Sonntag, 8. Juni 2014

Bilder der letzten Wochen

Kurze statements zu den Bildern unten.
1 - 3 sportliches und wetterphänomenologisches Spektakel noch in Georgien, Nacht nach Tiflis
4 u 5 Grenze Georgien/Aserbaidschan
6 Pausenplatz nach Xaçmaz
7 Grenze Aserbaidschan/ Russland - Adrenalin pur! (an dieser Stelle nochmals vielen Dank an die beste Visa-von-Berlin-nach-Samsun-Versende-Agentur-die-Es-nur-gibt-und-dafür-sogar-den-Urlaub-verschiebt-und-auch-sonst-super-toll-ist!!!)
8 Grenze Russland/ Kasachstan (ich würde gern die Lobeshymne hier wiederholt wissen, ist mir aber zu aufwendig den ****** zu kopieren)
9 nach Zeltstangenbruch durch Windlast weitere Fixierung. Maskarade sind keine Spielchen sondern gegen Fliegen und Mücken. Erstere sind natürlich nur bei mo, ich bräuchte eigentlich nicht habe aber sympathisiert
10 typischer Sonnenuntergang der letzten Tage in der steppigen Wüste oder wüsten Steppe
11 keine Wolken nur Hitze in Kasachstan
12 in der Flasche ist Wasser - dennoch Koma und Saufen!
13 candlenightdinner mit türkisch-kasachischem LKW Fahrer
14 u 15 Pferde auf dem Weg zur Tränke, ein kommen und gehen
16 Paradoxon? Ständerextention eines Vegetariers
17 Berufsaussichten sind Mau
18 hit the road Jack
19 die beste Abschaffung der vergangenen Wochen: zwei Xxl-Hocker

Luxurious Atyrau and Migration police

We arrived in Atyrau after a flat tyre put an end to the plan of arriving here yesterday. Our campspot was dry and dusty and windy. Thats pretty much it.
Our search for an accomodation here in Atyrau, which we need for registering here in Kazakhstan, was not that easy. After not finding anything we had to settle for a rather expensive hotel for our standards. The shower was really welcome andwe even have a fridge in our room.
Since the migration police is closed for today we have to go back there tomorrow. Even though we have to register at the latest today ,they assured us it would also be fine tomorrow. We'll see about  that tomorrow at 10.

Samstag, 7. Juni 2014

Hitch-hiking by bus, camels and scorching heat

Right now we are in a betting office in the kazakhian plains where we took refuge from the sun and 40°C in the shadow. The problem is that there is no tree or bush high enaugh to cast any shadow. And the camels and wild horses move too much to have a rest in their shadow.
But the interesting part is how we got here. We left georgia by bike, wanting to catch a ride to russia in azerbaidjan because we needed to get to the kazachian border as fast as possible because of our visa and we only had a.transit visa for Azerbaidjan itself. When we crossed the bordee we had to catch a bus to Baku where we arrived in the evening ,with just enough time to get out of the city to find a campspot just by the motorway. Beautiful. The next day we tried to hitch hike with our bikes which actoally worked. After 20 minutes a Truck pulled up and took us close to the russian border. We even got a free lunch, invited by the truckdriver.
The next day we crossed the russian border after hours of waiting, they are not used to bikes to cross the border and you are not allowed to cross over to russia by bike so we had to catch another ride to drive the 300m to the russian or rather Dagestan side.
There we tried to catch another ride. After half an hour we got a ride. The driver was convinced to take us by a old big man who turned out to be a policeman. And the police in dagestan are not just police but have the god like power to pull up any car and order them to take us with them. So basically we moved from police station to police station for two days where they ordered buses and cars alike to take us with them until we were at the kazakhian border in time. The people didnt even hate us when we delayed the bus and didnt even pay but even invited us to lunch. Great people!
When we arrived in Kazakhstan the land made it very hard for us to like it. The first 2 days we had flies everywhere. As soon as you stopped you were covered with them.
Then there are always strong winds from the east, ao headwinds for us and last but not least the heat.
Then there is the other side with wild horses everywhere, camels walking around and rivers every 30-40km where you can refresh yourself with a quick bath.
Strangely the best thing so far was when we met a turkish truck driver last nigt who invited us to the complementary cay and made a really good salad for us. In the background horses came from everywhere to drink at the river nearby and to round it up we had an amazing sunset. Maybe Kazakhstan is not so bad after all.

Ich sitze in der Hitze und schwitze

Die Tage fliegen dahin... bereits Tag 94!
Bald sind wir dreistellig!

Doch ersteinmal etwas Statistik für Gelangweilte im fortgeschrittenen Studium - gemeint sind sowohl Verfasser als Empfänger der folgenden Zeilen.

Wie sieht es mit dem Zeitplan aus?
Klar durch die vielen Veränderungen und zum Teil ungewollten verlängerten Aufenthalte in Samsun und Tiflis - so schön sie auch waren - sind die Pläne längst überholt, dienten sie auch eher als grobe Orientierung und waren nur bezüglich der Visa verbindlicher. Diese verbindlichen Termine einzuhalten ist uns  allen Widrigkeiten zum trotz bisher gelungen, was insbesondere für Kasachstan wichtig war, da uns 2x30 Tage in einem 60 Tagezeitraum zur Verfügung stehen. Zwar sind unsere beiden Aufenthalte in Kasachstan vermutlich nie annähernd an die 30 Tage, aber mit dem kurzen Ausritt über Orsk nach Troitsk in Russland benötigten wir von der ersten Einreise bis zur zweiten Ausreise rund 54 Tage. Da bleibt nicht viel Spielraum. Um so dringlicher war es, dass das "Trampen" durch Aserbaidschan und Dagestan so gut funktioniert hat.

Doch zurück zum Plan!
Astrachan war auf diesem alten Plan noch für den 29.5. vorgesehen. Am 29. verweilten wir aber noch in Tiflis. Nicht weiter dramatisch, da es wie gesagt ein alter Plan war und der neue besagte 3.6. Was ich jedoch am 29.5. in Tiflis verweilend zufällig auf dem veralteten Plan sah, war, dass die Kilometerzahl, die wir zu dem Zeitpunkt erreicht haben sollten exakt mit geleisteten übereinstimmte: 5000!
Nun hatten wir zwar diese Strecke auf einer Kette abgefahren, waren aber noch lange nicht so weit gekommen... hätten wir bis Astrachan die rund 1000km mit dem Fahrrad fahren müssen, hätten wir nicht nur ein kilometertechnisches, sondern daraus resultierend auch ein zeitliches Problem gehabt.
Durch das "Trampen" haben wir jedoch nicht nur Zeit gut gemacht, sondern die verfehlten Kilometer etwas egalisiert. Wir sind in Astrachan bei knapp 5200, also locker unter 10% Verfehlung - also alles wieder easy!

Jetzt sind wieder einige Tage vergangen, seit dem ich den obigen Beitrag verfasst habe. Wir schreiben mittlerweile den 98. Tag. Die Langeweile hat sich verändert. Nicht mehr das Eingekerkert im Auto(bus) sein, sondern die Hitze, der Gegenwind und die ode Landschaft der letzten Tage fordern uns. Um Astrachan herum, bis ca 100km Richtung Atyrau fuhren wir durch ein Fliegengeplagtes Land. Viel Wasser, viele überflutete Graslandschaften und eben viel Hitze und Gegenwind. Selten kamen wir über 15km/h hinaus. Die durchschnittliche Geschwindigkeit liegt bei 13-14km/h und das bei einem Profil, bei dem wir normalerweise über 20 im Schnitt fahren. Bitterer wurde es, dass nach diesen 100km die Gewässer rarer wurden und die letzte Erfrischungsmöglichkeit uns genommen wurde. Weit und breit nichts!

Alles wirkt hier zurückweisend.
Die Straßen sind löchriger als ein schweizer Käse. Bei manchen Löchern konnte man vermuten sie seien Geomorphologischen Ursprungs oder waren bereits beim Straßenbau vorhanden und man hat die Straße einfach um die Löcher gebaut. Ein unten zu sehendes Bild zeigt ein noch relativ enstpanntes Loch, so wie es auch auf deutschen Straßen zu finden sein könnte. Denn Loch ist nicht immer Loch! Mo bevorzugt zum Beispiel die etwas größeren bereits gut ausgefahrenen. Doch wollen wir nicht weiter über die kasachischen Löcher meckern. Da gibt es doch noch so viel anderes:
Die Temperaturen sind bei über 50°C, die Pflanzen sind stachelig, die Leute nur hinter ihrem Autosteuer fröhlich hupend, sonst wenn man sie um Wasser bittet, erhielten wir meist Zurückweisungen. Allerdings spendierte uns ein Mann auch mal einen 5l Kanister Wasser.
Der Wasserverbrauch ist bei uns nach oben geschnellt auf ca. 3-4l pro Person + 2-3l Kochen und Waschen. Auch haben wir nach und nach den Fahrrhythmus verändert. Statt gemütlich aufzustehen und gehen 9-10 loszufahren, sind wir heute um 6 aufgestanden und um 7.30 los. Der Wind war leider auch schon auf, wenn auch noch nicht so stark, aber der Hitze haben wir ein Schnippchen geschlagen. Von 11-16/17 Uhr dann Siesta und dann wird wieder bis 20/21 Uhr gefahren. Letztendlich kommen wir bei dem Rhythmus sogar auf mehr Fahrzeit.

So viel wie ich nun über dieses Land gemeckert habe gibt es doch auch etwas positives. Gestern abend wurden wir in türkischer Manier von einem LKW Fahrer auf einen cay und ein Abendbrot eingeladen. Überrascht von dieser Höflichkeit war es dann nur die Ironie dass er gebürtiger Türke im kasachischen LKW ist. Während unsere Gäume das Mahl genießten, wurden unsere Augen von einem faszinierenden Pferdespektakel verwöhnt. Die letzten Tage sahen wir immer wieder Herden von Wildpferden und fragten uns in Anbetracht unseres Wasserverbrauchs wie die dieses Problem lösten. Der erste Fluss seit über 100km wurde dann zum Sonnenuntergang in regelmäßigen Abständen von Herden zur Abkühlung und zum Trinken genutzt. Dabei zeigten sie eine erstaunliche Ordnung und Disziplin wie ich sie noch tags zuvor bei der hiesigen Bevölkerung beim umlagerten Bankautomaten vermisst habe. Jede Herde blieb nicht länger als nötig, während die kommende sich langsam näherte. Als wir uns vom LKW Fahrer verabschiedeten um unser Zelt aufzuschlagen, kreuzten wir die Pferderoute und brachten die Pferde aus dem Rhythmus. Die unterbrochenen, badenden Pferde kehrten hinter in das wieder ins Wasser zurück und durften ihr Bad beenden, während die folgende Herde im höflichen Abstand an Land wartete - auch ein Umstand der am Bankautomaten nicht vorzufinden wa.

Jetzt sind wir gerade in einem kleinen café, ganz überrascht, dass es hier Wifi gibt. Heute abend schaffen wir es vermutlich noch bis Atyrau - sind nur noch 60km und 55 haben wir schon.

Morgen gilt es sich dann in diesem heißen Land fristgerecht zu registrieren.

Dienstag, 3. Juni 2014

Nachtrag 3.Juni

14:00 Uhr:
Nach Abklappern dreier Läden und der Einsicht, dass es hier zwar neue Zelte, nicht aber Ersatzstangen für unsereres gibt, konnten wir im dritten Laden wenigstens die Stange kürzen. Mal sehen, wamm wor Ersatz bekommen können und wie lange die anderen Glieder halten.
Unsere geplante Route:

Trampen für Fortgeschrittene

So schnell wie in den letzten Tagen waren wir noch nie!
Wir hatten also hatten also unser Aserbaidschan-Visum in der Tasche! So schnell wieder im Hostel und gepackt hatten wir noch nie! Leider mussten wir abermals Olcay zurücklassen, hatten wir doch irgendwie gehofft gemeinsam fahren zu können. Aber wahrscheinlich ist es besser so. Bereits mit dem Klappfahrrad konnte er mit uns mithalten. Wie sollte es nun mit seinem neuen Fahrrad sein? Da führe er wohl uns davon...
Wir fuhren am selben Tag noch bis rund 20km vor die Grenze, rote Brücke, im Süd-Osten des Landes. Uns erwartete ein herrlicher Sonnenuntergang im Westen und ein anrückendes Gewitter im Südwesten. Es war ein tolles Spektakel, welches wir von einer Anhöhe beobachteten, ehe wir pünktlich zum ersten Regenguss das Zelt weiter im Tal aufgebaut hatten.
Der nächste Tag war dann der schnellste... knapp 600km in nur 10 Stunden inklusive Grenzübertritt. Sowohl die Georgier als auch die Aserbaidschani waren unkompliziert. Wir ernteten zwar wie gewohnt viel Kopfschütteln, lachen (ob auslachen oder freudige Teilnahme wissen wir nicht) und Schulterklopfen für unsere Radreise. Dabei haben gerade in letzter Zeit die Routine und unser Selbstverständnis sowie der Kontakt zu den vielen anderen Reisenden gezeigt, dass unsere "Aktion" eigentlich gar nicht so außergewöhlich/überragend/überwältigend ist, bestenfalls interessant.
den einzigen Hinweis den wir von den aserbaidschanischen Beamten bekamen war, dass wir nur fünf Tage zur Verfügung hätten - lächerlich! Nicht nur, dass wir das schon wussten, sondern auch dass das mehr als genug ist: 500km bis Baku und dann 200km bis zur aserbaidschanisch-russischen Grenze!!!
Für 45 Manaten (ca. 45€) fuhren wir bis Baku in einem abenteuerlichen Mercedes Kleinbus. Dabei war sowohl der Zustand des Autos als auch der des Fahrers in bedenkenswertem Zustand. Beide hatten einen Sprung in der Schüssel! Beim Auto war es die gesprungene Scheibe. Beim Fahrer die Fahrweise - wobei die für aserbaidschanische Verhältnisse noch in Ordnung war.
Trampen mit LKWs schien an dieser Stelle utopisch, da alle LKWs für den Transit verplombt waren (konnten wir in einem 15min Dialog mit einem türkischen Fahrer herausfinden; apropos türkisch: damit kommt man in Aserbaidschan ähnlich weit wie mit russisch oder englisch in Deutschland.)
Die Räder spannten wir mit unseren eigenen Gurten und Stropsen oben auf dem Dach fest und beteten!
Doch tatsächlich kamen wir heile in Baku an. Wir hielten unterwegs öfter an, um an einer der vielen defekten Bankautomaten zu versuchen Geld abzuheben, was uns erst im ca. vierten Versuch gelang. Dies war auch notwendig, da der Fahrer unser Geld benötigte um tanken zu können.
5km vor Ankunft gabelten wir den Chef des Fuhrunternehmens auf, welcher das Steuer übernahm und sofort begann den bisherigen Fahrer wüst zu beschimpfen - vermutlich weil er so lange benötigt hat! 6-7h für 500km auf der Autobahn, welche bestenfalls Landstraßenniveau hatte, zum Teil noch in Bau befindlich und in Deutschland wohl dauerhaft auf 60km/h begrenzt gewesen wäre. Aber die Kritik war vollkommen angebracht, wenn man bedenkt, dass der Chef im Stadtverkehr zur RushHour den gleichen Schnitt hinlegte wie unser Fahrer zuvor auf der "Autobahn".
Gegen 19uhr stiegen wir äußerlich unversehrt aus; so auch die Fahrräder.
Beim Versuch aus Baku wieder hinaus zu finden fiel uns ein, dass wir gar kein Kartenmaterial für Aserbaidschan und den russischen Abschnitt bis Astrachan haben - die Route war ja nicht geplant! Aber es war ja prinzipiell easy: nach Norden, raus aus der sengenden Hitze.
Wir kamen am Busbahnhof vorbei und waren umringt von Taxiangeboten nach Xaçmaz (der nächst größeren Stadt vorn der Grenze zu Russland): für eine deutlich kürzere Strecke wurde der doppelte Preis vom dem verlangt was wir noch bis Baku gezahlt hatten. Irre lachend verschwanden wir am Horizont, der Abenddämmerung entgegen. Es war wie ein Bild aus einem der Lucky Luke Comics, nur auf der Autobahn und der damit verbundenden überholenden LKWs. Nachdem weitere Anfragen zum Trampen nach Xaçmaz ins Leere liefen, schlugen wir in der Dunkelheit unser Zelt 30-40m abseits der Autobahn auf und behielten keine bleibenden Schäden.
Am nächsten Morgen fuhren wir weiter aus der Stadt um unsere Trampchancen zu erhöhen. Tatsächlich hielt nach wenigen Minuten die ersten Autos. Und nach 20min in der Sonne stehen, hatten wir unseren Lift gen Xaçmaz! Ein LKW-Fahrer nahm uns mit, die Fahrräder zwischen Anhänger und Fahrerhäuschen eingeklemmt, meines sogar leider etwas unter letzterem, sodass mein eines Hörnchen durch die Erschütterungen flacher und aerodynamischer geschliffen wurde... und wie es sich für den Einstand ins trampen gehört, mussten wir nicht nur nicht zahlen, sondern wurden sogar noch zum Mittagessen in seinem Stammlokal eingeladen. Er war bzw. wir waren die Hauptattraktion, doch aufgrund seines Wissensvorsprung aus einer Stunde gemeinsamer Fahrt und der Sprachbarriere konnte er am meisten über uns erzählen. Nach der Mittagspause ging es mit ihm weiter. Nur hatte er nun unser Deutsch-Russisch-Wörterbuch in der einen Hand, in der anderen eines von drei Handys, die abwechselnd oder gleichzeitig klingelten und bedient wurden, während er die langsamen LKWs überholte. Im Prinzip das bekannte Bild, nur fühlten wir uns in dem großen Truck sicherer als noch im Mercedesbus.
Die letzten 70km bis kurz vor die Grenze fuhren wir dann einfach mit dem Fahrrad.
So hatten wir binnen zwei Tage das ganze Land durchquert - mit Fahrrad ;)
Der Tag des Grenzübertritts und unserer lang ersehnten Russlandeinreise ist ein Tag voller polizeilicher Machtdemonstration und Machtmissbrauch.
Die Nacht hatten wir auf irgendeinem Feld kurz vor der Grenze verbracht (Karte). Die Autobahn für die letzten Meter entpuppte sich als eine im Bau befindliche Schotterstraße.
Das Land zu verlassen dauerte verhältnismäßig lange und war geprägt von (so aus Sicht eines naiven-das-große-Ganze-nicht-überschauenden Radfahrers) sinnloser Kontrollwut. Die Autos wurden komplett ausgeladen, das Gepäck gescannt, das restliche Auto durchsucht. Unvorstellbar, dass dies vor nicht all zu langer Zeit auch an jeder  innereuropäischen Grenze üblich war. Und das Ganze war so überflüssig! Alle duften am Ende passieren, niemand wurde verhaftet, nichts wurde konfisziert... Doch die Beamten waren nett, es gab das bereits bekannte Schulterklopfen, Kopfschütteln etc. und (wer hatte das gedacht, außer die neuen politischen Rechten im europäischen Parlament): "Rassismus verbindet die Völker" (ein auf einer Radreise befindlicher Politikstudent). Während ich mit unseren Pässen anstand (die Lieblingsbeschäftigung des Tages), scherzte Mo mit dem Obermacker! Er erklärte ihm die geplante Route, unter anderem das Ziel China damit, dass er die Augen zu Schlitzen verzog. Das verstand der Obermacker, lachte und ein Freund war gewonnen
Unsere wehleidige Miene und das freundliches Scherzen brachte uns den gewünschten Erfolg. Das komplette Fahrrad mit Gepäck passte nicht durch den Gepäckscanner. Der Unteroffizier forderte uns auf alles abzuladen und einzeln auf das Band zu legen. Dieses Prozedere hätte uns wohl wieder 30min-1h gekostet. Da kam Mos rassistischer Kumpel, verwies die Unteroffiziere in ihre Schranken, denn er erkannte mit seinem erfahrenen Auge, dass in dem Gepäck von Freunden nichts von Interesse zu finden sein würde und erklärte unser Gepäck für durchsucht!
Wir waren also heil aus Aserbaidschan hinaus genommen, mussten bis dahin nur noch einigen neugierigen Beamten unsere Passport vorzeigen. Die intelligentesten von denen fragten mit dem Passport in der Hand woher wir denn seien!?
Angenommen im Niemandsland gab es kein zurück mehr! Doch leider erklärte uns der erste russische Offizier, dass dieser Grenzübergang nach Russland für Fahrräder verboten sei. Wir waren gefangen im Niemandsland - für 10min. Da nahm uns ein Abschleppwagen mit. Nach etlichen weiteren Passkontrollen und insgesamt 4h, bei denen wir die meiste Zeit einfach sinnlos warteten, waren wir im gelobten Land - zumindest öffnete der letzte Grenzpolizist das Tor genau so auf.
Die ersten Menschen auf die wir trafen unterbreiteten uns ein Angebot für 100$ uns 250km zu fahren. Es folgte unsere bekannte Reaktion, nur dass es noch nicht dämmerte. Wir fuhren, Grenzerfahren wie wir waren, etwas von der Grenze weg, um die Chance auf unverplompte LKWs zu erhöhen. Doch es kam alles ganz anders.
Was nun folgte macht mich in keinster (naja vielleicht ein wenig) Weise glücklich ausgenutzt zu haben. Das Krankenkassen/Privatkassensystem in Deutschland muss dagegen als äußerst gerecht beurteilt werden:
Wir standen 10min an einem idealen Platz zum trampen. Die LKWs zischten an uns vorbei, als plötzlich ein Lada anhielt und ein dicker Mann in rotem Hemd mit schönem Pornobalken ausstieg. Es fehlte nur noch die große Sonnenbrille und er sähe aus wie ein aufgegangener Magnum. Zunächst interessierte er uns nur peripher, da sein kleiner Wagen zu klein für unsere Masse an Gepäck und Fahrrädern war. Doch (unsere Höflichkeit haben wir an anderer Stelle bereits geschildert) erteilten wir ihm die Erlaubnis uns anzusprechen. Es sollte unsere beste Entscheidung an diesem Tag gewesen sein.
Zunächst unterstütze er uns beim anhalten von Autos. Der erste Transporter der anhielt wurde solange bequatscht, bis er uns mitnahm. Der Magnum folgten uns in seinem Lada. Nach 30km endete die Reise - fürs erste... der Magnum enttarnte sich als Straßenpolizist, was ihm wohl den nötigen Respekt verschafft hatte, der Transporterfahrer zu überzeugen uns mitzunehmen. Da leider der Transport nicht weiter fuhr, wies uns der Magnumpoliszist an 10km bis Derbent zu fahren - mit Fahrrad! Ungewöhnliches Gefühl: so langsam, so empfindlich - passt gar nicht zu unserem in denn letzten Stunden abgeguckten befehlendem Verhalten! Wir sollten also mit dem Fahrrad weiter und an der nächsten Polizeistation halten. Gesagt getan! Was eine Polizeistation. Hier in der Gegend Dagestan sind an größeren Kreuzungen stabile Polizeistationen/-festungen deren Bewacher mit großen Gewehren ausgestattet sind. Die Polizisten meinten die Gegend Dagestan sei gefährlich, wegen der hiesigen Menschen; ob sie sich selbst damit meinten?
Wir trafen unseren Magnum wieder und er gab uns Geleitschutz durch den nächsten Tunnel und den folgenden 5km bis zur nächsten bewachten Station. Dort übergab er uns seinen Kollegen und verabschiedete sich. Die Kollegen hatten die Aufgabe unseren nächsten Lift zu organisieren. Mit Schlagstock, Trillerpfeife und Gewehr ausgerüstet hielten sie einen Transporter an. Wir hatten ein schlechtes Gewissen: sollten nun die Bürger gezwungen werden uns mitzunehmen? Der Transporter war voll.
Als nächstes hielten sie einen Reisebus an. Die Fahrer wurden "überredet" uns mit zunehmen - kostenlos!
Mit Sicherheit sind die Menschen hier gefährlich! Wir kennen bei der polizeilichen Willkür hier auch den Grund dafür; es ware verwunderlich, wenn man da nicht gefährlich werden würde! Doch was beschwere ich mich? Es war doch für einen guten Zweck - für uns!
Ja wäre die Polizei in Deutschland mal so hilfsbereit wie hier!!! Aber dafür müssten sie Regeln brechen, die es hier gar nicht zu geben scheint. Angehalten wurden nicht die Autos mit waghalsigen Manövern direkt vor der Polizeistation, sondern nach gut dünken Freunde zum Scherz, Feinde aus Schikane!
Aber wie gesagt, ohne polizeiliche Mithilfe hätten wir wohl nicht so schnell und so unkompliziert einen "freiwilligen" (James T. Kirk) Lift bekommen. Gepäck nach unten, Fahrräder in den Innenraum im Gang und ab ging die Post! Die Fahrweise war die bekannte: Überholvorgang auf der Landstraße ist easy, eine Hand am Handy, eine am Schaltknüppel, eine... Moment ein Mensch hat doch nur zwei Hände...
Immer wieder über die unwirkliche Situation lachend fuhren wir gen Norden. In Makhachkan gab es einen Zwischenstopp, die Passagiere wurden gewechselt, der Fahrer und die Fahrweise dagegen nicht, die Räder kamen nun auch nach unten zum Gepäck. War wohl doch zu gefährlich oben. Dies haben die Fahrer gemerkt, als bei einer Vollbremsung irgendein riesen metallener Anlasser nach vorne rollte/flog.
Wir klärten, dass wir nicht bis mach Sotschi (dem Reiseziel) oder Grozny mitfahren wollten, sondern nur bis Khasavyurt. Wobei Sotschi wohl auch reizvoll gewesen wäre...
Die Nacht verbrachten wir dann direkt an der Straße. Das Zelt im Dunkeln gegen Mitternacht aufgebaut. Am nächsten Morgen ging es erst einmal darum, die Schäden des vorherigen Tages zu beseitigen. Ich hatte einen Schutzblechschaden und Mo hatte im Dunkeln ein Schlagloch übersehen und musste nun die 8 wieder raus bekommen. Wir kamen daher erst gegen 12 los. Wild entschlossen, nun selbst zu trampen und den Polizeistaat nicht auszunutzen, sprach uns der Tankwarter an und meinte wir sollten doch lieber ein Stück zurück und die Polizei bitten, uns die Autos anzuhalten. Angesichts des starken Windes und der scheinbaren Legalität des Polizeitrampings taten wir wie geheißen!
Man organisierte uns abermals einen Reisebus, der uns zu einem 300km näher gelegenen Posten brachte, wo wir an die nächsten Innerrussischen Grenzbeamten übergeben wurden. Die organisierten uns dann ein Auto aus Bulgarien, welches seit vier Tagen unterwegs aus Varna war - auf den Weg nach Astana... ganz bis dorthin wollten wir nun nicht, auch wenn es verlockend war. Aber sie brachten uns bis 30km vor Astrachan. Da wir uns verfahren hatten kamen wir erst un 2:00 nachts an und bauten abermals im Dustern das Zelt auf - unter einem phantastischen Sternenhimmel!
Die Nacht war wieder windig - kaspische Meerwinde, so sagte man uns, scheinbar normaler Zustand! Am nächsten morgen kurz bevor wir uns daran machten, das Zelt abzubauen, gab eine der Zeltstangen unter der Last des Windes nach. In Astrachan müssen wir also Reparaturen organisieren. Wir gaben auf dem Weg dorthin auch dem Wind nach, da wir die letzten 30km nicht mit 10km/h fahren wollten und hatten Glück, dass wir mit einem selbst organisierten Transporter ins Stadtzentrum mitgenommen wurden.
Jetzt konnten wit das erste Mal wieder Geld abheben und hatten sofort freien Wifi-Empfang. Die Chance wird natürlich gleich genutzt, euch auf den neusten Stand zu bringen. 
Achso: das bedeute, wir haben es 1 Tag vor Beginn des Kasachstan Visums tatsächlich kurz vor die Grenze geschafft!!! Yuhuuu!!!
Fotos müssen leider warten, bis wir mehr Zeit haben. Aber ein Foto vom Handy darf euch nicht vorenthalten werden.
Der Ausgemusterte und der Kriegsdienstverweigerer ganz gierig am Gewehr!

Montag, 2. Juni 2014

Finally Russland!

Wir sind in Russland! Nur vier Schikanen später haben wir sogar jemanden gefunden, der uns mitnimmt. Ein dicker Mann mit kleinem Auto wollte uns helfen und hat den ersten Tarnsporter, der vorbeikam angehalten und den Fahrer so lange beschimpft, bis wir mitdurften. Mal sehen, wie weit er uns mitnimmt.