigen und womöglich kein Ersatzteil für Mos Fahrrad in einer der kleinen Städte zu finden.
Als die Straße auch dann nicht besser wurde, als sie hätte besser werden sollen, weil 2 Hauptstraßen zusammengeführt wurden, entschieden wir kurzerhand auszusteigen. Mit den Gedanken "Notfalls schieben wir die letzten 100km bis Aktobe, als noch länger die Räder auf dieser Buckelpiste zu malträtieren"' lies ich die LKWs mit einem inzernational verständlichen Urschrei "Stop" anhalten. Diese vier Buchstaben in Form eines Schildes hatte der Fahrer einige male lachend und darauf deutend ignoriert.
Wir entpackten unsere Räder samt Gepäck und packten uns anschließend mies gelaunt zwischen die hier so weit im Norden existierenden Büsche!
Mies gelaunt, weil wir den bislang schönsten, grünsten und wasserreichsten Teil Kasachstans im verkehrsuntauglichen Truck verpassten. Wobei die Trucks noch die schnellsten auf den Straßen waren, da diese besser gefedert 80% der Schlaglöcher überfuhren, während die PKWs zum Teil darin zu verschwinden drohten.
Mies gelaunt darüber, dass wir einen Radreisenden uns haben entgegenkommen sehen, als wir eingesperrt in der Karosserie dieser Maschine saßen.
Mies gelaunt darüber, was heute alles kaputt oder verloren gegangen ist! Das Trampen, bzw die Verschnürung, die Straßenverhältnisse und der Fahrstil (erinnert mich irgendwie an den Schuh des Manitu: "das ist doch kein Reitstil, das ist Tierquälerei") haben Mos hintere Taschen und den Gitarrensack schwer beschädigt. Dem Kamerastativ fehlt eine Schraube, eine Stropse ist abgerissen, etwas Material an Sattelstange und Mos Schaltkasten (um Missverständnissen vorzubeugen: ich meine damit den seines Fahrrades) ist abgetragen.
Die kleinen Löcher in den Taschen kriegen wir mit SeamGrip geflickt, ob dies mit den großen Rissen klappt wissen wir noch nicht. Im ersten Versuch sind wir gescheitert...
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Samstag der 14.
Ausgeschlafen! Erholt! Und dann? Die nächsten Probleme! Kein Frühstück!
Im gestrigen Trubel haben wir nicht nur das Fußballergebnis des WM-Auftaktes verpasst, sondern auch vergessen einzukaufen. So wollten wir Spaghetti zum Frühstück machen, da die gestrigen Reis-/Salatreste von Ameisen kontaminiert waren. Doch die Pumpe für unseren Kocher gab just in dem Moment den Geist auf. Aberglauben ist also Unsinn! Der 14. beginnt ja noch schlechter als der 13! Oder ist darin eine Steigerung zu sehen?
Doch konnten wir den Defekt kurzweilig zum Kochen beheben und nach dem Kochen gänzlich: Beim MSR-Kocher sollte der Pumpkolben regelmäßig geölt werden, sonst bleibt das Ventilgummi nach Druckaufbau unten kleben und wird nicht mehr mit zurückgeführt.
Für Moritz ging es dann auf in die 15km entfernte Stadt, mit dem Ziel die Feststellschraube zu ersetzen, während ich mich daran machte Kocher zu reparieren und zu reinigen sowie sämtliche Taschen zu SeamGripen. Erstaunlich schnell war Mo zurück. Es gäbe wohl kein Fahrradladen in Kandyagash, aber hilfsbereite Menschen haben ihm die Schraube geschweißt. Leider hielt diese Naht nicht!
Nach dem Mittagessen ging es auf zu einem zweiten Versuch. Etwas erfolgreicher kam Mo davon zurück. Er hatte eine entsprechende Schraube, die leider nicht gänzlich festzuziehen ist, da die Mitte sonst durch rutscht. Als Provisorium allerdings durchaus geeignet. Auf dem Weg zum halbwegs erfolgreichen Abschluss dieser blöden Achsgeschichte, hatten viele Menschen ihren Anteil daran. Hilfsbereite Menschen, die sich genauso darum bemühten, die Sprachbarriere zu überwinden: Sei es im ersten Versuch beim Schweißen oder im zweiten Versuch, die Organisation der Schraube und der wohl einzig passenden Mutter in dieser Gegend. Mo war zunächst beim Automechaniker, welcher nicht weiterhelfen konnte. Zwei Kunden boten Mo an, ihn zu verschiedenen Baumärkten zu fahren - der dritte hatte die entsprechende Schraube, aber keine Mutter. Letztere ließ sich dann, zurück beim Mechaniker, im Kofferraum eines dritten Kundens auftreiben.

Brandenkasachstanburg

Zeit!
...
Nichts zu sehen außer Autos, Staub und -wolken sowie die Weite.
...
Das lässt Raum und Zeit!
...
Zeit nachzudenken, zu reflektieren, sein eigenes Leben auf den Prüfstand zu stellen!
...
Und das einzige was uns auffällt ist, dass es viele Parallelen zwischen Kasachstan und Brandenburg gibt. Entweder ist uns bereits zu langweilig, dass wir in voller Lethargie nicht mal mehr denken können oder wir haben es einfach zu gut - was angesicht erstmals schmerzender Hintern nicht sein kann!
...
Nach 5500km die ersten Schmerzen!? So plötzlich!? bzw wieso jetzt? War die Eingewöhnungszeit (320h) zu kurz? Kommt die Belastung für die Hintern so überraschend? Ist es die Hitze? Haben sich unsere Sitzpolster durch gesessen?
Oder sind selbst unsere Hintern so phlegmatisch, dass sie erst jetzt kapieren, dass wir seit über 320h auf einem Lederfetzen sitzen! Bei Mo ist eine Erklärung vielleicht einfach: sein Sattel ist so weich und durch gesessen, dass er auf die unteren metallenen Streben aufsetzt/-sitzt. Bei mir lässt aber bestenfalls die dämpfende Wirkung der Hosenpolster nach... vielleicht ist es ja auch einfach nur die Hitze oder eben die Langeweile die einen an den Arsch (der Welt) erinnert - womit wir wieder bei Brandenburg wären!
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Also zurück zu Brandenburg- nur gedanklich, so schlimm ist es hier in Kasachstan nun auch nicht!
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Beide sind flach und öde, nichts zu sehen, außer ein paar Seen, die hier allerdings ausgetrocknet sind. Hier ist es wärmer als in Brandenburg, was vielleicht an der sozialen Kälte liegt. Denn hier haben wir mittlerweile sehr aufmerksame Menschen getroffen, die uns beim Überholen mit dem Auto eine Flasche Wasser, Cola oder sogar einmal Bier durch das Fenster reichten: Solch einen Service erhalten sonst nur die Profi-Radsportler...
Brandenburg hat vielleicht etwas mehr Bäume, daher kann man sich Kasachstan einfach wie Brandenburg nach einem Kahlschlag vorstellen.
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Apropos Kahlschlag! Auch politisch werden wir immer wieder an Brandenburg erinnert. Jeder zweite Kasache mit dem wir uns "unterhalten", fragt, nachdem wir uns als Deutsche geoutet hatten, nach Adolf Hitler, bzw bezeichnet uns als Faschisten. Allerdings sind wir sind uns nicht sicher, ob die entsprechenden Kasachen bei der Erwähnung unserer Herkunft sofort auf Adolf Hitler zusprechen kommen, um damit zu provozieren oder nur nachzufragen, also ein reines Interesse daran haben, wie dieses brisante Thema in Deutschland wissenschaftlich diskutiert und in den Schulen behandelt wird:
Denn so wie wir einfach nur "girmanja!" auf die Herkunftsfrage antworten, sagen sie einfach nur "Adolf Gitler!?" meinen aber Hitler, was daran verständlich wird, dass die nähere Erläuterung "faschisti!?" folgt. Zum Teil folgen weitere Erklärungen durch das Stramm stehen und abrupte Heben des rechten Armes.
Es ist ja bekannt, dass auch in Brandenburg die Meinung sehr weit verbreitet ist, dass das Deutsch-Sein mit rechter Ideologie verbunden ist.
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Mittlerweile sind wir davon abgekommen, solche Kommentare einfach zu ignorieren. Viel zu oft wird bei rechten Gedanken weggesehen und sie ignoriert! Wir nehmen stattdessen die Aufforderung zur Diskussion über die Frage zum wissenschaftlichen Stand und Umgang mit Hitler sehr ernst!
Lange haben Mo und ich überlegt wie man dieser Bitte um Perspektiverweiterung nachkommen kann. Die Ideen gingen von Beschimpfungen (abgelehnt aufgrund pazifistischer Einstellungen), bis hin zum auswendig gelernten Monolog auf russisch, der mehr Licht in das Dunkle bringen könnte (abgelehnt: keine Nachfragen möglich und zu viel Aufwand - wir haben ja keine Zeit). Daher stellen wir uns der Diskussion und machen auf der Stelle demonstrativ kehrt, begleitet mit dem Ausruf "Hitler njet!". Dies hatte leider auch einmal zur Folge, dass wir auf Wasser verzichteten, welches uns gerade gebracht wurde, ehe eine zweite Person aus dem Haus kam und uns mit der bekannten Initialfrage begrüßte.
So wie sie ihre weitreichende Frage sehr schlicht formuliert ist, ist unsere Antwort daran angepasst.
Ich bin davon begeistert, wie man mit so wenigen Wörtern Diskussionen bis in das letzte Detail führen kann. Aber gerade beim letzten mal sollte es einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, da wir 1. auf Wasser verzichteten, 2. den Ausruf "Hitler njet" wiederholten und 3. Mo und ich beim Umkehren uns in die Quere kamen, sodass Mo dabei halb-elegant vom Fahrrad absteigen musste und das Fahrrad in den Dreck legte.
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Doch es gibt auch Unterschiede zwischen Brandenburg und Kasachstan: Wölfe sind hier nicht Wölfe sondern Wildpferde, Kamele, Ziegen und Erdmännchen. Ich bin im Übrigen der Meinung Steve gefunden zu haben! Statt verstaubter Menschen gibt es hier verstaubte Sträucher. Die Entfernungen zwischen den Dörfern beträgt nicht 10 sondern eher 100km, was aber im Verhältnis zum restlichen Gebiet wahrscheinlich auf den gleichen Faktor hinausläuft. Ich denke weder Achim Mentzel noch Washington, Denzel waren jemals hier - wieso auch?
Auch gibt es Momente, in denen wir uns nach Brandenburg sehnen. Nicht nur weil wir damit Berlin näher wären. Nein! Die hiesigen Straßenverhältnisse lassen uns selbst die brandenburgischen Straßen/Autobahnen vermissen. Nachdem wit stellenweise gut ausgebaute Teerstraßen zwischen Atyrau und Dossor hatten, sind die Straßen hier nicht mehr als solche zu bezeichnen. Wir haben fakultativ bis zu 8-spurige Sandhighways, eine löchrige Schotterstraße oder einfach nur mannshohe Krater mit Asphalt drumherum. Es ist Adrenalin pur und fordert höchste Konzentration, den richtigen oder zu mindestens nicht den falschesten Weg zu finden. Es ist zum Teil wie Achterbahn fahren, nachteilig ist hierbei nur, dass der Verschleiß an Material recht hoch ist. Gestern (Tag 104) hatte ich kurz vor unserem anvisierten Zeltplatz am See (welcher dann doch ausgetrocknet war) einen Platten. Heute (Tag 105) war Moritz nach rund 20km an der Reihe. Rasch geflickt und dann geschah das eigentliche Problem... Freitag der 13.?
Fortsetzung folgt

Donnerstag, 29. Mai 2014

AZ Visa - liveticker

9:20
+++ Till verabschiedet. Er versucht Aigers auf dem Weg nach Yerevan einzuholen +++

10:00
+++ An der Botschaft!
Der Andrang ist wieder größer, die Masse hysterischer; Olcay ist da. +++

10:05
+++ die Masse von Security lässt die erste Person eintreten +++

10:06
+++ die Masse wird aufdringlicher. Nicht nur die Sonne wärmt, sondern auch die Nähe zu den haarigen LKW - Fahrern +++

10:08
+++ ist es ein Aufnahmekriterium als LKW-Fahrer dick und haarig zu sein, eine Folge des Berufs oder haben sich nur dicke und haarige LKW-Fahrer hier eingefunden? +++

10:09
+++ Olcay darf eintreten! Gibt seine vorbereiteten Visaunterlagen ab! +++

10:10
+++ Olcay kommt wieder heraus - unverletzt! Darf am Montag alles abholen. GMT!? +++

10:15
+++ wir dürfen eintreten! Die nette Frau mit dem Metalldedektor kennt uns, wir kennen das Prozeder: Handy aus, alles metallische auf den Tisch legen und dann... was? Sie lässt uns ohne zu scannen passieren. Als nächstes gehen wir noch mit ihr Abendessen? Die Uniform steht ihr! +++

10:17
+++ ohne Visum verlassen wir das Gebäude. Um 14 Uhr sollen wir eine Nummer anrufen, die nach Aussagen schwedischer Mitleidender stets besetzt ist. Dann erfahren wir ob die Visa abholbereit sind oder nicht. +++

10:18
+++ Nummer notiert; Entscheidung getroffen: 16 Uhr gehen wir in jedem Fall hin +++

11:00
+++ mit Olcay kommen wir in unserem Hostel an. Er wird hier einziehen. Mal sehen ob wir auch bleiben müssen? Das Zimmer ist groß genug. Wir haben optimistisch wie wir sind fertig gepackt! +++

12:00
+++ noch 2 h Langeweile bis zum Telefonat. Weiß jetzt wie das ist, wenn bei einem Fußballspiel nichts passiert und die Live-Ticker-Schreiber dennoch etwas schreiben - die machen das aus reiner Langeweile! Hier scheint die Sonne. In Deutschland wohl nicht überall - wir wünschen euch allen dennoch einen schönen Feiertag. +++

13:45
+++ die Geschichte mit dem Plätzen wiederholt sich. Entweder ist Mo inkompetent oder der Schlauch ist hinüber. Gestern erster, zweiter und dritter Platten. Heute morgen vor Abfahrt repariert. Jetzt gerade erneut reparieren müssen! +++

13:59
+++ gleich wird angerufen +++

14:16
+++ AFFEN!!! Die Schweden hatten recht. Man wird durchgestellt und dann wird die Verbindung unterbrochen! Also 16:00 wir kommen! +++

15:11
+++ Hunger! Ein mir nicht unbekanntes Gefühl. Lösung wird Moritz jetzt vorgeschlagen! Wir holen uns hier meist beim Bäcker was zu. Essen ist fettig und salzig! +++

15.40
+++ Tee trinken gegen die Nervosität! Hilft da Schwarztee? +++

15.47
+++ hat nicht geholfen. Nervös, voller Vorfreude und bereit für die Enttäuschung wollen wir los! Mos Hinterreifen sieht verdammt platt aus! Diät verschreiben? +++

16:00
+++ die alte bekannte Masse. Wir haben einige neue Freunde gefunden. Ist es Rassismus, dass dies alles englischsprachige Europäer sind - keine Türken? +++

16:10
+++ ein Holländer darf rein +++

16.11
+++ ein Kanadier darf rein; der Holländer kommt enttäuscht heraus. +++

16.12
+++ der Kanadier kommt enttäuscht heraus; der Holländer fährt mit seinem Motorrad davon und schreit etwas von Planänderung; er fährt halt in die Türkei! +++

16.13
+++ der Kanadier wird über die Sprechanlage nochmals herein gerufen! Alles nur ein Scherz? + + +

16:15
+++ Einlass auch für uns. An der hübschen Frau vorbei (die arme steht nun in der prallen Sonne; ob man ihr ein Eis anbieten darf? Sie sieht nicht freundlich genug dafür aus, als dass man es riskieren sollte; viel zu pflichtbewusst)
+ + +

16.16
+++ drinnen warten eine Menge Menschen. Wir sehen den Kanadier! Die Visa müssen gleich da sein.
+++

16.17
+++ die Schweden treten ein +++

16.35
+++ die Schweden kriegen ihre visa! Wir waren doch zuerst da! Nur weil wir deutsche sind! Das ist doch unfair! +++

16.40
+++ lauter Türken kriegen beim reinkommen gleich ihr Visum ausgehändigt. Der Kanadier kriegt sein Visum!!! Aber wir sind deutsche! Warum kriegt der Kanadier und wir nicht... +++

16.59
+++ ja!!!! Wir haben unsere Visa!!!
Auf nach Hause packen und ab die post gen Grenze. Morgen rein da und dann auf zur nächsten Grenze per Bus oder per Anhalter!!! +++

17.01
+++ Mo hat einen Platten +++

17.30
+++ platten repariert +++

Das Spiel ist aus ein neues beginnt. Bis bald an gleicher Stelle!

Mittwoch, 28. Mai 2014

In Tiflis - Dreh- und Angelpunkt

Ich habe mich bei der Formulierung des Titels zunächst verschrieben. Warum hat die Autokorrelationsfunktion bei der Eingabe "in Tiflis" mir zunächst "unnötig" vorgeschlagen? Fungiert die Technik doch als eine höhere Macht? Dabei ist der Stop hier vielleicht nicht planmäßig, aber hier haben wir tolle Menschen kennengelernt und wieder getroffen.

Tiflis scheint nach Trabzon der nächste Dreh- und Angelpunkt sämtlicher Reisender dieser Welt zu sein (nur will niemand nach Kasachstan oder in die Mongolei - gibt es da einen Grund? Die meisten drehen hier gen Süden ab, gen Iran/Indien)

Die ersten zwei Nächte in Tiflis sind wir in einer WG untergekommen, wo Aigers und Till nächtigten. Moritz und ich konnten aber nicht länger bleiben und haben uns daher ein Hostel gesucht. Wichtigstes Auswahlkriterium war der Preis. Die Suche nach dem Hostel erfolgte am Montag nach dem ersten, ernüchternden Besuch bei der Botschaft. Vor einer der Hostels die wir miteinander vergleichen wollten, trafen wir Pavel, Manuel und Norbert - drei Radler aus Deutschland, die zum Teil die gleiche Strecke gefahren sind wie wir. Zuletzt den erschöpfenden Teil durch die Türkei.
Die ersten beiden sind am 1.4. in Deutschland gestartet und durch Osteuropa ähnlich herum geirrt wie wir; nur schneller. Deren Ziel ist Indien. Unter www.staubspuren.de könnt ihr sie weiter verfolgen. Norbert haben sie unterwegs in der Türkei irgendwo getroffen. Er möchte zunächst ähnlich wie wir über Russland nach Kasachstan einreisen, mit den Fernziel Fernost Asien. Geplant ist ähnlich wie Olcay der Weg südlich aus Kasachstan raus. Ursprünglich wollte Norbert wohl auch durch den Kaukasus, aber auch ihm machte der Erdrutsch einen Strich durch die Rechnung.

Doch ehe wir sie gestern zum Abendbrot besser kennen lernen konnten, hatten wir den Abend zuvor, nachdem wir unser billiges (nicht nur günstig) Hostel bezogen hatten einen schönen Abend mit Till, Aigers, Julia, Mark und Jana. Drei Radreisende, zwei Wanderer/Anhalter.

Es war ein langer und schöner Abend mit interessanten Biographien und tollen Gesprächen. Es ist faszinierend mit welchen unterschiedlichen Intentionen die verschiedenen Menschen unterwegs sind und gleichzeitig aber alle irgendwie einen gemeinsamen Nenner haben, der über das Reisen hinaus geht. Spannend ist auch, dass in dieser Gruppe die in weiten Teilen der Welt diskriminierte Minderheit von Vegetariern in dieser Runde plötzlich die Mehrheit stellte - also ich war der einzige normale! Aber prinzipiell sind ja alle Außenseiter außer mir.

Aber apropos Olcay! Er ist wohl gestern gut in Tiflis angekommen. Hatte unterwegs, wenn wir es richtig verstanden haben, wohl bereits zwei Speichenbrüche an seinem neuen Fahrrad, aber lest selbst: http://seyrupedal.com oder bei Facebook: https://facebook.com/seyrupedal

Wir hatten auch unseren ersten Speichenbruch! Irgendwann am Sonntag an Mos Hinterrad. Konnten es gestern hier reparieren lassen. Dabei haben wir zum wiederholten Male die GMT kennengelernt: Georgian Maybe Time! Alles geht, nichts muss und auf keinen Fall zum vereinbarten Zeitpunkt. Wir waren gegen 12 dort und haben alles geklärt. Der Typ sagte, dass wir die Räder dann so in 2 Stunden wieder abholen könnten - halt so gegen 16Uhr!!!

Fatal wenn es dringend ist! Doch frei von jedem Zeitdruck haben wir die Wartezeit mit Julia, der Schwedin (https://www.facebook.com/events/552485031471328/?source=3&source_newsfeed_story_type=regular) im Park gesessen und unter anderem einer kleinen Widerstandsgruppe gegen den Bau eines Hotels mitten im Park beigewohnt. Die campieren dort und halten 24h Wache, dass der Bau nicht fortgeführt werden kann. https://facebook.com/Tbilisitrees

Heute haben wir dann Aigers verabschiedet. Er ist nun weiter auf dem Weg nach Yerevan: http://lauzis-ontheroad.tumblr.com/
Ebenfalls Tiflis verlassen haben Mark und Jana, die Wanderer und Anhalter. Mark, Britte, wandert seit über einem Jahr durch  die Gegend und hat in Deutschland Jana kennengelernt. Seit dem reisen sie zu zweit weiter (http://dierumtreiberin.wordpress.com/)

Bei herrlichem Sonnenschein haben wir dann den Nachmittag im botanischen Garten verbracht und die Zeit genutzt diese paar Zeilen anzufertigen.
Der botanische Garten ist wirklich schön. Zwar wenig farbenfroh aber mit vielen Schatten spendenden Bäumen. Es wäre hier zu mühsam alle Baumarten aufzuzählen; ich wüsste auch gar nicht ob ich dies in latein, altgriechisch, in der botanischen Bezeichnung oder allgemeinverständlich machen sollte. Aber was die meisten gemein hatten war, dass die Blätter grün waren!
Im Herzen des Parks war ein schöner Wasserfall!

Heute abend treffen wir dann endlich Olcay und sind gespannt was er zu erzählen hat!

Montag, 3. März 2014

Tag 2

Uns geht es weiterhin gut. Wir haben den Tag gemütlich angefangen. Die Nacht war kalt und erst zwischen 6-9uhr konnte ich richtig schlafen. Dann haben wir in aller Ruhe genossen, dass wir seit langem keinen Vorbereitungsstress haben. So schön der gestrige Tag mitsamt Abschied war, so gab es noch genügend Kleinigkeiten zu organisieren und vor allem sich vor den vielen Leuten, die uns die ersten Kilometer begleitet haben nicht zu blamieren.
Nach dem ausgiebigen Frühstück mit je 2 Scheiben Brot mit Käse und einen Klumpen Honig dazu haben wir sofort die drei gequetschten Bananen dem Müll zugeordnet. Memo: Bananen Druck fest verpacken oder Mixer mitnehmen um aus den Bananen noch einen Shake zu zaubern!
Dann ging es an die Optimierung unser Verstauungskünste. Tatsächlich war plötzlich mehr Platz da (Und nein, dass Zelt haben wir nicht vergessen). Völlig im Flow haben wir dann festgestellt, dass die Zeit schneller war als wir. Erst um 12 Uhr saßen wir auf den Rädern. Die ersten 5km waren dass ein Vorgeschmack auf die Mongolei. Sandwege wie sie die Wüste nicht besser zu produzieren wüsste! Doch waren wir hier im schönen Brandenburg noch umrahmt von einem Kiefernwald.
Die restliche Strecke war spektakulärfrei. Zunächst weiter die B96, haben wir uns entschieden kleinere Landstraßen zu suchen. Sei laut unserer Karte kürzer. Im nachhinein wirft Moritz mir vor, dass dies ganz alleine meine Fehlentscheidung gewesen. Die Strecke wurde nämlich deutlich hügeliger. Meine Bitte wäre, ob mir jemand bestätigen könnte, dass die 96 auch hügelig ist? :)
Jetzt liegen wir bei niedrigen Temperaturen im wärmenden Schlafsack. Unser Zeltplatz ist vor einem privaten Fischerteich.

Ach zu erwähnen ist noch, dass die eine Zeltstange beim Aufbau brach. Mit Panzertape konnten wir die stelle (provisorisch) flicken. Wir überlegen, ob wir die Stangen weg schmeißen und sie durch Tape ersetzen...

Wer uns sucht oder mal Fisch essen möchte:
51 47.435 N 13 27.877 O http://maps.google.com/maps?q=51.79059,13.46463