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Samstag, 27. September 2014

Auf nach Peking

Visum in der Tasche, Taschen am Fahrrad, Fahrräder mit uns darauf - es geht weiter!
Rund eine Woche bis zur Grenze, zwei weitere Wochen bis Peking! Dann ist das das Ende der Radreise.
Zur Erinnerung: In China werden wir leider kein Facebook und kein Gmail haben.
Bis bald

Samstag, 20. September 2014

Ulanbator

Wir sind also in Ulanbator!
Der Stadt vor der uns so viele Menschen warnten! Der Stadt, die hässlich, hektisch, laut und stinkig sein sollte.
Im Prinzip trifft die Beschreibung auch zu, auch wenn wir es am schlimmsten finden, dass hier wieder so viele Touristen sind! Man kann nicht mehr ungestört über Leute reden, ohne Gefahr zu laufen, dass man verstanden wird.
Die Straßen sind ab Mittag von hupenden Autos und pfeifenden Polizisten überfüllt. Die Polizisten stehen an großen Kreuzungen ergänzend zu Lichtsignalanlagen. Leider sind sich die Signalgeber und die pfeifende menschliche Kompetenz nicht immer eine Meinung und arbeiten selten für die gemeinsame Sache. Dies sorgt unter den Verkehrsteilnehmern für Verwirrung, fördert anarchistische Auslegungen der StVO und erhöht den Huppegel um ein vielfaches. Zwischen den stehenden und fahrenden Autos laufen dann die Fußgänger: bei rot oder grün; an Ampeln, Zebrastreifen oder einfach quer-straße-ein.
Dennoch oder gerade daher hat die Stadt ihren Charme. Hier tobt das Leben! Für uns das absolute Gegenteil der letzten drei Wochen in der Mongolei.

Dass wir es hier recht angenehm finden, mag vielleicht auch daran liegen, dass wir endlich wieder uns und unsere Sachen waschen können, wifi haben und etwas vernünftiges zu Essen finden: es gibt sogar ein Laden "german döner" (ich freu mich auf Berlin)!

Doch so positiv ungesund wir die kulinarische Seite Ulanbators wahrnehmen, so anstrengend war die bürokratische.
- Mittwoch Ankunft
- Donnerstag Migrationpolice: Aufenthaltsverlängerung Mongolei
- Freitag Chinesische Botschaft: Visabeantragung

Das Migrationsbüro ist in der Nähe des Flughafens, Bus 11 für 500 Tögrög fährt dort hin. Es ist ein blaues Gebäude. Aus der Stadt kommend auf der linken Seite, noch vor dem Flughafen, hinter einem roten Gebäude mit Kuppeldach.
Dort angekommen zogen wir ein Ticket und warteten - Fehler! Am Schalter wies man uns zum ticketlosen Informationsstand. Die "arbeitende" Sachbearbeiterin war überfordert und wusste nichts mit uns anzufangen, ehe man ihr erklärte, dass der hohe Stapel an leeren Formularen vor ihrer Nase dazu diente uns zwei Exemplare auszuhändigen.
Das Ausfüllen des Formulars war kein Problem, ist mir mein Vor- und Nachname spätestens seit der Klausurzeit in der Uni bekannt und die meisten anderen Informationen konnte ich aus dem Reisepass gewinnen. Leider bestand man darauf, dass wir noch je ein Passfoto beilegen sollten - ärgerlich! Denn es kostete uns 2km zum Fotogeschäft - zu Fuß! Ich hatte am folgenden Tag Waden- und Schienbeinmuskelkater!
Dann mussten wir noch je 2$ pro verlängerten Tag über die bald ablaufenden 30 Tage hinaus zahlen. Dies war im Haus bar oder per Karte zu erledigen. Eine ATM gab es nicht. Dann bekamen wir nach Vorlage der Quittung jeder einen Stempel in den Reisepass.
Es ist also gegen der offiziellen Information auf deutschen Seiten, welche besagen, dass man binnen 7 Tagen die Verlängerung beantragen soll, sehr wohl möglich dies auch am Ende der ersten 30 Tage zu erledigen.

Den folgende Vormittag verbrachten wir in der chinesischen Botschaft - mit warten! Viel Zeit davor, noch mehr Zeit drinnen. Erkundigt über die benötigten Daten hatten wir uns bei hier.
Das Formular druckten wir selber aus, herunter geladen hier.
Doch Achtung! Einige Länder benötigen scheinbar ein anderes Formular, so wurde eine Iren am Schalter zurück gewiesen, obwohl sie das gleiche Formular hatte wie wir.

Der Botschaftausflug war ein Krimi und hätte wahrlich einen Liveticker verdient:
Es lohnt sich 45min vorher am Seiteneingang anzustellen und nach dem Massenstart (Einlass) sich am ersten (!!!) Schalter anzustellen! Der zweite ist zum Abholen der Reisepässe, der dritte lediglich für Chinesen.
Letzteres erfuhren wir aber erst, nachdem der Securitymann uns dort hin gewiesen hat, wir 30min an dritter Position warteten, sich nach mehreren Durchsagen der Schalterfrau auf chinesisch einige Chinesen "vordrängelten", ehe die bereits erwähnte Iren nachfragte, warum es nicht der Reihe nach ging und die Antwort: "no english!" war!
Ach!? Das fällt der guten Frau aber spät auf, dass unter den 20 Europäern, alle wenig chinesisch aussehend, tatsächlich wenig Chinesen waren! Die wenigsten haben sich an ihrem Schalter angestellt um sie bei der Betreuung von Chinesen zu beobachten. Selten steht man dafür in einer Reihe. Zur Beobachtung ist eine Blockformation oder eine lose besser geeignet. Die meisten waren tatsächlich in eigenem Interesse da - was man Startschuss des Massenstarts deutlich zu verspüren war. Dort löste sich die von einer französischen Touristen hergestellte Ordnung in ein wildes Drängen.
In jedem Fall wäre ein früherer Hinweis sehr freundlich gewesen! Statt an dritter Stelle standen wir nun an 30., um schlussendlich wir nach 2min Durchsicht unsere Unterlagen abgeben konnten und zum Bezahlen geschickt wurden. Die Quittung wird beim Abholen vorgezeigt. Zahlen sollten wir Single-Entry obwohl wir ein double-entry beantragt haben. Mal sehen welche Konsequenzen das hat, ob wir nach zahlen müssen, einfach single-Entry erhalten oder alles von vorne beantragen dürfen. Dass wir das noch nicht wissen hängt damit zusammen, dass für Deutsche ein Expressvisum nicht mehr möglich ist - für Franzosen schon. So müssen wir vier Werktage warten, statt lediglich nur einen.

Aber als Abwechslung zum Stress, gönnten wir uns etwas Kultur!
- Donnerstag in das Theater
- Samstag in die Oper

Im Theater gab es eine culture-show mit Orchester, Tänzergruppen und Einzelkünstlern. Beeindruckend waren vor allem die traditionellen Instrumente und der Kehlkopfgesang. Vorn letzterem hatten ich etwas bange, kannte ich bislang nur die Qualität von Sheldon Cooper. Alles in allem empfehlenswert, wenn auch ungewöhnlich, da mehr Künstler als Zuschauer beteiligt waren.

Am Samstag gingen wir dann in die Oper. Gespielt wurde einer der schrecklichsten Dinge die ich je gesehen habe: die Wahl der Miss Mongolia 2014!
Nicht nur dass das Beste gleich zu Beginn kam und damit kein Spannungsbogen zustande kam (und da ist es mir lieber eine Story zu hören, bei der der Spannungsbogen bis zum Äußersten gedehnt wird). Nicht nur weil die Mädels weniger hübsch anzusehen waren als erhofft (im Publikum und auf der Straße gab es deutlich mehr und hübschere, als die die es bis auf die Bühne schafften). Nicht nur weil die Techniker unter dem Niveau eine Schulaufführung arbeiteten, mit verpassten Einsätzen, störenden Windows-Fehlermeldung-Geräuschen, falsche Einblendungen der aktuellen Themen (Miss Talent, Miss Model, Beauty with a Purpose, Miss Foto, Miss Bikini, ...), übersteuerte Mikrophone, ...
Nein! Das schlimmste an dem ganzen war, dass die Botschaft die am Ende von der Jury (drei dicke Herren und eine ehemalige Gewichtheberin) an das Publikum übermittelt wurde so traurig war:
Gewonnen hat die abgemagerste von allen! Es gab tatsächlich unter den 10 Kandidatinnen einige die natürlich aussahen und damit unter den hübschsten waren. Es gab gar welche die man gern zum Essen eingeladen hätte, nur damit die ein zwei Pfunde dazu gewinnen und dennoch als hübsch zu bezeichnen waren. Aber warum man letztendlich diejenige zur Siegerin kürte, deren Arme den Durchmesser meines linken großen Zehs haben, blieb uns ein Rätsel und vermieste uns den restlichen Abend, den wir in einem koreanischen Restaurant verbrachten - leider ohne eines der hübschen Mädels!

Die restliche Zeit in Ulanbator verbringen wir weitestgehend mit warten auf Mittwoch und essen zwischen dem aktiven Warten!

Dienstag, 29. Juli 2014

in der Altairegion

Wir haben es über die Grenze geschafft!
Wiedereinmal ohne Probleme!
Wir können also zusammenfassen, dass kasachisch-russische Grenzübergänge problemfrei sind.

Wir sind also wieder in Russland und haben auf unbestimmte Zeit Kasachstan verlassen. Es war zum Teil sehr öde und anstrengend, aber nach zwei Monaten verlassen wir das Land doch auch mit einem tränenden Auge! Auch der Himmel weinte mit. Wir hatten in Kasachstan bis dahin sehr wenig Regen und wenn, dann nur sehr kurz. Die paar Tropfen waren darüber hinaus auch schnell weggetrocknet. Aber zum Abschied bekamen wir nocheinmal einen richtig schönen Regentag.

Wir fuhren dann durch Kulunda durch. Den Namen der Stadtt assozierten wir bereits bei der Reiseplanung mit Schweden und tatsächlich sahen die Hauser stark nach Schweden aus. Wir wollten dann einen See ansteuern und nahmen dafür gar 5 km Umweg in Kauf. Waren doch die Möglichkeiten in den letzten drei Tagen zum Waschen sehr begrenzt. Als wir ankamen war der See 1. versalzen und 2. nicht zugänglich: ich versank bis über die Knöchel im Matsch!

Um so schöner ist es dann wieder in Russland zu sein, wo wir sofort die nächste Einladung erhielten: Kaum waren wir am folgenden Tag auf der Strasse, hielt uns ein Auto an. In Erwartung der üblichen "atkuda"-Fragen blieben wir stehen und erhielten eine Einladung von Arman zum Mittagessen - so dachten wir! Unser Russisch ist noch immer sehr schlecht!
Um zu seinem Dorf zu gelangen, sollten wir nur wenige Kilometer weiter fahren, dann 3 weitere Kilometer rechts abbiegen und tadaaa: Arman war nicht da!
Wir fragten Passanten nach "Arman?", Mo umschrieb ihn, indem er den Bauchumfang mit seinen Händen andeutete. Die drei Damen lachten herzlich. Die eine sagt "я мама" und die andere in fließendem Deutsch, dass wir vor dem Elternhaus von Arman stünden. Es ist schon krass mitten in einem kleinen Dorf eingeladen zu werden und dort eine deutschsprachige Person zu treffen.
Arman kam dann nach, doch statt des erwarteten Mittagessens, wurde ein riesen Barbeque veranstaltet und wir durften bei seinen Eltern übernachten und vorallem endlich wieder duschen!

Der Abend war sehr entspannt und lustig. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen. Es wurde viel gelacht, getrunken und gegessen. Ausserdem bekamen wir leckeren Marlboro-Ziegenkäse. Die hauseigene Ziege mag nämlich sehr gerne Marlborozigaretten...



Da es nun heute sehr regnerisch ist, wurden wir aufgefordert zu bleiben und erst dann weiter zu fahren, wenn der Regen irgendwann die kommenden Wochen mal aufhören sollte. Eine Nacht bleiben wir hier noch und werden später am Abend mit in die russische Sauna gehen.




Das ist unsere Route bis Barnaul:
Route


Freitag, 25. Juli 2014

Auf dem Weg nach Hause

Das Sommerloch setzt sich fort. Nichts aufregendes ist passiert. Wichtigste Nachricht: uns geht es gut! Der Inhalt des Pakets in Astana (neue Zeltstange, neuer Sattel für Mo) wurde gut in unser aktuelles sonst soweit funktionierendes Equipment eingefügt. Vielen Dank, dass das mit dem Paket zu gut geklappt hat.
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Die sich informierenden Leser mögen an dieser Stelle ihre Informationsaufnahme beenden, denn es folgen lediglich Eindrücke als Konsequenz des "Zu-viel-Zeit-zum-Denken-habens", mit sehr wenigen Informationen vielleicht zwischen den Zeilen.
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Und wir hatten viel Zeit nachzudenken!
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Doch nach bald fünf Monaten weiß ich nicht was ich noch nicht gedacht habe. Dennoch vergessen wir so viel, nicht zuletzt sämtliche interessante Gedanken die es hier zu schildern lohnen würde. Stattdessen bleiben merkwürdige Überlegungen über, die durch die Erfahrungen unseres Alltags geprägt sind.
Diese Gedanken sind dadurch begünstigt oder vielleicht erst ermöglicht, dass wir viel Wind hatten. Wohl noch mehr Wind als um das kaspische Meer herum, wo uns Geschwindigkeiten jenseits der 15km/h utopisch vorkamen. Doch diesmal kam der Wind von Westen und trieb uns unaufhaltsam in Richtung Altai! Geschwindigkeiten unter 25km/h schienen utopisch!
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Vor wenigen Tagen löste einer falsche Beobachtung (gibt es die?) eine Kette abstruser Gedankenspiele aus und mündete zwei Tage später am Tag 144 im vermeintlichen Beweis:
Wir sahen in der Ferne eine Herde Kamele. Doch je näher wir kamen, mussten wir erkennen, dass denen die Höcker fehlten. Statt derer gab es Euter und Hörner. "Haben die Kasachen also tatsächlich den armen Kamelen die Höcker abgeschnitten!" Schnell fanden wir auch die Ursache für diese Tierquälerei.
Die meisten Autos haben hier kaputte Hupen, denn wie sonst sollten es erklärbar sein, dass wir hier kaum angehupt werden - wissen wir doch aus unseren Erfahrungen aus dem Westen Kasachstans, dass der-Kasache-an-sich gerne hupt (eine alternative Hypothese, die zu Beginn der Reise entwickelt wurde, dass um ein Hupzentrum in der Türkei zur Peripherie hin es zu einem abnehmenden Hupverhaltens kommt, kann aufgrund mangelnder Datengrundlage nicht angenommen werden). Die sehr wahrscheinliche Theorie ist die der "kaputten Hupen". Sie bewirken oder bewirken eben gerade nicht, dass wir zurückgrüßen. Die Abwesenheit der Aufmerksamkeit ist der tiefenpsychologische Stein des Anstoßes der Aggressionen. (Bei dieser Theorie kann uns eine Teilschuld vorgeworfen werden... aber wir können uns nun wahrlich nicht um alle kümmern! Schließlich sollen stets beide Hände am Lenker sein! Alles andere ist unvorsichtig, riskant und gehört strengstens verboten!)
Auch den Kamelküken, mussten wir feststellen, schneiden sie bereits die Höcker ab.
Der ultimativen Beweis dieser Theorie war dann eine Kamelstatue (Achtung, nicht zu verwechseln mit der Kamelstute, die Statue war gegendert) deren Höcker ganz linear abgebrochen waren und wieder aufgesteckt - das ist doch eine provokante Aufforderung zur Tierquälerei!
Achso nebenbei, ich hatte Biologie als Leistungskurs.
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Selbst wenn wir nichts von der WM hätten mitbekommen wollen, nach dem WM-Titel der deutschen Mannschaft wurden wir regelmäßig (nach Beantwortung der Herkommensfrage) beglückwünscht. Vom Gauchoskandal hat hier niemand etwas mitbekommen - andernfalls hätte man uns ja vermehrt wieder mit "Heil Gitler" begrüßen müssen. So gering unser Anteil am erfolgreichen Verlauf der WM war (bis auf den 4:0 Sieg), so ist es mir doch deutlich lieber für einen sonst sympathischen Gaucho-Klose beglückwünscht zu werden, als mit "Heil Gitler" (ich frage mich warum die das erste H hinbekommen, aber nicht das zweite. Andersherum bekäme es eine sehr interessante Konnotation).
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Die Landschaft hat sich für die uns bekannten kasachischen Verhältnisse stark verändert. In erster Linie dadurch, dass wieder vermehrt Gewässer entlang der Fernstraßen existieren, die weder mehr Salz als Wasser noch Erde statt Wasser tragen.
Die Straßenverhältnisse zwischen Kostanay und Astana waren wirklich gut.
Nach Astana entwickelte sich sie Straße wieder zu einem Flickenteppich. Ein Mosaik aus Asphaltstücken. Ein pointilistisches Gemälde, das nur von der Ferne flächig aussieht. Aber lieber ein Teppich haben als gar keinen - wie noch um Atyrau.
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Seit ich wieder ein Ebook habe lese ich deutlich mehr. Damit mein ich über die Tatsache hinaus, dass es sich ohne Ebook und ohne Alternative dazu schwerlich lesen lässt, ich jede "freie" Sekunde unseres stressigen Lebens nutze darin zu "blättern". Ich habe zum Glück via Internet von meinem jüngeren Bruder schnell noch einige Bücher zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen vielen Dank u.a. für deine Spontanität!
Zuletzt habe ich Stephen Hawkins großen Entwurf gelesen - Physik und Quantenphysik. Er schreibt sehr angenehm und stellt komplexe Zusammenhänge und Theorien einfach dar... und ich habe dennoch kaum etwas verstanden. Aber doch habe ich eine Idee der Quantenmechanik verinnerlicht und hier vor Ort wiedergefunden:
Die meiste Zeit suchen wir hier in der Steppe vergeblich einen Mülleimer und da wo es welche gibt (in Dörfern) vergessen wir natürlich unsere Sammlung los zu werden. Vor ähnliche Problemen scheint die Auto fahrende Bevölkerung hier auch zu stehen - anders kann ich mir die vielen inoffiziellen Mülldeponien an sonst perfekten Zeltplätzen mit Wasserlage nicht erklären! Oder doch?
Das Mülleimersystem der Fernstraßen funktioniert so (abgesehen von dem einfachsten Weg Fenster auf, Müll raus, Problem solved), dass alle paar zig Kilometer ein Platz ist, in dessen Mitte ein großer schwarzer Betonbehälter (ähnlich einem defekten schwarzen Loch) steht, in dem der Müll eigentlich abgelagert werden soll. Alle paar Monate oder Jahre kommt dann jemand vorbei und zündet den Spaß an - oder es sind spontane Selbstentzündungen. Je näher man diesem Betonklotz kommt, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit auf Müll zu stoßen. Ist das nicht schon fast Quantentheorie?
Niemand kann sagen wo sich der Müll befindet, aber die Wahrscheinlichkeit ihn in der Nähe des Mülleimers anzutreffen ist sehr hoch - wie ein Elektron (was auch immer das ist).
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass eine Anhäufung von Müll wohl ein Mülleimer ohne Betonklotz ist.
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Doch genug von den wirren Gedanken falscher Verknüpfungen. Fakten sind gefragt!
Tag 144 sollte unser Rekordtag werden. Als wir kurz vor 12 Uhr bereits 50km auf dem Tacho zu stehen hatten (nach nicht mal 2h Fahrt), schienen die 150km als anvisierte persönliche Rekorddistanz greifbar. Doch der Erfolg wurde jäh von einer halbstündigen Mittagspause, einer einstündigen Lesepause und dem Sichten eines wahrlich verlockenden Zeltplatzes unterbrochen. So mussten wir uns mit knapp 110km und wie die letzten Tage auch einem frühen Ende des Radelns um 16 Uhr begnügen - ganz aus versehen haben wir dabei trotz des Windes (der nicht immer perfekt von hinten kam) eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 30,2km/h gehabt - schneller als ich vor einem Jahr mit Rennrad ohne Gepäck an einem Triathlon teilnahm.
Vielleicht hat uns eine Weisheit abgeleitet aus Annie's Theory weitergeholfen: wenn ihr Gegenwind habt, fahrt in die andere Richtung - ist einfacher! In dem Sinne sind wir gerade auf dem Weg nach Hause!
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Jetzt sind wir in Pawlodar, drei Tage vor der russischen Grenze. Mal sehen wie es läuft. Nächster Stop: Barnaul.
Fotos folgen





Freitag, 4. Juli 2014

Von Schlägen in der Sauna und anderen Spaßigkeiten

Kaum hatten wir Orsk verlassen überquerten wir auch schon wieder den Ural und waren wieder in Asien. Grenzen sind doch wahrlichh willkürlich gesetzt. Weder Menschen, noch Landschaft, noch Klima, noch irgendetwas anderes waren backbord oder steuerbord des Urals anders - nicht einmal die ebenso Menschen gemachten Regeln und Gesetze.

Aber bis wir am Tag 115 (Mo, 23.6.) aus Orsk heraus fahren konnten, war noch einiges zu erledigen. Dies wäre ohne die Mithilfe von Vicky, ihrer Mutter, Maxim und einem netten russischen Radlerpaar undenkbar gewesen. Vielen Dank auch für die zum Teil vergebene Mühe!

Der Tag 115 begann spät, da wir abends zuvor bei Maxim einen langen Abend hatten. Maxim, oder wie er sich gerne nennen hört "Maximus", spricht etwas deutsch und beim Rest wird wie gewohnt Zeichensprache und Pantomime zur Hilfe genommen. Er verwirklicht in seinem Garten sukzessive seine Kindheitsträume. Geplant sind noch eine Bowlingbahn auf seiner entstehenden 13m langen Garage und ein Basketballplatz neben dem zu bauenden Swimmingpool, gleich hinter dem Saunahaus. Letzteres steht bereits. Er hat binnen drei Jahren sich eine Dampfsauna mit Whirlpool im Vorraum gebaut. Darin waren wir bei gutem Essen, kühlem Vodka, heißer Sauna und deutscher Rapmusik (Max Musikfavoriten sind Sido und Assad) für gute sechs Stunden und hatten eine Menge tiefsinniger bis weniger tiefsinniger Gespräche. Doch ganz bestimmt erlebten wir einer der besten Abende der Fahrt. Ich meine, wer hat schon mal von einen Deutschland-begeisterten Russen, der sich als halber Deutscher sieht, in Russland etwas über verschiedene Saunavarianten und parallel etwas über die deutsche Rapkultur gelernt? - dennoch bevorzuge ich weiterhin richtige Musik.

Die ersten Saunasitzungen waren finnische Varianten: sitzen und schwitzen - das hatten wir zwarbdie letzten Wochen schon zu genüge, doch war es schön dabei mal nicht strampeln zu müssen.
Dann kam die russische Variante, welche Maximus uns zuvor mit einem grellen Schrei und dem Andeuten von panischen Fingernkratzen an einer Wand, so als wöllte man fliehen, pantomimisch erklärte. Wir waren gespannt und nervös. Bei der russischen Sauna liegt man und wird mit Birkenzweigen ausgepeitscht. Das kurbelt zwar nicht die hiesige Konjunktur, doch aber die Durchblutung des sich-"Entspannenden" an, sodass es irgendwann echt zu schmerzen beginnt - aber kein Schrei kam über unsere Lippen, denn unsere Haut war rot und ein Indianer kennt keinen Schmerz (ist das wieder ein typischer Fall von (positiven) Rassismus?)

Es war auf jeden Fall wohltuend. Denn tagsüber hatten wir eine persönliche Stadtführung. Super interessant, aber auch anstrengend. Vicky hatte Anton, einen Geschichtsstudenten, für uns organisiert. Während eines langen Spaziergangs zeigte er uns die Stadt und deren geschichtliche Hintergründe. Orsk in seinen heutigen Dimensionen stammt wohl aus den Evakuierungsmaßnahmen ganzer Städte und Dörfer der Sowjetsunion in den 1940er Jahren. Orsk pendant ist eine ukrainische Stadt gewesen. Interessant ist auch, dass (die Idee wohl aus dieser Zeit stammend) einige Fabriken in Russland binnen 10 Stunden von ziviler zu militärischer Produktion umgebaut werden können. Anton erklärte uns dies anhand einer Zigarettenfabrik, die in einem ganz bestimmten Durchmesser produziert, der auch für Munition verwendet wird. Es bleibt offen, ob die Soldaten ohne Kippe in der Gusche überhaupt über die Kimme der Flinte gucken wollen.

Jedenfalls war der Tag mit Stadtführung und Sauna so gut, dass wie erst um 2 Uhr völlig erschöpft im Bett lagen. Leider verpasste ich damit das spannende Formel 1 Rennen - aber kein vernünftig denkender Mensch hätte das Rennen der Prügel vorgezogen.

Entsprechend spät begann Tag 115. Ziel war es sich zu registrieren (laut unserem Visa-Reisebüro muss man sich binnen 7 Tagen in Russland melden) und ein Paket mit überflüssigem Kram nach Deutschland zu schicken. Beides war problematischer als gedacht:

Für die Registrierung gingen wir zunächst zu Post, welche diese normalerweise durchführt. Die Angestellten forderten eine Menge Kopien, den Nachweis einer Unterkunft und wiesen uns letztendlich ab!!!! Plötzlich, also nach 30min stellten sie fest, dass sie für solche Registrierung gar nicht zuständig seien, sondern wohl das Migrationsbüro...
nagut - dann wenigstens das Paket abschicken?
Nee das ginge auch nicht!
Dafür müsse man zur Hauptzentrale!!!
Aahhh - hat dieser Postamt überhaupt eine Funktion?

Dieser Informationszugewinn geschah darüber hinaus auf eine unhöfliche und abweisenden Art und Weise mit hohem Desinteresse und ohne Hilfsbereitschaft, sodass wir ohne die Unterstützung von Vicky und Co aufgeschmissen gewesen wären.

Nächste Station war also das Migrationsbüro, wo weitere Unterlagen auszufüllen waren, ehe man sich bei einer der Angestellten, die sich ganz schön dämlich anstellen, anstellen durfte. Zwischendrin erfuhren wir aber von einer privaten Person, dass dieses Amt solche Registrierungen gar nicht durchführe...

Aahhhh!!???

Entnervt wie wir waren und mit viel Verständnis der in der Schlange stehende Personen durften wir uns vordrängeln. Im Zimmer der Beamtin erfuhren wir dann, dass eine Registrierung nur dann notwendig ist, wenn man sich länger als 7 Tage in EINER STADT aufhält... ahhhh!!!

Wir verspürten Freude und Wut zugleich!  War der ganze Stress umsonst? Nur aufgrund einer Fehlinformation haben wir nun eine Handvoll Personen überflüssiger Weise zur Hilfe genötigt? Dafür haben wir und vor allem unsere Helfer einen halben Tag investiert? Es tut uns Leid!

Immerhin war das Abschicken des Pakets für diese Verhältnisse dann im zentralen Postamt problemfrei, nur eben langwierig.

Aber bleiben wir gespannt - bis das Paket in Deutschland ankommt und wir hoffentlich ohne Ärger wieder aus Russland ausgereist sind... (Update: Ausreise ist mittlerweile ohne Registrierung am Tag 123 problemlos erfolgt)

Die ersten Kilometer aus der Stadt Orsk heraus wurden wir von Игорь und Маришка , dem russischen Paar, begleitet. Sie überhäuften uns noch mit kleinen Andenken und wünschten uns am letzten "Орск"-Schild dann viel Glück für die weitere Reise - vielen Dank, war schön euch kennen gelernt zu haben. Viel Spaß auf euren Touren!

Die Fahrt von Orsk nach Troitsk begann mit vielem (Mittags-)Pausen. Wir hatten endlich mal wieder Flüsse, in denen man baden konnte. Nicht viele Möglichkeiten ließen wir aus, aber auch nicht allzu viele trugen genug Wasser um appetitlich zu sein. Doch im Sinne der gleichmäßigen Verteilung (von Dreck) ist die Frage, was nach einem knapp 100km langen Tag mit viel Sonne, dreckiger ist: der Fluss/See oder Mo/Cé?

Neben den vielen Gewässern gibt es hier auch viele Birken. Es mag da vielleicht einen Zusammenhang geben, Biologe bin ich nicht. Definitiv gibt es aber einen Zusammenhang mit dem hohen Vorkommen der Birken und der Tatsache, dass wir ausgerechnet mit Birkenzweigen in der Sauna vermöbelt wurden. Ich bin froh, dass hier das dominierende Grünzeug keine Kakteen sind.

Wenig Wind und eine weitestgehend flache Landschaft ermöglichten uns nahezu in Spazierfahrt an die 100km/Tag zu fahren. Kein Begrenzungspfahl hielt uns auf, lediglich am Tag 119 ein Loch in meinem hinteren Schlauch und kurz darauf folgend ein "Platzer" des selbigen. Dennoch wären wir binnen 6 Tagen in Troitsk. Da wir dort aber in der Nacht vom 30.6. zum 1.7. im Hotel mit Fernsehanschluss sein wollten (zufällig spielte da um 2 Uhr Ortszeit Dtl vs Alg. Die WM wird auch nach dem Ausscheiden der russischen Mannschaft weiter frei empfangbar auf РОССИЯ 1 übertragen - ohne Untertitel), mussten wir einen Ruhetag einlegen. Tag 120 verbrachten wir an einem schönen, großen See. Zwar war es nicht zu heiß, aber dafür hatten wir ein heftiges Nachmittaggewitter und wenig Sonne.
Dann sollte es bis auf knapp 20km vor Troitsk gehen, damit wir am entscheidenden Tag nur noch kurz ins Hotel fahren müssten. Doch dann kam alles ganz anders und noch viel besser!

Wir fanden einen schönen Fluss, am Dorf Санарка und schlugen dort unser Zelt auf. Wenige Minuten später erschien ein Cowboy und war dermaßen fasziniert von der idiotischen Idee mit dem Fahrrad von Deutschland bis hier her zu fahren, dass er uns prompt zum Abendbrot einlud - so dachten wir! Unsere Missverständnisse bzgl Einladungen sind ja bekannt. Ich erinnere nur an den netten Türken, welcher uns noch heute das Frühstück zu den gebrachten drei Eiern schuldet.
Doch diesmal ging das Missverständnis zu unseren Gunsten aus, denn die Gastfreundschaft ging noch viel weiter. Wir erhielten Kost UND Logi!
Einzelzimmer!
Seit langem nächtigten Mo und ich nicht mehr in getrennten Zimmern. Zwar weiterhin nicht mehr als 1m voneinander entfernt, aber doch getrennt von einer Mauer! Toll!
Bevor es aber in das aus unserer Sicht wohl verdiente Bettchen ging, unterhielten wir uns noch ein wenig mit unseren Gastgebern. Dabei kam heraus, dass es unser Plan war für das Deutschlandspiel nach Troitsk ins Hotel zu fahren:
"плохо", Undenkbar! Hotels seien überteuert!
Daher wurden wir eingeladen für zwei Nächte zu bleiben. Dies bedeutete zwar den Verzicht auf Wifi, aber die Möglichkeit die Herzlichkeit von tollen Menschen weiter zu genießen und mit deren Enkeln Lisa und Sascha den freien Tag 122 Ball zu spielen.
Darüber hinaus bot uns der Schwiegersohn, Polizist von Beruf, an dem auf das Deutschlandspiel folgenden Tag, uns über die Grenze nach Kasachstan zu begleiten. Das war uns hinsichtlich des Restrisikos Registration sehr genehm. Zwar musste er dann doch zum Zeitpunkt unseres Übertritts arbeiten, aber das Angebot zeigt, wie hilfsbereit und nett die Menschen hier sind - zumindest uns gegenüber: wir sind ja aber auch süß!

Der Grenzübertritt nach Kasachstan war dann auch ohne fremde Unterstützung problemfrei. Wir erfuhren, dass man sich angeblich nur in Astana registrieren lassen kann. Zwar ist der Wind weiterhin günstig, was uns wieder locker Strecken über 90km erreichen lässt, aber binnen 5 Tagen ist Astana (900km) für uns nicht zu erreichen ist. Kostanay (200km) dagegen schon. Womöglich geht eine Zwischenregistrierung in Kostanay (Kaz), wie uns ein netter Schweizer auf dem Motorrad irgendwo auf den kaputten Straßen zwischen Atyrau und Aktobe berichtete (seinen Blog findet ihr unter http://saghirf.wordpress.com).
So ist unsere aktuelle Position Kostanay! Und zufällig, also tatsächlich zufällig, spielt Deutschland genau in der Nacht, in der wir im Hotel sind - gegen Frankreich! Für wen ich bin?
Für Deutschland natürlich - vielleicht!

Die letzten Wochen lassen sich für die Zeit die wir auf dem Rad saßen als relativ eintönig beschreiben. Wenig abwechslungsreiche Landschaften, gleicher, ja fast selber Tagesablauf. Die größte Abwechslung war sie Musik die wir hörten. Wir kamen dank des günstigen Windes so schnell voran, dass wir genauso viele Zeit Pause machten, wie wir auf dem Rad saßen - spätestens im Altai werden wir uns diese Zeit zurück wünschen.
Gleichzeitig lernten wir in so kurzer Zeit so viele tolle Menschen kennen, dass die Zeit unheimlich schnell vorüber ging. In Aktobe Sergey und Evgenii, in Orsk unter anderem Vicky, Maxim und Kosta, in Sanarka unter anderem Victor, Maxim, Victoria und nicht zuletzt auch Lisa und Sascha.

So kann es gerne weiter gehen...

Wir sind jetzt in Kostanay und werden gleich versuchen uns zu registrieren...

Fotos der letzten Zeit folgen bald!

Samstag, 7. Juni 2014

Ich sitze in der Hitze und schwitze

Die Tage fliegen dahin... bereits Tag 94!
Bald sind wir dreistellig!

Doch ersteinmal etwas Statistik für Gelangweilte im fortgeschrittenen Studium - gemeint sind sowohl Verfasser als Empfänger der folgenden Zeilen.

Wie sieht es mit dem Zeitplan aus?
Klar durch die vielen Veränderungen und zum Teil ungewollten verlängerten Aufenthalte in Samsun und Tiflis - so schön sie auch waren - sind die Pläne längst überholt, dienten sie auch eher als grobe Orientierung und waren nur bezüglich der Visa verbindlicher. Diese verbindlichen Termine einzuhalten ist uns  allen Widrigkeiten zum trotz bisher gelungen, was insbesondere für Kasachstan wichtig war, da uns 2x30 Tage in einem 60 Tagezeitraum zur Verfügung stehen. Zwar sind unsere beiden Aufenthalte in Kasachstan vermutlich nie annähernd an die 30 Tage, aber mit dem kurzen Ausritt über Orsk nach Troitsk in Russland benötigten wir von der ersten Einreise bis zur zweiten Ausreise rund 54 Tage. Da bleibt nicht viel Spielraum. Um so dringlicher war es, dass das "Trampen" durch Aserbaidschan und Dagestan so gut funktioniert hat.

Doch zurück zum Plan!
Astrachan war auf diesem alten Plan noch für den 29.5. vorgesehen. Am 29. verweilten wir aber noch in Tiflis. Nicht weiter dramatisch, da es wie gesagt ein alter Plan war und der neue besagte 3.6. Was ich jedoch am 29.5. in Tiflis verweilend zufällig auf dem veralteten Plan sah, war, dass die Kilometerzahl, die wir zu dem Zeitpunkt erreicht haben sollten exakt mit geleisteten übereinstimmte: 5000!
Nun hatten wir zwar diese Strecke auf einer Kette abgefahren, waren aber noch lange nicht so weit gekommen... hätten wir bis Astrachan die rund 1000km mit dem Fahrrad fahren müssen, hätten wir nicht nur ein kilometertechnisches, sondern daraus resultierend auch ein zeitliches Problem gehabt.
Durch das "Trampen" haben wir jedoch nicht nur Zeit gut gemacht, sondern die verfehlten Kilometer etwas egalisiert. Wir sind in Astrachan bei knapp 5200, also locker unter 10% Verfehlung - also alles wieder easy!

Jetzt sind wieder einige Tage vergangen, seit dem ich den obigen Beitrag verfasst habe. Wir schreiben mittlerweile den 98. Tag. Die Langeweile hat sich verändert. Nicht mehr das Eingekerkert im Auto(bus) sein, sondern die Hitze, der Gegenwind und die ode Landschaft der letzten Tage fordern uns. Um Astrachan herum, bis ca 100km Richtung Atyrau fuhren wir durch ein Fliegengeplagtes Land. Viel Wasser, viele überflutete Graslandschaften und eben viel Hitze und Gegenwind. Selten kamen wir über 15km/h hinaus. Die durchschnittliche Geschwindigkeit liegt bei 13-14km/h und das bei einem Profil, bei dem wir normalerweise über 20 im Schnitt fahren. Bitterer wurde es, dass nach diesen 100km die Gewässer rarer wurden und die letzte Erfrischungsmöglichkeit uns genommen wurde. Weit und breit nichts!

Alles wirkt hier zurückweisend.
Die Straßen sind löchriger als ein schweizer Käse. Bei manchen Löchern konnte man vermuten sie seien Geomorphologischen Ursprungs oder waren bereits beim Straßenbau vorhanden und man hat die Straße einfach um die Löcher gebaut. Ein unten zu sehendes Bild zeigt ein noch relativ enstpanntes Loch, so wie es auch auf deutschen Straßen zu finden sein könnte. Denn Loch ist nicht immer Loch! Mo bevorzugt zum Beispiel die etwas größeren bereits gut ausgefahrenen. Doch wollen wir nicht weiter über die kasachischen Löcher meckern. Da gibt es doch noch so viel anderes:
Die Temperaturen sind bei über 50°C, die Pflanzen sind stachelig, die Leute nur hinter ihrem Autosteuer fröhlich hupend, sonst wenn man sie um Wasser bittet, erhielten wir meist Zurückweisungen. Allerdings spendierte uns ein Mann auch mal einen 5l Kanister Wasser.
Der Wasserverbrauch ist bei uns nach oben geschnellt auf ca. 3-4l pro Person + 2-3l Kochen und Waschen. Auch haben wir nach und nach den Fahrrhythmus verändert. Statt gemütlich aufzustehen und gehen 9-10 loszufahren, sind wir heute um 6 aufgestanden und um 7.30 los. Der Wind war leider auch schon auf, wenn auch noch nicht so stark, aber der Hitze haben wir ein Schnippchen geschlagen. Von 11-16/17 Uhr dann Siesta und dann wird wieder bis 20/21 Uhr gefahren. Letztendlich kommen wir bei dem Rhythmus sogar auf mehr Fahrzeit.

So viel wie ich nun über dieses Land gemeckert habe gibt es doch auch etwas positives. Gestern abend wurden wir in türkischer Manier von einem LKW Fahrer auf einen cay und ein Abendbrot eingeladen. Überrascht von dieser Höflichkeit war es dann nur die Ironie dass er gebürtiger Türke im kasachischen LKW ist. Während unsere Gäume das Mahl genießten, wurden unsere Augen von einem faszinierenden Pferdespektakel verwöhnt. Die letzten Tage sahen wir immer wieder Herden von Wildpferden und fragten uns in Anbetracht unseres Wasserverbrauchs wie die dieses Problem lösten. Der erste Fluss seit über 100km wurde dann zum Sonnenuntergang in regelmäßigen Abständen von Herden zur Abkühlung und zum Trinken genutzt. Dabei zeigten sie eine erstaunliche Ordnung und Disziplin wie ich sie noch tags zuvor bei der hiesigen Bevölkerung beim umlagerten Bankautomaten vermisst habe. Jede Herde blieb nicht länger als nötig, während die kommende sich langsam näherte. Als wir uns vom LKW Fahrer verabschiedeten um unser Zelt aufzuschlagen, kreuzten wir die Pferderoute und brachten die Pferde aus dem Rhythmus. Die unterbrochenen, badenden Pferde kehrten hinter in das wieder ins Wasser zurück und durften ihr Bad beenden, während die folgende Herde im höflichen Abstand an Land wartete - auch ein Umstand der am Bankautomaten nicht vorzufinden wa.

Jetzt sind wir gerade in einem kleinen café, ganz überrascht, dass es hier Wifi gibt. Heute abend schaffen wir es vermutlich noch bis Atyrau - sind nur noch 60km und 55 haben wir schon.

Morgen gilt es sich dann in diesem heißen Land fristgerecht zu registrieren.

Dienstag, 3. Juni 2014

Trampen für Fortgeschrittene

So schnell wie in den letzten Tagen waren wir noch nie!
Wir hatten also hatten also unser Aserbaidschan-Visum in der Tasche! So schnell wieder im Hostel und gepackt hatten wir noch nie! Leider mussten wir abermals Olcay zurücklassen, hatten wir doch irgendwie gehofft gemeinsam fahren zu können. Aber wahrscheinlich ist es besser so. Bereits mit dem Klappfahrrad konnte er mit uns mithalten. Wie sollte es nun mit seinem neuen Fahrrad sein? Da führe er wohl uns davon...
Wir fuhren am selben Tag noch bis rund 20km vor die Grenze, rote Brücke, im Süd-Osten des Landes. Uns erwartete ein herrlicher Sonnenuntergang im Westen und ein anrückendes Gewitter im Südwesten. Es war ein tolles Spektakel, welches wir von einer Anhöhe beobachteten, ehe wir pünktlich zum ersten Regenguss das Zelt weiter im Tal aufgebaut hatten.
Der nächste Tag war dann der schnellste... knapp 600km in nur 10 Stunden inklusive Grenzübertritt. Sowohl die Georgier als auch die Aserbaidschani waren unkompliziert. Wir ernteten zwar wie gewohnt viel Kopfschütteln, lachen (ob auslachen oder freudige Teilnahme wissen wir nicht) und Schulterklopfen für unsere Radreise. Dabei haben gerade in letzter Zeit die Routine und unser Selbstverständnis sowie der Kontakt zu den vielen anderen Reisenden gezeigt, dass unsere "Aktion" eigentlich gar nicht so außergewöhlich/überragend/überwältigend ist, bestenfalls interessant.
den einzigen Hinweis den wir von den aserbaidschanischen Beamten bekamen war, dass wir nur fünf Tage zur Verfügung hätten - lächerlich! Nicht nur, dass wir das schon wussten, sondern auch dass das mehr als genug ist: 500km bis Baku und dann 200km bis zur aserbaidschanisch-russischen Grenze!!!
Für 45 Manaten (ca. 45€) fuhren wir bis Baku in einem abenteuerlichen Mercedes Kleinbus. Dabei war sowohl der Zustand des Autos als auch der des Fahrers in bedenkenswertem Zustand. Beide hatten einen Sprung in der Schüssel! Beim Auto war es die gesprungene Scheibe. Beim Fahrer die Fahrweise - wobei die für aserbaidschanische Verhältnisse noch in Ordnung war.
Trampen mit LKWs schien an dieser Stelle utopisch, da alle LKWs für den Transit verplombt waren (konnten wir in einem 15min Dialog mit einem türkischen Fahrer herausfinden; apropos türkisch: damit kommt man in Aserbaidschan ähnlich weit wie mit russisch oder englisch in Deutschland.)
Die Räder spannten wir mit unseren eigenen Gurten und Stropsen oben auf dem Dach fest und beteten!
Doch tatsächlich kamen wir heile in Baku an. Wir hielten unterwegs öfter an, um an einer der vielen defekten Bankautomaten zu versuchen Geld abzuheben, was uns erst im ca. vierten Versuch gelang. Dies war auch notwendig, da der Fahrer unser Geld benötigte um tanken zu können.
5km vor Ankunft gabelten wir den Chef des Fuhrunternehmens auf, welcher das Steuer übernahm und sofort begann den bisherigen Fahrer wüst zu beschimpfen - vermutlich weil er so lange benötigt hat! 6-7h für 500km auf der Autobahn, welche bestenfalls Landstraßenniveau hatte, zum Teil noch in Bau befindlich und in Deutschland wohl dauerhaft auf 60km/h begrenzt gewesen wäre. Aber die Kritik war vollkommen angebracht, wenn man bedenkt, dass der Chef im Stadtverkehr zur RushHour den gleichen Schnitt hinlegte wie unser Fahrer zuvor auf der "Autobahn".
Gegen 19uhr stiegen wir äußerlich unversehrt aus; so auch die Fahrräder.
Beim Versuch aus Baku wieder hinaus zu finden fiel uns ein, dass wir gar kein Kartenmaterial für Aserbaidschan und den russischen Abschnitt bis Astrachan haben - die Route war ja nicht geplant! Aber es war ja prinzipiell easy: nach Norden, raus aus der sengenden Hitze.
Wir kamen am Busbahnhof vorbei und waren umringt von Taxiangeboten nach Xaçmaz (der nächst größeren Stadt vorn der Grenze zu Russland): für eine deutlich kürzere Strecke wurde der doppelte Preis vom dem verlangt was wir noch bis Baku gezahlt hatten. Irre lachend verschwanden wir am Horizont, der Abenddämmerung entgegen. Es war wie ein Bild aus einem der Lucky Luke Comics, nur auf der Autobahn und der damit verbundenden überholenden LKWs. Nachdem weitere Anfragen zum Trampen nach Xaçmaz ins Leere liefen, schlugen wir in der Dunkelheit unser Zelt 30-40m abseits der Autobahn auf und behielten keine bleibenden Schäden.
Am nächsten Morgen fuhren wir weiter aus der Stadt um unsere Trampchancen zu erhöhen. Tatsächlich hielt nach wenigen Minuten die ersten Autos. Und nach 20min in der Sonne stehen, hatten wir unseren Lift gen Xaçmaz! Ein LKW-Fahrer nahm uns mit, die Fahrräder zwischen Anhänger und Fahrerhäuschen eingeklemmt, meines sogar leider etwas unter letzterem, sodass mein eines Hörnchen durch die Erschütterungen flacher und aerodynamischer geschliffen wurde... und wie es sich für den Einstand ins trampen gehört, mussten wir nicht nur nicht zahlen, sondern wurden sogar noch zum Mittagessen in seinem Stammlokal eingeladen. Er war bzw. wir waren die Hauptattraktion, doch aufgrund seines Wissensvorsprung aus einer Stunde gemeinsamer Fahrt und der Sprachbarriere konnte er am meisten über uns erzählen. Nach der Mittagspause ging es mit ihm weiter. Nur hatte er nun unser Deutsch-Russisch-Wörterbuch in der einen Hand, in der anderen eines von drei Handys, die abwechselnd oder gleichzeitig klingelten und bedient wurden, während er die langsamen LKWs überholte. Im Prinzip das bekannte Bild, nur fühlten wir uns in dem großen Truck sicherer als noch im Mercedesbus.
Die letzten 70km bis kurz vor die Grenze fuhren wir dann einfach mit dem Fahrrad.
So hatten wir binnen zwei Tage das ganze Land durchquert - mit Fahrrad ;)
Der Tag des Grenzübertritts und unserer lang ersehnten Russlandeinreise ist ein Tag voller polizeilicher Machtdemonstration und Machtmissbrauch.
Die Nacht hatten wir auf irgendeinem Feld kurz vor der Grenze verbracht (Karte). Die Autobahn für die letzten Meter entpuppte sich als eine im Bau befindliche Schotterstraße.
Das Land zu verlassen dauerte verhältnismäßig lange und war geprägt von (so aus Sicht eines naiven-das-große-Ganze-nicht-überschauenden Radfahrers) sinnloser Kontrollwut. Die Autos wurden komplett ausgeladen, das Gepäck gescannt, das restliche Auto durchsucht. Unvorstellbar, dass dies vor nicht all zu langer Zeit auch an jeder  innereuropäischen Grenze üblich war. Und das Ganze war so überflüssig! Alle duften am Ende passieren, niemand wurde verhaftet, nichts wurde konfisziert... Doch die Beamten waren nett, es gab das bereits bekannte Schulterklopfen, Kopfschütteln etc. und (wer hatte das gedacht, außer die neuen politischen Rechten im europäischen Parlament): "Rassismus verbindet die Völker" (ein auf einer Radreise befindlicher Politikstudent). Während ich mit unseren Pässen anstand (die Lieblingsbeschäftigung des Tages), scherzte Mo mit dem Obermacker! Er erklärte ihm die geplante Route, unter anderem das Ziel China damit, dass er die Augen zu Schlitzen verzog. Das verstand der Obermacker, lachte und ein Freund war gewonnen
Unsere wehleidige Miene und das freundliches Scherzen brachte uns den gewünschten Erfolg. Das komplette Fahrrad mit Gepäck passte nicht durch den Gepäckscanner. Der Unteroffizier forderte uns auf alles abzuladen und einzeln auf das Band zu legen. Dieses Prozedere hätte uns wohl wieder 30min-1h gekostet. Da kam Mos rassistischer Kumpel, verwies die Unteroffiziere in ihre Schranken, denn er erkannte mit seinem erfahrenen Auge, dass in dem Gepäck von Freunden nichts von Interesse zu finden sein würde und erklärte unser Gepäck für durchsucht!
Wir waren also heil aus Aserbaidschan hinaus genommen, mussten bis dahin nur noch einigen neugierigen Beamten unsere Passport vorzeigen. Die intelligentesten von denen fragten mit dem Passport in der Hand woher wir denn seien!?
Angenommen im Niemandsland gab es kein zurück mehr! Doch leider erklärte uns der erste russische Offizier, dass dieser Grenzübergang nach Russland für Fahrräder verboten sei. Wir waren gefangen im Niemandsland - für 10min. Da nahm uns ein Abschleppwagen mit. Nach etlichen weiteren Passkontrollen und insgesamt 4h, bei denen wir die meiste Zeit einfach sinnlos warteten, waren wir im gelobten Land - zumindest öffnete der letzte Grenzpolizist das Tor genau so auf.
Die ersten Menschen auf die wir trafen unterbreiteten uns ein Angebot für 100$ uns 250km zu fahren. Es folgte unsere bekannte Reaktion, nur dass es noch nicht dämmerte. Wir fuhren, Grenzerfahren wie wir waren, etwas von der Grenze weg, um die Chance auf unverplompte LKWs zu erhöhen. Doch es kam alles ganz anders.
Was nun folgte macht mich in keinster (naja vielleicht ein wenig) Weise glücklich ausgenutzt zu haben. Das Krankenkassen/Privatkassensystem in Deutschland muss dagegen als äußerst gerecht beurteilt werden:
Wir standen 10min an einem idealen Platz zum trampen. Die LKWs zischten an uns vorbei, als plötzlich ein Lada anhielt und ein dicker Mann in rotem Hemd mit schönem Pornobalken ausstieg. Es fehlte nur noch die große Sonnenbrille und er sähe aus wie ein aufgegangener Magnum. Zunächst interessierte er uns nur peripher, da sein kleiner Wagen zu klein für unsere Masse an Gepäck und Fahrrädern war. Doch (unsere Höflichkeit haben wir an anderer Stelle bereits geschildert) erteilten wir ihm die Erlaubnis uns anzusprechen. Es sollte unsere beste Entscheidung an diesem Tag gewesen sein.
Zunächst unterstütze er uns beim anhalten von Autos. Der erste Transporter der anhielt wurde solange bequatscht, bis er uns mitnahm. Der Magnum folgten uns in seinem Lada. Nach 30km endete die Reise - fürs erste... der Magnum enttarnte sich als Straßenpolizist, was ihm wohl den nötigen Respekt verschafft hatte, der Transporterfahrer zu überzeugen uns mitzunehmen. Da leider der Transport nicht weiter fuhr, wies uns der Magnumpoliszist an 10km bis Derbent zu fahren - mit Fahrrad! Ungewöhnliches Gefühl: so langsam, so empfindlich - passt gar nicht zu unserem in denn letzten Stunden abgeguckten befehlendem Verhalten! Wir sollten also mit dem Fahrrad weiter und an der nächsten Polizeistation halten. Gesagt getan! Was eine Polizeistation. Hier in der Gegend Dagestan sind an größeren Kreuzungen stabile Polizeistationen/-festungen deren Bewacher mit großen Gewehren ausgestattet sind. Die Polizisten meinten die Gegend Dagestan sei gefährlich, wegen der hiesigen Menschen; ob sie sich selbst damit meinten?
Wir trafen unseren Magnum wieder und er gab uns Geleitschutz durch den nächsten Tunnel und den folgenden 5km bis zur nächsten bewachten Station. Dort übergab er uns seinen Kollegen und verabschiedete sich. Die Kollegen hatten die Aufgabe unseren nächsten Lift zu organisieren. Mit Schlagstock, Trillerpfeife und Gewehr ausgerüstet hielten sie einen Transporter an. Wir hatten ein schlechtes Gewissen: sollten nun die Bürger gezwungen werden uns mitzunehmen? Der Transporter war voll.
Als nächstes hielten sie einen Reisebus an. Die Fahrer wurden "überredet" uns mit zunehmen - kostenlos!
Mit Sicherheit sind die Menschen hier gefährlich! Wir kennen bei der polizeilichen Willkür hier auch den Grund dafür; es ware verwunderlich, wenn man da nicht gefährlich werden würde! Doch was beschwere ich mich? Es war doch für einen guten Zweck - für uns!
Ja wäre die Polizei in Deutschland mal so hilfsbereit wie hier!!! Aber dafür müssten sie Regeln brechen, die es hier gar nicht zu geben scheint. Angehalten wurden nicht die Autos mit waghalsigen Manövern direkt vor der Polizeistation, sondern nach gut dünken Freunde zum Scherz, Feinde aus Schikane!
Aber wie gesagt, ohne polizeiliche Mithilfe hätten wir wohl nicht so schnell und so unkompliziert einen "freiwilligen" (James T. Kirk) Lift bekommen. Gepäck nach unten, Fahrräder in den Innenraum im Gang und ab ging die Post! Die Fahrweise war die bekannte: Überholvorgang auf der Landstraße ist easy, eine Hand am Handy, eine am Schaltknüppel, eine... Moment ein Mensch hat doch nur zwei Hände...
Immer wieder über die unwirkliche Situation lachend fuhren wir gen Norden. In Makhachkan gab es einen Zwischenstopp, die Passagiere wurden gewechselt, der Fahrer und die Fahrweise dagegen nicht, die Räder kamen nun auch nach unten zum Gepäck. War wohl doch zu gefährlich oben. Dies haben die Fahrer gemerkt, als bei einer Vollbremsung irgendein riesen metallener Anlasser nach vorne rollte/flog.
Wir klärten, dass wir nicht bis mach Sotschi (dem Reiseziel) oder Grozny mitfahren wollten, sondern nur bis Khasavyurt. Wobei Sotschi wohl auch reizvoll gewesen wäre...
Die Nacht verbrachten wir dann direkt an der Straße. Das Zelt im Dunkeln gegen Mitternacht aufgebaut. Am nächsten Morgen ging es erst einmal darum, die Schäden des vorherigen Tages zu beseitigen. Ich hatte einen Schutzblechschaden und Mo hatte im Dunkeln ein Schlagloch übersehen und musste nun die 8 wieder raus bekommen. Wir kamen daher erst gegen 12 los. Wild entschlossen, nun selbst zu trampen und den Polizeistaat nicht auszunutzen, sprach uns der Tankwarter an und meinte wir sollten doch lieber ein Stück zurück und die Polizei bitten, uns die Autos anzuhalten. Angesichts des starken Windes und der scheinbaren Legalität des Polizeitrampings taten wir wie geheißen!
Man organisierte uns abermals einen Reisebus, der uns zu einem 300km näher gelegenen Posten brachte, wo wir an die nächsten Innerrussischen Grenzbeamten übergeben wurden. Die organisierten uns dann ein Auto aus Bulgarien, welches seit vier Tagen unterwegs aus Varna war - auf den Weg nach Astana... ganz bis dorthin wollten wir nun nicht, auch wenn es verlockend war. Aber sie brachten uns bis 30km vor Astrachan. Da wir uns verfahren hatten kamen wir erst un 2:00 nachts an und bauten abermals im Dustern das Zelt auf - unter einem phantastischen Sternenhimmel!
Die Nacht war wieder windig - kaspische Meerwinde, so sagte man uns, scheinbar normaler Zustand! Am nächsten morgen kurz bevor wir uns daran machten, das Zelt abzubauen, gab eine der Zeltstangen unter der Last des Windes nach. In Astrachan müssen wir also Reparaturen organisieren. Wir gaben auf dem Weg dorthin auch dem Wind nach, da wir die letzten 30km nicht mit 10km/h fahren wollten und hatten Glück, dass wir mit einem selbst organisierten Transporter ins Stadtzentrum mitgenommen wurden.
Jetzt konnten wit das erste Mal wieder Geld abheben und hatten sofort freien Wifi-Empfang. Die Chance wird natürlich gleich genutzt, euch auf den neusten Stand zu bringen. 
Achso: das bedeute, wir haben es 1 Tag vor Beginn des Kasachstan Visums tatsächlich kurz vor die Grenze geschafft!!! Yuhuuu!!!
Fotos müssen leider warten, bis wir mehr Zeit haben. Aber ein Foto vom Handy darf euch nicht vorenthalten werden.
Der Ausgemusterte und der Kriegsdienstverweigerer ganz gierig am Gewehr!

Donnerstag, 29. Mai 2014

AZ Visa - liveticker

9:20
+++ Till verabschiedet. Er versucht Aigers auf dem Weg nach Yerevan einzuholen +++

10:00
+++ An der Botschaft!
Der Andrang ist wieder größer, die Masse hysterischer; Olcay ist da. +++

10:05
+++ die Masse von Security lässt die erste Person eintreten +++

10:06
+++ die Masse wird aufdringlicher. Nicht nur die Sonne wärmt, sondern auch die Nähe zu den haarigen LKW - Fahrern +++

10:08
+++ ist es ein Aufnahmekriterium als LKW-Fahrer dick und haarig zu sein, eine Folge des Berufs oder haben sich nur dicke und haarige LKW-Fahrer hier eingefunden? +++

10:09
+++ Olcay darf eintreten! Gibt seine vorbereiteten Visaunterlagen ab! +++

10:10
+++ Olcay kommt wieder heraus - unverletzt! Darf am Montag alles abholen. GMT!? +++

10:15
+++ wir dürfen eintreten! Die nette Frau mit dem Metalldedektor kennt uns, wir kennen das Prozeder: Handy aus, alles metallische auf den Tisch legen und dann... was? Sie lässt uns ohne zu scannen passieren. Als nächstes gehen wir noch mit ihr Abendessen? Die Uniform steht ihr! +++

10:17
+++ ohne Visum verlassen wir das Gebäude. Um 14 Uhr sollen wir eine Nummer anrufen, die nach Aussagen schwedischer Mitleidender stets besetzt ist. Dann erfahren wir ob die Visa abholbereit sind oder nicht. +++

10:18
+++ Nummer notiert; Entscheidung getroffen: 16 Uhr gehen wir in jedem Fall hin +++

11:00
+++ mit Olcay kommen wir in unserem Hostel an. Er wird hier einziehen. Mal sehen ob wir auch bleiben müssen? Das Zimmer ist groß genug. Wir haben optimistisch wie wir sind fertig gepackt! +++

12:00
+++ noch 2 h Langeweile bis zum Telefonat. Weiß jetzt wie das ist, wenn bei einem Fußballspiel nichts passiert und die Live-Ticker-Schreiber dennoch etwas schreiben - die machen das aus reiner Langeweile! Hier scheint die Sonne. In Deutschland wohl nicht überall - wir wünschen euch allen dennoch einen schönen Feiertag. +++

13:45
+++ die Geschichte mit dem Plätzen wiederholt sich. Entweder ist Mo inkompetent oder der Schlauch ist hinüber. Gestern erster, zweiter und dritter Platten. Heute morgen vor Abfahrt repariert. Jetzt gerade erneut reparieren müssen! +++

13:59
+++ gleich wird angerufen +++

14:16
+++ AFFEN!!! Die Schweden hatten recht. Man wird durchgestellt und dann wird die Verbindung unterbrochen! Also 16:00 wir kommen! +++

15:11
+++ Hunger! Ein mir nicht unbekanntes Gefühl. Lösung wird Moritz jetzt vorgeschlagen! Wir holen uns hier meist beim Bäcker was zu. Essen ist fettig und salzig! +++

15.40
+++ Tee trinken gegen die Nervosität! Hilft da Schwarztee? +++

15.47
+++ hat nicht geholfen. Nervös, voller Vorfreude und bereit für die Enttäuschung wollen wir los! Mos Hinterreifen sieht verdammt platt aus! Diät verschreiben? +++

16:00
+++ die alte bekannte Masse. Wir haben einige neue Freunde gefunden. Ist es Rassismus, dass dies alles englischsprachige Europäer sind - keine Türken? +++

16:10
+++ ein Holländer darf rein +++

16.11
+++ ein Kanadier darf rein; der Holländer kommt enttäuscht heraus. +++

16.12
+++ der Kanadier kommt enttäuscht heraus; der Holländer fährt mit seinem Motorrad davon und schreit etwas von Planänderung; er fährt halt in die Türkei! +++

16.13
+++ der Kanadier wird über die Sprechanlage nochmals herein gerufen! Alles nur ein Scherz? + + +

16:15
+++ Einlass auch für uns. An der hübschen Frau vorbei (die arme steht nun in der prallen Sonne; ob man ihr ein Eis anbieten darf? Sie sieht nicht freundlich genug dafür aus, als dass man es riskieren sollte; viel zu pflichtbewusst)
+ + +

16.16
+++ drinnen warten eine Menge Menschen. Wir sehen den Kanadier! Die Visa müssen gleich da sein.
+++

16.17
+++ die Schweden treten ein +++

16.35
+++ die Schweden kriegen ihre visa! Wir waren doch zuerst da! Nur weil wir deutsche sind! Das ist doch unfair! +++

16.40
+++ lauter Türken kriegen beim reinkommen gleich ihr Visum ausgehändigt. Der Kanadier kriegt sein Visum!!! Aber wir sind deutsche! Warum kriegt der Kanadier und wir nicht... +++

16.59
+++ ja!!!! Wir haben unsere Visa!!!
Auf nach Hause packen und ab die post gen Grenze. Morgen rein da und dann auf zur nächsten Grenze per Bus oder per Anhalter!!! +++

17.01
+++ Mo hat einen Platten +++

17.30
+++ platten repariert +++

Das Spiel ist aus ein neues beginnt. Bis bald an gleicher Stelle!

Mittwoch, 28. Mai 2014

In Tiflis - Dreh- und Angelpunkt

Ich habe mich bei der Formulierung des Titels zunächst verschrieben. Warum hat die Autokorrelationsfunktion bei der Eingabe "in Tiflis" mir zunächst "unnötig" vorgeschlagen? Fungiert die Technik doch als eine höhere Macht? Dabei ist der Stop hier vielleicht nicht planmäßig, aber hier haben wir tolle Menschen kennengelernt und wieder getroffen.

Tiflis scheint nach Trabzon der nächste Dreh- und Angelpunkt sämtlicher Reisender dieser Welt zu sein (nur will niemand nach Kasachstan oder in die Mongolei - gibt es da einen Grund? Die meisten drehen hier gen Süden ab, gen Iran/Indien)

Die ersten zwei Nächte in Tiflis sind wir in einer WG untergekommen, wo Aigers und Till nächtigten. Moritz und ich konnten aber nicht länger bleiben und haben uns daher ein Hostel gesucht. Wichtigstes Auswahlkriterium war der Preis. Die Suche nach dem Hostel erfolgte am Montag nach dem ersten, ernüchternden Besuch bei der Botschaft. Vor einer der Hostels die wir miteinander vergleichen wollten, trafen wir Pavel, Manuel und Norbert - drei Radler aus Deutschland, die zum Teil die gleiche Strecke gefahren sind wie wir. Zuletzt den erschöpfenden Teil durch die Türkei.
Die ersten beiden sind am 1.4. in Deutschland gestartet und durch Osteuropa ähnlich herum geirrt wie wir; nur schneller. Deren Ziel ist Indien. Unter www.staubspuren.de könnt ihr sie weiter verfolgen. Norbert haben sie unterwegs in der Türkei irgendwo getroffen. Er möchte zunächst ähnlich wie wir über Russland nach Kasachstan einreisen, mit den Fernziel Fernost Asien. Geplant ist ähnlich wie Olcay der Weg südlich aus Kasachstan raus. Ursprünglich wollte Norbert wohl auch durch den Kaukasus, aber auch ihm machte der Erdrutsch einen Strich durch die Rechnung.

Doch ehe wir sie gestern zum Abendbrot besser kennen lernen konnten, hatten wir den Abend zuvor, nachdem wir unser billiges (nicht nur günstig) Hostel bezogen hatten einen schönen Abend mit Till, Aigers, Julia, Mark und Jana. Drei Radreisende, zwei Wanderer/Anhalter.

Es war ein langer und schöner Abend mit interessanten Biographien und tollen Gesprächen. Es ist faszinierend mit welchen unterschiedlichen Intentionen die verschiedenen Menschen unterwegs sind und gleichzeitig aber alle irgendwie einen gemeinsamen Nenner haben, der über das Reisen hinaus geht. Spannend ist auch, dass in dieser Gruppe die in weiten Teilen der Welt diskriminierte Minderheit von Vegetariern in dieser Runde plötzlich die Mehrheit stellte - also ich war der einzige normale! Aber prinzipiell sind ja alle Außenseiter außer mir.

Aber apropos Olcay! Er ist wohl gestern gut in Tiflis angekommen. Hatte unterwegs, wenn wir es richtig verstanden haben, wohl bereits zwei Speichenbrüche an seinem neuen Fahrrad, aber lest selbst: http://seyrupedal.com oder bei Facebook: https://facebook.com/seyrupedal

Wir hatten auch unseren ersten Speichenbruch! Irgendwann am Sonntag an Mos Hinterrad. Konnten es gestern hier reparieren lassen. Dabei haben wir zum wiederholten Male die GMT kennengelernt: Georgian Maybe Time! Alles geht, nichts muss und auf keinen Fall zum vereinbarten Zeitpunkt. Wir waren gegen 12 dort und haben alles geklärt. Der Typ sagte, dass wir die Räder dann so in 2 Stunden wieder abholen könnten - halt so gegen 16Uhr!!!

Fatal wenn es dringend ist! Doch frei von jedem Zeitdruck haben wir die Wartezeit mit Julia, der Schwedin (https://www.facebook.com/events/552485031471328/?source=3&source_newsfeed_story_type=regular) im Park gesessen und unter anderem einer kleinen Widerstandsgruppe gegen den Bau eines Hotels mitten im Park beigewohnt. Die campieren dort und halten 24h Wache, dass der Bau nicht fortgeführt werden kann. https://facebook.com/Tbilisitrees

Heute haben wir dann Aigers verabschiedet. Er ist nun weiter auf dem Weg nach Yerevan: http://lauzis-ontheroad.tumblr.com/
Ebenfalls Tiflis verlassen haben Mark und Jana, die Wanderer und Anhalter. Mark, Britte, wandert seit über einem Jahr durch  die Gegend und hat in Deutschland Jana kennengelernt. Seit dem reisen sie zu zweit weiter (http://dierumtreiberin.wordpress.com/)

Bei herrlichem Sonnenschein haben wir dann den Nachmittag im botanischen Garten verbracht und die Zeit genutzt diese paar Zeilen anzufertigen.
Der botanische Garten ist wirklich schön. Zwar wenig farbenfroh aber mit vielen Schatten spendenden Bäumen. Es wäre hier zu mühsam alle Baumarten aufzuzählen; ich wüsste auch gar nicht ob ich dies in latein, altgriechisch, in der botanischen Bezeichnung oder allgemeinverständlich machen sollte. Aber was die meisten gemein hatten war, dass die Blätter grün waren!
Im Herzen des Parks war ein schöner Wasserfall!

Heute abend treffen wir dann endlich Olcay und sind gespannt was er zu erzählen hat!

Dienstag, 27. Mai 2014

Zwischen den Feiertagen auf dem Weg zum Visum

Zu feiern ist uns nicht zumute.

Gestern war der georgische Nationalfeiertag und wir haben ihn nur peripher wahrgenommen.
Zu sehr waren wir damit beschäftigt an der Botschaft anzustehen, den äußerst wichtig aussehenden, korpulenten, aber nicht im Rahmen unseres Budgets korrupten Securitytypen anzustarren. Aber im Grunde genommen war seine Aufgabe notwendig. Denn eine hysterische Masse von Visa-Empfangs-Aspiranten drängelte sich so dicht an den Bauch des Securitymannes, dass dieser ganz verlegen ob dieser offenen Zuneigung, allesamt auf 1m Abstand halten musste und per Fingerzeig Einlass gewährte: sonst hätte es beim Beamten im Büro Chaos gegeben. Als wir letzten Endes auch durch das Tor schreiten durften, an der hübschen Frau vorbei, die uns nach metallenen Gegenständen untersuchte (leider mit einem Detektor) und dann vor dem großen Caesar der aserbaidschanischen Visa standen, kam die Ernüchterung. Zwar könne man alles ausfüllen (und mit Passfoto ausgestattet waren wir auch gut vorbereitet) doch würden die kein Finger rühren, ehe nicht Geld eingezahlt wurde! Cash! Bei einer Bank im Zentrum! Die gestern geschlossen hatte!!!
Also musste die Abgabe des Visaantrags auf heute Vormittag verschoben werden. Nachdem wir in US-Dollar zahlen sollten und dann doch lieber in Lari, bekamen wir die benötigte Empfangsbestätigung und konnten wieder zur Botschaft. In deutlich zivilisierterer, aber nicht attraktiver Masse warteten wir erneut vor dem selben Securitybauch und dem selben Tor.
Abgeben konnten wir alles. Ob es soweit in Ordnung war, erfahren wir - nicht vor Donnerstag! Denn morgen hat zwar die Bank geöffnet, nicht jedoch die Botschaft.
Also geht das Warten weiter. Bald würde es sich lohnen durch den Kaukasus zu fahren. Soll schön sein da...

Wenn wir das aserbaidschanische Visum aber tatsächlich erhalten sollten, dann können wir dennoch nicht problemlos nach Baku mit dem Zug fahren. Dies haben wir im Laufe des gestrigen Tages heraus bekommen! No bycicle in the train!!!
Es gibt wohl einen direkt-Bus nach Baku - am Montag! Zu spät!
Alternativ gibt es georgische Busse die an die Grenze fahren und von dort aserbaidschanische Busse die uns nach Baku bringen können. In umständlichen Gesprächen und mit viel Hilfe von englisch sprechenden Jugendlichen konnten wir herausbekommen, dass jeden Morgen um 9 wohl ein Bus fährt, der uns samt Fahrräder an die Grenze bringen könnte.
Zum Transportwesen in Aserbaidschan liegen uns keine weiteren Informationen bzgl Fahrräder vor! Aber sollten wir an der Grenze stranden, bleiben uns 5 Tage um das Land wieder zu verlassen und da wird sich wohl irgendwann ein LKW Fahrer erbarmen und uns mitnehmen... 

Zusammengefasst:
Visabeschaffung
- Gestern Unterlagen geholt, nicht abgeben können, weil Bank zum bezahlen wegen georgischen Feiertag zu. Kosten 20USD pro Nase für Transitvisum (71,50 georgische Lari)
- Heute bezahlt und abgegeben.
- Morgen nicht abzuholen wegen aserbaidschanischen Nationalfeiertag...
- dauert wohl üblicher Weise 24h, aber kann bis zu 1-3 Tagen dauern.

Weiterreise
- Donnerstag Visum abholen
- Do/Freitag Richtung Baku....
- Keine Fahrräder im Zug, so müssen wir die dolmush (kleinen Busse) zur georgisch-aserbaidachanischen Grenze nehmen. Dort dann hoffen und schauen, ob uns jemand von dort nach Baku oder zur aserbaidschanisch-russischen Grenze mitnimmt. Evtl mit bus. Aber da haben wir keine Info, ob die uns mit Fahrrädern mitnehmen werden. Notfalls trampen.

Samstag, 24. Mai 2014

Tiflis oder wie geht's weiter mit der Städtereise

Also wir haben es nach Tiflis geschafft! Es kam auch wieder die Sonne heraus. Jetzt haben wir in Tiflis wieder alte Bekannte getroffen.
Till, mit dem wir in der Türkei von Samsun nach Trabzon gefahren sind.
Aiger, ein Lette mit dem wir aus Trabzon zusammen aufgebrochen sind.
Julia, eine Schwedin, die wir über Till kennen gelernt haben.
Diese drei reisen seit Batumi zusammen in Richtung Iran. In Batumi haben wir uns auch herzlich von denen verabschiedet, weil die ja über Tiflis gen Süden wollten und wir bekanntlich nördlich über den Kaukasus.
Nun treffen wir sie erneut. Wie klein die Radlerwelt ist.
Sie erscheint noch kleiner, wenn man bedenkt, dass wir wohl Olcay am Dienstag hier treffen werden.
Olcay war der Türke, der mit Klapprad und Anhänger gen Osten fahren wollte. Auch mit ihm sind wir in Samsun aufgebrochen. Nachdem sein Hänger einen Abgang machte und er einen Sponsor in Trabzon für ein neues Fahrrad gefunden hatte, dürfte seine Reise etwas einfacher sein.
Ursprünglich dachten wir, ihn in Sotchi zu treffen. Da aber bekanntlich keine Fähre für uns da war und auch er vergeblich in Trabzon auf die Fähre nach Sotchi wartete, beschloss er, uns auf dem Landweg zu folgen. Nach unseren Erfahrungen hat er sich umentschieden und kommt mit nach Aserbaidschan.
Jetzt bleiben wir die nächsten Tage hier in Tiflis. Am Montag versuchen wir, das Visum zu beantragen, was wohl nicht klappen wird, da hier der Tag der Unabhängigkeit gefeiert wird. Versuchen werden wir es dennoch.
Interessant war, dass uns heute auf der Abfahrt ein älteres französisches Ehepaar im Wohnmobil entgegenkam. Sie wollten wissen, ob die Grenze nach Russland offen sei. Als wir verneinten und die alternative Route über Aserbaidschan empfahlen, drehten sie um und werden das gleiche versuchen.

Freitag, 9. Mai 2014

Von Komfort zu komfort

So, heute verlassen wir das Wohnheim Biltepe um vermutlich eine Nacht im Zelt zu verbringen, ehe wir in Batumi wieder im Hostel unterkommen werden. Es sind 200km bis dahin und wir planen 2 Tage zu fahren, kommen aber erst gegen 12 Uhr los, da wir zusammen mit einem Letten fahren wollen, der erst dann los kommt, da er noch einen Vortag in der Uni hier hält (http://lauzis-ontheroad.tumblr.com/). Wir lernten ihn gestern kennen, als er im Stadtzentrum mit seiner Trommel saß (und darauf trommelte) und sich so etwas Geld verdiente - vielleicht ist das auch ein Konzept für uns...
Wie freuen uns ihn nun etwas besser kennen zu lernen, leider lassen wir Olcay und Till zurück. Till sehen wir wohl erst irgendwann in Deutschland wieder. Er hat gestern innerhalb von 5h sein Iran Visum beantragt und erhalten. Olcay treffen wir evtl. in Sotchi wieder. Er setzt sobald er sein Fahrrad hat von Trabzon dahin über.

Donnerstag, 8. Mai 2014

The good live with the Visa


So ,where to start... first things first ,we have our russian and the kasachian visa. They arrived in Samsun after 5 long days of waiting and we were free to continue our trip with our new travel companions Till and Olcay. The first day after Samsun we camped right at the beach of the black sea which turned out to be a meeting place for the local people for drinking ,music and dancing. We were already preparing for a long night full of turkish music and Efes beer, but they left early and we were alone again.
The next day ,we continued on the d10 along the coast and made good progress towards Trabzon, since it was mostly flat. That night we found a beautiful camping spot right by the sea in a garden of a summer home. the only problem was that Olcay broke his trailer, going through the ditch to cross the road. The people there were Very nice there and even fixed the trailer. The next morning after 200 m of riding Olcays gears broke. We tried to fix it but after I hab my turn ot was completely borken and we had to leave him behind. With a bad concience we rode on to meet an english teacher, Till contaced via couchsurfing ,she organised a sleeping place for us in a garden pavillion of a restaurant so we didnt have to set up our tents. In the evening we met Samy. He is a real funny guy, 23 years in germany now back in turkey he was happy to talk german and we shared some Raki at the beach by a fire fueled by plastic boxes ans some wood. It doesnt even smell that bad and they burn extremely well, just as a little tip to all the outdoor enthusiasts!
The next morning we had an amazing turkish breakfast with the family of a friend of Aische ,the english teacher.
In pouring rain we continued our joirney to Trabzon and arrived there to meet our contact who would later organize a sleeping place for us withe help of half of the Trabzon University students. Its amazing how uncomplicated and hospitable the people here are.
The next day we met Olcay to our surprise. He had the bike fixed and must have sprinted all the way to catch up with us. He also organized a sleeping place in a dormatory (which has a climbing wall!!!) for us where we met a lot of good people and experienced firsthand that there is not a big difference between the german: "tonight we are gonna dring a few beers" and the turkieh equivalent. Somehow we have a headache today ,it must be the air here in Trabzon.
tomorrow we will continue our trip with a Lithuan biker we met in the Trabzon city park ,playing on a drum.
As you might have noticed, this is our first blog post in english. Since we met a lot of people on the road so far and most of them were not fluent in german ,we decided that we write in english aswell as in german. The posts will not be the same ,Cedric will continue to write in german.

Auf dem Weg nach Trabzon oder wie ein Türke sächselt

So lieb, wie uns Samsun hatte, wollte es uns nicht gehen lassen und das obwohl die Visa früher (10.30 Uhr) als angekündigt (13 Uhr) da waren.
Zunächst kam der FedEx-Bote mit einem Päckchen für uns, doch nicht mit den Visa! Während wir versuchten eine Telefonnummer von FedEx bzw. dem dort zuständigen Partnerunternehmen herauszufinden um zu erfahren, wo denn der Brief mit den Visa sein könnte, kam der Hotelbesitzer, welcher sein fehlendes Englisch mit aggressiver Hilfsbereitschaft kompensierte, mit der Information, dass ein Brief an der Rezeption gegen eine Unterschrift auf uns wartete. Es waren die Visa, sogar für die richtigen Länder.
Wir konnten also endlich los!!!
Till und Olcay wurden schnell benachrichtigt und ab ging die Post (12.30)! Für 2km...
Dann hielten wir beim Vorsitzenden des Radclub Samsun, welcher Geburtstag hatte und vor vier Tagen seinen eigenen Rennradladen eröffnet hatte. Doch diese kurz für 1 Stunde eingelegte Pause sollte unsere gute Stimmung nicht Einhalt gebieten können.
Es konnte ja endlich weiter gehen!!!
Als wir weiter wollten fiel uns auf, dass wir den Ersatzmantel im Hotel liegen gelassen hatten. Während Till und Olcay, mit seinem Klapprad samt Anhänger yavas weiter fuhren, kehrten wir um. Stets gut gelaunt, denn es ging ja weiter, wenn auch kurz zurück.
Wir holten Till und Olcay ein, denn die Küstenstraße waren weiterhin so wie sie zu sein hat: düz. So kamen wir schnell voran und egalisierten den späten Aufbruch. Wir campierten dann direkt am Strand. Am frühen Abend umgeben von einigen Autos, welche wiederum je umgeben waren von drei bis vier Türken, die zu lauter Musik tanzten und tranken, doch zum Glück gegen 20uhr den Ort uns alleine überließen.
Am zweiten Tag ging es weiter schnell voran. Der doppelte Windschatten ist sehr gut zu spüren. Olcay fuhr stets an vierter Stelle, da niemand hinter seinem Anhänger vergeblich auf Windschatten warten wollte. Knapp 100 km konnten wir hinter uns bringen. Kurz hinter Ordu suchten wir ein Plätzchen zum campieren. Um etwas am Meer zu finden, mussten wir die Straßenseite wechseln und den die Fahrbahnen trennenden "Graben" durchqueren. Für normale Fahrräder kein Problem - Olcay hat es die Aufhängung seines Anhängers gekostet. Mehr Informationen erhaltet ihr auf seinem Blog (auf türkisch) http://seyrupedal.com/
Oder bei facebook.
Provisorisch konnten wir die Bruchstelle flicken. Die Wochenendbewohner des Gartens in dem wir netter Weise unser Zelt aufschlagen durften stellten uns Draht um die Aufhängung etwas besser zu fixieren.
Doch ein Unglück, welches sich noch als schicksalhafte Glück entpuppen sollte, kommt selten allein. Am nächsten Morgen, mit den zwei Zielen
1) Ototamir zum Schweißen der Bruchstelle aufzusuchen und
2) Bisekdüzü zu erreichen, wo wir auf eine türkische Englischlehrerin treffen wollten.
wurden wir nach 200m jäh gestoppt. Die Kettenschaltung von Olcay hatte sich wohl bei den Reparaturarbeiten leicht verbogen und ist dadurch in die Speichen gekommen. Das Ergebnis davon war die Steigerung von leicht verbogen zu stark gebogen. Es war vor Ort nicht zu reparieren. Zunächst wussten wir auch nicht genau, wo das Problem lag, aber die Überlegungen wurden dadurch erleichtert, dass Mo das verbogene Metallstück beim gerade biegen letzten Endes in der Hand hielt.
Schlechten Gewissens mussten wir Olcay zurücklassen. Er wollte zurück und in Ordu sein Rad reparieren lassen. Das angekündigte Glück war nicht, dass er nicht mehr mit uns mitreisen musste - Geduld ich sag es gleich!
In Bisekdüzü trafen wir auf zwei herzliche Türken, u.a. der Lehrerin, mit denen wir viel reden und lachen konnten. Gerade als wir uns verabschieden wollten und die Uhrzeit für das gemeinsame Frühstück klärten (ganz auf Englisch und ohne Missverständnisse), trafen wir auf drei weitere Türken, von denen einer in Hamburg aufgewachsen ist. Die anderen beiden kannten Ausländer wohl nur aus dem Fernsehen und luden uns zu einer kleinen Flasche Raki am Strand ein - und wir willigten ein: Wir wollten ja nicht unhöflich sein!
Also schnell zwei Plastikkisten und drei Holzkisten geschnappt, nicht zum Sitzen, sondern um ein kleines Feuer zu machen! Plastik brennt überraschend gut! Man sollte mal darüber nachdenken, von Kohlekraftwerken auf Plastikkraftwerke umzusteigen. Das entsprechende Material findet man zu genüge auf sen Straßen.
... und dann fing Sammi, der Deutsch-Türke, an zu reden. Nicht nur das Redetempo und die Geschichten waren sehr unterhaltsam, sondern auch der schnelle Wechsel zwischen den verschiedensten Dialekten: Bayrisch, schwäbisch, sächsisch und platt hätten Eingeborene nicht besser sprechen können. Insofern sehr erstaunlich, weil wir bereits auf viele Türken getroffen sind, die lange Zeit in Deutschland gelebt haben und schlechter deutsch sprechen, als wir türkisch - und das wo unser Vokabular sich auf unter 40 Wörter beläuft (+die Zahlen bis 39 sowie 50-59, 100 und 1000)
Ob Sammi tatsächlich einfach glücklich war seine Jugendsprache wieder gehört zu haben oder vielleicht dass das eine oder andere Bier, welches er vor unserem Kennenlernen getrunken hatte, ihn emotional werden ließ, es gab in jedem Fall eine sehr herzliche Verabschiedung.
Der nächste Morgen hielt ein köstliches türkisches Frühstück mit Meneme und Brennnesselpüree für uns bereit. Die Unterhaltung mit der türkischen Englischlehrerin ließen unsere Neugierde für den Englischunterricht steigen. So beschlossen wir die Abfahrt nach Trabzon auf den Nachmittag zu verschieben, wenn es richtig regnen sollte, und dem Englischunterricht beizuwohnen.
Es war erschreckend! Die 11. Klasse in einer Art Leistungskurs mit 10 Stunden pro Woche seit der 5. Klasse konnte sehr schlecht englisch sprechen. Die Grundkursschüler mit 4 Stunden im Prinzip gar nicht. Aber es war interessant eine türkische Schule mal von Innen zu sehen.
Als der Regen am späten Nachmittag dann seinen Höhepunkt erreichte sind wir flink und klitschnass dir restlichen 50km bis Trabzon gefahren. Dort wurde es uns mit großem Organisationsaufwand und der viel Hilfsbereitschaft sämtlicher türkischer Studenten in Trabzon ermöglicht in einer siebener WG unterzukommen. Es ist sehr beeindruckend wie unproblematisch jemand sein Zimmer drei fremden Deutschen überlässt, nur weil eine Freundin die diese drei Deutschen ebenfalls nicht kennt ihn darin bittet.
Wir durften im gleichen Zuge erfahren, dass Olcay die 150km von Ordu nach Trabzon ebenfalls mit repariertem Rad zurückgelegt hatte und in Trabzon angekommen ist. Als wir ihn am nächsten Morgen zum Frühstück trafen, erzählte er von seinem Glück: die Reparatur nahm nicht viel Zeit in Anspruch und durch mehrere Telefonate (er ist ausgesprochen gut vernetzt) fand er einen Freund, der ihm ein neues Fahrrad sponsert. Dies erwartet er nun in Trabzon.
Nach dem Frühstück entschieden wir uns doch den Tag in Trabzon zu bleiben. Abends ging es dann in unsere neue Herberge. Sehr weit hoch den Berg hinauf in ein Studentenwohnheim, wo freie Zimmer fürs Couchsurfing zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig ist der Besitzer dieser riesen Anlage der Sponsor von Olcay. Er ist bereits mit dem Motorrad durch die Mongolei und konnte uns einige Geschichten erzählen. Spät abends wurden die Konversationen in sein privates Haus verlagert und bei viel Raki und Bier intensiviert.
Jetzt haben wir uns entschieden die kostenlose Unterkunft einen weiteren Tag in Anspruch zu nehmen. In der Vorhalle sind Billardtische und eine Kletterwand. Außerdem hat uns eine unerklärliche Migräne befallen. Es ist nicht gesichert, wieso wir beide gleichzeitig betroffen sind, aber wahrscheinlich ist es die Höhenluft. Den weiteren Tag Pause können wir uns unter anderem daher leisten, da die Strecke bis Batumi von Fahrrad fahrenden Augenzeugen als flach bezeichnet wurden und kurzer ist, als wir es gedacht haben. 200 km in den nächsten zwei Tagen.







Samstag, 3. Mai 2014

Samsun adé

Wir haben die Visa!!!

Jetzt geht es auf nach Batumi!
Aller Voraussicht nach werden wir das in 10-14 Tagen erreichen. So genau haben wir uns die Strecke nicht angeschaut, hatten hier vor lauter Pausen und Langeweile kaum Zeit, aber ist ja eigentlich immer nur geradeaus am Meer entlang.

Doch kaum ist die eine Sache geklärt, erscheint schon das nächste Problem! Seit kurzem ist der von uns anvisierte Grenzübergang von Georgien nach Russland, bei Adler kurz vor Sotschi gesperrt und vor Reisen in dieses Gebiet wird auf der Seite des auswärtigen Amtes gewarnt. Dafür ist ein ehemals geschlossener Grenzübergang im Kaukasusgebirge geöffnet worden....
Wir fahren nun bis Batumi und entscheiden dann dort, ob wir mit der Fähre nach Sotschi über setzen um unseren Fahrplan einzuhalten und durch die Fähre auch die in Samsun verlorene Zeit einzuholen oder ob wir durch das bis zu 4000m hohe Gebirge "abkürzen"...

Wir lassen uns und euch überraschen - in Batumi! Bis dahin.

In the meantime

Während wir hier die letzten Tage ungeduldig gewartet haben und wider erwarten das Visum heute noch immer nicht gekommen ist, setzen wir unsere ganze Hoffnung auf morgen, Samstag, da wir ansonsten nicht vor Montag hier weg kämen. Doch wir haben uns die Zeit etwas versüßt und haben viele nette Menschen getroffen.

Am ersten Mai haben wir spontan an einer 1.Mai demo teilgenommen, weil wir mitten drin einige Radfahrer gesehen haben. Sie haben u.a. für mehr Radwege protestiert. Das durften wir natürlich nicht verpassen.
Abends drehten wir dann noch eine kleine Runde mit den Leuten vom Radteam Samsun und trafen auf einen weiteren deutschen, Till, der mit dem Fahrrad unterwegs ist: von der Südtürkei über Istanbul in den Iran.
Seine Abenteuer könnt ihr hier verfolgen:
http://tillontheroad.wordpress.com/

Heute haben wir mit Till viel Zeit verbracht und Know-How ausgetauscht. Als es endgültig feststand, dass die Visa nicht heute kommen, sind wir mir mit Nurcan, einer netten türkischen Opernsängerin, und Olcay, einem netten türkischen Radfahrer, der mit Klapprad und Anhänger auf dem Weg in die Mongolei ist, in eine A Cappella Vorstellung von Opernstudenten gegangen, die türkische Folklore gesungen haben! Wir waren begeistert: Çok güzel!!!

Jetzt hoffen wir, dass die Visa morgen hier ankommen, dann fahren wir wohl wie es aussieht zu dritt oder gar viert weiter in Richtung Trabzon.


Apropos... das zweite Bild ist entstand am Ende der Vorstellung. Während der Vorstellung war der Raum sehr voll. Interessant an diesem Bild ist nur, dass man rechts neben der Bühne eine in der Türkei allseits präsente Person zu sehen ist - wohl irgendein Dirigent!?...